
Der zeitliche Rahmen und die Gründe der Auswanderung aus dem Wallis: Im ausgehenden 12. Jahrhundert überstiegen die ersten Gruppen von Oberwallisern die Pässe, um sich in den benachbarten Bergtälern anzusiedeln. Die Auswanderung erreichte im 13. Jahrhundert den Höhepunkt und fand um die Mitte des 14. Jahrhunderts ihren Abschluss.
Es kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden, warum diese Bauern und Hirten das "Goms" (Oberwallis) besonders nach Süden und Osten hin verließen und auf diese Weise von "Wallisern" zu "Walsern" wurden. Waren es die großen Kinderzahlen, die eine Überbevölkerung verursachten? Waren es Naturkatastrophen, Klimaveränderungen oder die Pest? War es die Trockenheit des warmen Klimas vor 700 Jahren, das im Wallis Not bereitete? Oder einfach die Lust am Abenteuer?
Dazu kann niemand mehr befragt werden und es fehlen Urkunden, die davon berichten. Eine zentrale Rolle spielten die Feudalherren mit ihren verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Verbindungen, die es gestatteten, die ausgezogenen Walliser in unwirtlichen Gegenden anzusiedeln. Die Bevölkerung und die Anbauflächen wuchsen. Dadurch sicherten die Herren ihren Unterhalt und ihre Herrschaftsansprüche. Die Siedler erhielten an vielen Orten das "Walserrecht" (Kolonistenrecht), d.h. die persönliche Freiheit, das Recht zur Bildung eigener Gerichtsgemeinden und das Recht der freien Erbleihe von Grund und Boden. Dies besagte, dass beim Tod eines Siedlers das Gut auf seine Erben überging. Das "Walserrecht" wurde gegen einen mäßigen Zins und die Verpflichtung zum Kriegsdienst gewährt.
Einige Gruppen überquerten vermutlich vor 1200 den Simplon und kolonisierten die Südseite des Passes. Später verdrängten sie die romanische Bevölkerung aus dem Gebiet von Zwischenbergen.
Im 13. Jahrhundert wurden mehrere italienische Hochtäler besiedelt. So ließen sich zum Beispiel im Pomatt (Val di Formazza), Saaser Tal und in Gressoney Siedler aus dem Mattertal nieder. Walser aus dem Pomatt zogen um die Mitte des 13. Jahrhunderts weiter und gründeten Bosco-Gurin, die heute einzige deutschsprachige Ortschaft im Kanton Tessin. Weitere italienische Walser Siedlungen (Südwalser) sind Im Land (Alagna), Makaná (Macugnaga), Urnafásch (Ornavasso), Rima und Rimella.

Im 12. und 13. Jahrhundert setzten sich deutschsprachige Walliser im französischen Savoyen fest. Sie legten dort drei Siedlungen an. Zwei von ihnen heißen noch heute Les Allamands. Die deutsche Mundart ist dort schon lange erloschen.
Leute aus dem Lötschental schlugen im 12. und 13. Jahrhundert im Berner Oberland neue Wohnsitze auf. Sie siedelten im Lauterbrunnertal und in Planalp am Fuße des Brienzer Rothorns. Eine weitere Niederlassung gründeten sie westlich von Thun. Die so genannten Lötscher waren Rückwanderer in das Berner Oberland.
Oberwalliser überquerten schon im 12. Jahrhundert die Furka und ließen sich inmitten der romanischen Bevölkerung des Urserentales nieder. Von hier aus drangen einzelne Sippen über den Oberalppass ins Quellgebiet des Rheins und flussabwärts bis Obersaxen vor.
Andere Walser Kolonien Graubündens verdanken ihre Entstehung Einwanderern aus den Südkolonien. Die ersten Walser im Averstal und im Rheinwald stammten zum großen Teil aus dem Pomatt (Val di Formazza). Die Walserkolonie in Davos wurde vermutlich von Siedlern aus dem unteren Teil des deutschen Wallis oder den westlichen Südkolonien gegründet. Vom Rheinwald und Davos wurden die umliegenden Bergtäler in Besitz genommen. Leute aus dem westlichen Oberwallis oder Angehörige der Davoser Gruppe gelangten bis nach Liechtenstein und ins österreichische Bundesland Vorarlberg. In Vorarlberg tragen das Große und das Kleine Walsertal noch heute den Namen der Einwanderer.
Die Besiedlung des Oberwallis - Das Oberwallis besteht aus dem heutigen Deutsch sprechenden Teil des Wallis und erstreckt sich von der Furka bis zur Raspille (Sierre). Ursprünglich war es durch die Kelten besiedelt (Uberer, Seduner, Veragerer und Natuaten) wo bei sich im heutigen deutschen Teil die Uberer befanden.
Um 40 v. Chr. wurde das heutige Wallis von den Römer unterworfen und wurde wegen seiner verkehrstechnischen Bedeutung (Summus Poenius, Grosser St. Bernhard) zur römischen Provinz mit römischem Bürgerrecht, das ganz Gebiet wurde romanisiert.
Ab dem Jahre 443 wird das Wallis von den Burgunder besiedelt, sie machten aber nur rund einen Drittel der Bevölkerung aus und übernahmen Sprache und Kultur der Römer (Frankoprovenzalisch). Das Wallis gehörte nun bis 999 zum Königreich Burgund
Die Besiedlung des Oberwallis ist historisch recht unsicher; Sprachforscher legen die Einwanderung zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert fest, auch die Herkunft lässt sich fast nur aus sprachwissenschaftlicher Sicht beantworten.


Woher sind die Alemannen eingewandert?
In dieser Frage sind sich die Gelehrten nicht einig. Die einen behaupten, sie seien über die Grimsel ins Goms eingedrungen und dann allmählich talabwärts vorgestossen. Die andern versuchen zu beweisen, dass sie über die Gemmi oder den Lötschenpass eingewandert und dann talaufwärts gezogen seien. Dass Alemannen aus dem Haslital ins Goms eingewandert sind, steht fest. Im obersten Rhonetal findet sich eine lange Reihe von Dörfern, deren Namen auf -ingen ausgehen: Ulrichen (Uolrighingen), Reckingen, Gluringen, Selkingen, Blitzingen. Diese Silbe bezeichnet die Zugehörigkeit einer Siedlergruppe zum Dorfgründer oder zum Grundherrn. So bedeutete Reckingen ursprünglich «Sippschaft des Recko». Die Gommer Namen bilden aber die natürliche Fortsetzung der -ingen-Kette des Berner Oberlandes, die mit Meiringen im Haslital endet.
Die Einwanderung über die Gemmi oder den Lötschenpass ist schwieriger nachzuweisen. Das Walliserdeutsch ist nicht einheitlich. Es umfasst zwei Mundartgruppen. So nennt man den Frühling im westlichen Oberwallis üstag, im östlichen langsi. Unterhalb Brig sagt man liwwu, oberhalb Brig hirme. Lüwe/liwwe ist aber auch nördlich des Lötschenpasses und ghirme jenseits der Grimsel verbreitet. Das spricht für zwei Einwanderungswege.
Im 13. Jh. ist diese alemannische Bevölkerung so stark angewachsen, das ihnen der Platz im Oberwallis zu eng wurde. Eine Ausdehnung weiter nach Westen war wegen der starken Romanen (Herzogtum Savoyen) nicht möglich deshalb zogen sie über die östlichen und südlichen Gebirgspässe in die nachbarlichen Hochtäler (Walserwanderung)

Quellen: Walliser Geschichte Band 1+2, Arthur Fibicher; Die Walser, Hrsg. IVfW; Internet. Zeittafel, Wikipedia und Schweizer Geschichte
Es war eine Streitfrage, ob die gesonderte Rechtsstellung der Walser unter den anderen Alpenvölkern Erbgut aus dem Wallis oder erst nachträglich erworbenes Kolonistenrecht war. Wiederholt heißt es in Schirm- und Erblehensbriefen: "sicut est illorum consuetudo". Doch Zinsli und Ilg kommen auf Grund der Untersuchungen Livers zum Schluss, dass Walserrecht Kolonistenrecht war.
Die Walser erstanden ihre neue Heimat unter günstigsten Bedingungen: Sie lebten unter Schirm und Schutz des Grundherrn, bewahrten oder erhielten ihre persönliche Freiheit, übernahmen Grund und Boden des Herrn als freie Erbleihe, vollstreckten die niedere Gerichtsbarkeit in jeder sich selbst verwaltenden Gemeinde und leisteten als Freie Waffendienst.
Das Recht der Kolonisten war nicht überall gleich uneingeschränkt wie in den Vorarlberger Walsergebieten.Eigenartig klingt es, dass die Kluft zwischen dem leibeigenen Landbauern und dem freien Walser Bergbauern so gewaltig war. Der Walser war insofern frei, als er nicht an die Scholle und den Herrn gebunden war. Er verfügte über das volle Abzugsrecht. Er hatte weder Leibsteuer noch Fallsteuer oder sonstige Abgaben Leibeigener zu entrichten. Er hatte keine Frondienste zu leisten, war keinen Heiratsbeschränkungen unterworfen und bekannte sich zum Recht aller Freien, dem Waffendienst, der ihn zur Verteidigung "innrethalb des landts in unser (des Grundherrns) coßte mit schilten und mit spere und mit ir liben" verpflichtete. Die freie Erbleihe war ein Pachtvertrag zwischen Grundherr und Siedler, der unter Bezahlung eines gemeinsam festgelegten, jährlichen Zinses zustande kam. Die Erbleihe war zeitlich nicht beschränkt; sie konnte verkauft, verpachtet oder weitervererbt werden. Im Lehensbrief von 1289 für die Walser in Davos heißt es: „Dasselbig Guot söllend sie ewigklich besitzen. Unnd wenne sie ihren zinß verrichtend, so sind sie frey und habend mit nieman nüdt ze schaffen". Ein Satz des Erblehensvertrages aus dem Jahre 1364 über die "Alpe Ragaz" lautet: "Es hant och die vorgenenten Walliser und ir erben die recht und den gewalt, daz sie dieselben alpp megent verkofen, verseczen und übergeben iren gnossen und sol ich noch min erben dez nit sumen noch irren sus noch so.''
Jede Walsergemeinde hatte eine eigene Gerichtsobrigkeit. Ihr stand der von den Walsern selbst gewählte Ammann vor. Das Gericht Tannberg schreibt unter anderem im Jahre 1678: "Zum Ersten ist bey vns auff Tamberg von Alters Herr gebrauchig gewesen, das ain Amann, ain Gerichtsschreiber und Zwölf Gerichtsgeschworene und ain Gerichtswaibel von ainer hohen Obrigkeit und ainer ganzen gemaindt erwöldt und gestörzt sind worden." Nur die "Malefizsachen", also das Blutgericht, behielt sich der Lehensherr selbst vor.
Die eigene Gerichtsbarkeit ist den Walsern auf dem Tannberg und Mittelberg 1453 verloren gegangen. Sie hatten sich gegen die Habsburger erhoben und zwei Unterhändler des Erzherzogs Sigmund misshandelt und eingesperrt. Der Erzherzog musste seine Abgesandten mit Waffengewalt befreien. Er unterwarf die Tannberger und die Mittelberger und zwang sie, allen ihren früheren Rechten zu entsagen. Unter Kaiser Maximilian erlangten die Walser alle ihre im Jahre 1453 eingebüßten Rechte wieder zurück. 1563 erhielten die Mittelberger ein eigenes Gericht und wurden so vom Tannberg unabhängig.
Die Walser in der Herrschaft Blumenegg verzichteten 1526 freiwillig auf ihre Rechte und begaben sich in die Leibeigenschaft. Die größtenteils unfreien Landbauern im Walgau widersetzten sich hartnäckig dem fortschreitenden Zustrom von Walsern aus den landnahen Gebieten des Großen Walsertales. Ein großer Nachteil für die Großwalsertaler war eine Verordnung des Grafen von Werdenberg, in der bestimmt wurde, dass die Walser beim Ankauf von Grundstücken leibeigener Bauern ihrer Rechte verlustig werden.
Im Laufe der Jahrhunderte verlor das privilegierte Walserrecht an Wert, da die Leibeigenschaft der Bauern auf dem Land angesichts der großen Zugeständnisse an die Walser von den Grundherrn abgebaut werden musste und schließlich nur noch dem Namen nach existierte.
Ähnlich wenig wie in der Herrschaft Blumenegg konnten sich die Walser im Montafon durchsetzen; sie begaben sich bereits 1453 unter die Herrschaft des österreichischen Vogtes von Bludenz und verzichteten auf die besondere Walser Rechtsstellung.
1805 wurden alle Walsergerichte aufgelöst.
Im Jahre 888 gründete Rudolf I. das Königtum Hochburgund, zu dem auch die Grafschaft Wallis gehörte. Der letzte Herrscher von Hochburgund, Rudolf III., hatte gegen seinen machthungrigen Adel einen schweren Stand. Deshalb versuchte er, seine wankende Herrschaft zu festigen, indem er Bischöfe zu weltlichen Fürsten erhob, denn die Geistlichen waren nicht so machtgierig wie die Adeligen, da sie ihr Amt nicht vererben und deshalb auch keine Familienherrschaft begründen konnten.
Im Jahre 999 schenkte Rudolf III. Bischof Hugo von Sitten und seinen Nachfolgern die Grafschaft über das Wallis. Von nun an übte das geistliche Oberhaupt auch die höchste weltliche Gewalt aus.
Rudolf III. von Hochburgund hatte keine Erben hinterlassen und sein Land kurz vor seinem Tode im Jahr 1032 dem Kaiser geschenkt. So war das Wallis ein Teil des Deutschen Reiches, der Bischof ein Reichsfürst geworden. Fortan unterstand er direkt dem Kaiser. Nur der Kaiser hatte das Recht, ihn in sein weltliches Amt einzusetzen und mit Regalien zu belehnen.
Zwei Jahrhunderte später gelang es dem Graf von Savoyen, sich zwischen den Kaiser und den Bischof einzuschalten. Er durfte den Bischof mit den Regalien belehnen (vor 1224). Da der Graf und der Bischof einander außerdem gewisse Besitzungen überließen, kam es zu einer gegenseitigen Belehnung.
Graf Peter II. wollte die ständigen Streitigkeiten zwischen seinen Leuten und den Untertanen des Bischofs beenden. Darum besetzte er die bischöflichen Besitzungen Martinach und Ardon/Chamoson und zwang Heinrich von Raron im Jahr 1260 einen Tauschvertrag auf. Der Bischof verzichtete auf seine Ländereien unterhalb der Morge. Der Graf trat ihm dafür seine Besitzungen im oberen Landesteil ab. So entstand eine klare Grenze. Doch acht Jahre später hob Peters Nachfolger den Vertrag wieder auf.
Quellen: Walliser Geschichte, Bd. 1+2, Arthur Fibicher, Wikipedia

Viele Adelige waren Grundherren und hatten deshalb die "niedere Gerichtsbarkeit" inne. Fast alle Edelleute versahen im Dienste des Grafen von Savoyen und/oder des Bischofs von Sitten eines oder mehrere Lehensämter. Die Güter, die sie zu "Lehen" trugen, betrachteten sie aber als ihr persönliches Eigentum. Sie nannten sich Freiherren und erkannten keinen andern Herrn über sich als den Kaiser und übten auf ihren Besitzungen auch die "hohe Gerichtsbarkeit" aus. Deshalb bildete die Macht des Adels für die weltliche Herrschaft des Bischofs eine ernste Gefahr.
Im 13. Jahrhundert waren die Freiherren von Turn die mächtigsten Adeligen der Grafschaft Wallis. Die Freiherren von Turn waren nach dem Bischof die reichsten Grundherren in der Grafschaft und hatten von ihm viele Güter und Ämter zu Lehen. So wurden sie allmählich zu seinen Konkurrenten.
Im Jahr 1296 verbündete sich Freiherr Peter IV. von Turn mit anderen Walliser Adeligen und mehreren Freiherren des Berner Oberlandes und griff Bischof Bonifaz von Challant auf den Sustmatten bei Leuk Bischof Bonifaz von Challant, der sich mit der Stadt Bern verbündet hatte, an. Die bischöflichen Truppen besiegten die Aufrührer und nahmen sie gefangen. Die Gefangenen wurden erst 1299 wieder frei gelassen, nachdem sie sich dem Bischof unterworfen hatten. Trotzdem erklommen die Freiherren von Turn kurz darauf den Gipfel ihrer Macht. Johann, der ältere Sohn von Peter, gelangte in den Besitz des Kander- und Lauterbrunnertales und Aimo, sein jüngerer Sohn bestieg den Bischofsstuhl von Sitten und herrschte fünfzehn Jahre lang über das Wallis.
Literatur: Walliser Geschichte, Bd. 1+2, Arthur Fibicher
An das Recht der «freien Walser» im Osten erinnert der Erblehensbrief der Walser auf Planalp über Brienz vom August 1306, der den Walsern die Freizügigkeit zugesteht. FRB IV/S. 269/Nr. 238 = Fontes Rerum Bernensium; Hans Kreis, Die Walser, S. 63; Paul Zinsli, Walser Volkstum, S. 301
Der Erblehensbrief für die wohl schon um 1300 auf Planalp sesshaften Walser wurde im August 1306 ausgestellt. Belehnt wurden neun Männer, genannt Lötscher, mit ihrem «nachgeburn» Walther von Grindelwalt und dessen Sohn Jacob, die zweifellos auch Walser waren. Herr Chunrat von Bache, Burkhard von Meiringen und dessen Bruder Uolrich Bongarter überlassen den Siedlern «ir erda und ir gut, mit namen ze Briens die hofstatt, der man spricht die Wisa und den Berg Planalp, mit hüsren, und mit gedmern, mit wasen und mit zwien, mit holtz, velde matten, achern, gebuwen old ungebuwen, mit wasser, wasserleiti, mit weida, wegen,stegen...» Jeder kann sein Gut frei seinem Nachbarn auf dem Berg verkaufen.; «vindet er da nieman, so mag er es verkouffen einem andern Lötscherre, sim gnôse» oder sonst an Leute im Gericht Brienz. Sie haben weder Todfall noch Ehrschatz zu zahlen und keinen anderen Dienst zu leisten «uber den vorgescribnen Zins». Besiegelt wurde diese Urkunde von Herr Peter, Probst zu Interlaken und Peter von Turn «na der gewanheit, so di Lötscherra untz (bis) har sint under ime gesin». Ob diese Lötscherkolonisten aus dem Lauterbrunnental oder direkt aus dem Lötschental stammten, wissen wir nicht.
Die Planalp dürfte kurz nach der Reformation als Dauersiedlung aufgegeben worden sein. Als das Fundament zum Kurhaus Planalp ausgehoben wurde, kamen bergseitig in etwa drei Meter Tiefe eine Treppe mit Steinstufen und ein Mauerrest zum Vorschein. Die Abwanderung ins Tal dürfte dadurch begünstigt gewesen sein, dass mit dem Vertrag von 1306 auch das Talgut «Wisa» in die Hände der Walser kam. Zu diesem Grundstück werden die Leute auf Planalp im Laufe der Zeit weitere im Tal erworben haben und sich, einer nach dem andern, in der Tiefe niedergelassen haben. Heute erreicht man die ehemalige Walsersiedlung Planalp mit der Zahnradbahn Brienz-Brienzer Rothorn.
Die Walser besassen in allen Regionen eine bevorzugte Rechtsstellung. So kannte auch Triesenberg die Grundelemente des Walser Rechts, wich aber in einigen Punkten von der Stellung in anderen Kolonien ab.
A: Die Persönliche Freiheit
Die Walser in Liechtenstein waren bis 1618 von der Leibeigenschaft befreit. Sie besassen die Freizügigkeit, d.h., sie konnten den Wohnort nach eigenem Gutdünken wechseln und hatten zum Unterschied der übrigen Untertanen (Unfreie) das Recht, ohne Erlaubnis des Landesherrn und ohne Entrichtung einer bedeutenden Abgabe das Gebiet wieder zu verlassen. (JBL/Bd. 2 S. 121 f. )
Sie waren frei von Heiratsbeschränkungen und konnten ohne irgendwelche Zustimmung eines Herrn heiraten wen sie wollten.
Im Vergleich zu den Unfreien waren sie frei von verschiedenen Abgaben, so z.B. von der Abgabe der Leibhühner. Sie waren auch von der Pflicht befreit, für jeden Haushalt ein Fuder Dünger im Jahr in den Wingert nach Vaduz zu führen. Eine markante Freiheit bestand darin, dass sie bis 1513 keine Landes- und Abzugssteuer zahlen mussten. (JBL/Bd. 9 S. 108)
B: Die eigene Busspraxis
Die Walser am Triesenberg hatten eine eigene Busspraxis, die sie nach eigenen Gewohnheiten festsetzen konnten (niedere Gerichtsbarkeit). Während ein gewöhnlicher Untertan z.B. für ein Vergehen nur ein Pfd.Pfg. Busse bezahlen musste, so wurde dem Walliser 5 Pfd. diktiert (=Walliser keine Busse). Wo hingegen ein Eigenmann des Grafen 10 Pfd. Strafe zahlen musste, da musste ein Walliser 15 Pfd. bezahlen (=Walliser grosse Busse). In einem Spruchbrief von 1516 heisst es z.B.: „Wenn ein Walliser jenseits des Kulms aus dem Triesner Wald wüstlich Holz haut, das soll er bei der Walliser kleinen Busse mit 5 Pfd. Pfg. entgelten.“ Die Geschworenen hatten die Aufsicht über Wege, Marken, Zäune, Wälder, Hirten usw.
Der Blutbann (hohe Gerichtsbarkeit) stand dem Landesherrn zu.
C: die freie Erbleihe
In Form der freien Erbleihe hatten die Walser ein aussergewöhnlich günstiges Besitz- und Nutzungsrecht.. Sie bekamen ein Gut, das vertauscht, versetzt, verkauft und vererbt werden konnte, hatten also das Gut zu ewigem Besitz- und Nutzungsrecht. Das bedeutete praktisch die Verfügungsgewalt über den Boden. Es musste ein Zins entrichtet werden, der für ein für allemal (ewig!) festgelegt und sehr vorteilhaft war. Wurde der Zins auf den vereinbarten Termin nicht entrichtet, verdoppelte er sich. Eine Veräusserung war duch das Vorkaufsrecht des Grundherrn beschränkt, welches dieser innert vier Wochen geltend machen konnte, andernfalls muss der Erbleiher fünf Prozent vom Verkaufspreis dem Herrn als „Ehrschatz“ entrichten. (Peter Liver, „Abhandlungen zur Rechtsgeschichte“ 1970
JE – 18.7.2006
Die Walser Besiedlung entwickelt sich im 12. und 13. Jahrhundert im Wallis. Am Anfang des Rhone Tals (Goms: Kessel) hat sich eine Kolonie alemannischen Ursprungs von verschiedenen Jahrhunderten angesiedelt, die im ersten Jahrtausend von Nord –Europa eingedrungen ist.
Der Aufenthalt im Goms fördert die Fähigkeit dieser Gruppe von Berg-Hirten, Techniken der Bebauung und des Überlebens in der Höhe zu entwickeln. Es handelt sich um die erste, in der Höhe, wichtige, menschliche und permanente Niederlassung der Geschichte des europäischen Mittelalters. Die damaligen, politischen Umstände des Wallis fördern die Entwicklung der kolonialen Siedlungen. Hier erlebt der Staat des Bischofs- Fürsten von Sion, durch fruchtbares Werk von Laien-Lehnsherren aus der Lombardei, Pionierarbeiten der Kolonisierung in der Höhe und der Annexion (Integration) von Gebirgsgebieten auf der entgegengesetzten, alpinen Wasserscheide: im Wallis auf der einen Seite, und in den südlichen Täler (Monte Rosa und Ossola) auf der anderen. Es werden noch gewagte Unternehmen zur Besiedlung angeregt, von denen die alemannischen Siedler aus dem Goms (später als Walser benannt) zähe und unermüdliche Hauptfiguren sein werden.
Das Formazza Tal war, zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert, Lehngut der Familie De Rodis aus Baceno, die im Jahr 1210 vom König die Bestätigung eines kleinen Lehngutes im hohen Tal des Flusses Toce (Formazza, Salecchio, das Tal von Baceno) bekam. Die Walser Besiedlung von Formazza, die wahrscheinlich vor dem Jahr 1210 erfolgte, stellt die älteste Walserniederlassung dar.
Von Pomatt werden weitere Wanderwellen ausstrahlen, die die Walser nach Osten und dann in den Norden des Gebirgsmassivs schieben werden. Es beginnt so die weite rätische Kolonisation (Bosco Gurin, der Rheinwald in Graubünden mit den abhängigen Kolonien, und die ältesten Walser Nachweise von Vorarlberg, in Damüls).
Originaltext: Enrico Rizzi
Deutsche Übersetzung: Federica Antonietti, Sprach-Büro Walser aus Poma
Der Grundbeweis des Rechtes und der Walser Freiheiten des Formazza Tales ist im "Thalbuch" und der gemeinsamen Ordnung der Wälder und der Alpen dargestellt.
Das "Thalbuch" wurde den freien Talbewohnern im Jahr 1486, aufgrund der aus dem Wallis eingeführten ursprünglichen Autonomien der Siedlungen, von dem Herzog von Mailand gewährt. Das "Thalbuch" hat seine Bedeutung in der Erkennung eines “Unabhängigen Gerichtes” oder “Rat des Tales”, das unabhängig von den Zentralgewalten war. Es hatte zivilrechtliche Zuständigkeit und durfte über die geringeren Verbrechen entscheiden: sein Vorbild wurde dann von den Walsern einiger Siedlungen in Graubünden und den wichtigsten Kolonien in Vorarlbergs angenommen.
Die gemeinsame Ordnung der Alpen und der Wälder gründet sich auf die Aufteilung von gemeinsamen Güter in “Viertel”, die den verteilten Siedlungen im Tal (von Foppiano, 950 M. Höhe, bis Canza, 1210 Meter Höhe) entsprechen. Diese gemeinsame Ordnung ist immer noch wirksam, und weist den verschiedenen landwirtschaftlichen Zweckverbänden das gemeinschaftliche Eigentum des gesamten Gebietes des Tales zu.
Originaltext: Enrico Rizzi
Deutsche Übersetzung: Federica Antonietti, Sprach-Büro Walser aus Formazza/Pomatt
Gegenüberstellung der Theorien: Um das Jahr 1000 befand sich Europa in einer Zeit der Umwälzung. Die Völkerwanderungen waren vorüber, das Klima wurde milder, die Bevölkerung wuchs sehr schnell. Damit wurde auch der Bedarf an urbarem Boden größer und man begann große Flächen zu roden und auch das Alpengebiet bis in große Höhen zu besiedeln.
Obwohl reichlich Literatur über die Walser vorhanden ist, wurde fast nichts über die Besiedlung von Vallorcine schriftlich festgehalten. Die Geschichte dieses Tales ist jedoch interessant, denn bis heute ist ihr genauer Verlauf nicht bekannt. Es existiert eine Urkunde aus dem Jahre 1091, in der Aymon de Genevois der Abtei von Saint-Michel das Gebiet „von Chamonix mit all seinen dazugehörigen Ländereien ab dem Gewässer Diosa und dem Blanche-Felsen bis Balmes“ schenkte. Die Schenkung umfasste also das Land vom Arve-Hochtal über Servoz bis zum Balmes-Pass.
Es wird zwar anerkannt, dass Vallorcine in der Schenkung inbegriffen war, dennoch treten auch Zweifel auf. Die Beschreibung zeigt, dass die Verfasser die natürliche Verlängerung des Tales von Chamonix bis zu den Quellen der Arve meinten, was damals auch die übliche Verkehrsverbindung ins Wallis war. Allerdings stellt sich die Frage, warum ein Tal von der Bedeutung des Vallorcine, dessen Fluss dazu noch in entgegengesetzter Richtung der Arve fließt, das nach Norden orientiert ist, und das zum Rhonebecken gehört, im Falle einer Schenkung nicht einmal erwähnt worden wäre. Es gilt aber auch zu bedenken, dass die Existenz dieses Tales kaum bekannt war, da Geographen und Historiker Vallorcine lange Zeit in das Tal von Chamonix einordneten.
Weiters ist unbekannt, ob das Tal von Chamonix zum Zeitpunkt der Schenkung schon bewohnt war oder es nur als Weideland und Jagdgrund genutzt wurde. In der Urkunde werden nämlich Felder, Wälder, Almen und Jagdreviere erwähnt, ein Hinweis auf Bevölkerung taucht jedoch nicht auf. Sollte dies wirklich so gewesen sein, trifft dies auch auf Vallorcine zu, das außerdem damals die Hälfte des Jahres unter einer Schneedecke lag.
Vallorcine wurde im Jahre 1264 das erste Mal urkundlich erwähnt. Damals trat Richard, Prior von Chamonix, die Hälfte des Tales als Erbleihe an die „Theutonici“ ab.
Es dauerte also 170 Jahre, bis die Prioren sich für das Tal der Bären interessierten. Die Meinungen spalten sich, wenn es darum geht, ob die Prioren die Siedler gebeten hatten, das Land zu bewirtschaften oder ob diese schon dort sesshaft waren, als sie das Land bekamen.
Maurice GROSS ist der Meinung, dass die Urkunde von 1264 die Ankunft der Theutonici in Vallorcine bezeichnete, die wahrscheinlich von den Benediktinern aus Chamonix aus einer anderen alemannischen Abtei, Engelbert, Einsiedeln, Sankt Gallen oder Disentis, geholt wurden. Man weiß, dass es zwischen Vallorcine und der Abtei von Einsiedeln Verbindungen gab und bis ins 18. Jahrhundert Wallfahrten dorthin unternommen wurden.
André PERRIN hingegen behauptet, dass sich die alemannischen Siedler schon vor 1264 in Vallorcine niederließen, der Prior duldete sie lediglich und gewährte ihnen Freiheit und Unabhängigkeit. Die Urkunde bildet in diesem Fall „den Ausgangspunkt der Herrschaft der Prioren über die Alemannen unter dem Vorwand des Erbleihens“.
Roger COUVERT DU CREST vertritt die Meinung, dass, als die Priore ins Tal kamen, deutschsprachige Menschen schon die Sonnenhänge gerodet hätten. Die Prioren überließen ihnen den schon urbar gemachten Boden als Erbleihe.
Paul PAYOT ist überzeugt davon, dass die Prioren von Chamonix sich erst 200 Jahre, nachdem sie sich niedergelassen hatten, begannen, sich für dieses unabhängige Tal unter dem Vorwand der Konvertierung zu interessieren. RICHARD, Prior in Chamonix, beendete, obwohl er kein Recht dazu hatte, diese Situation und überließ den Alemannen als Erbleihe die Hälfte des Tales, das sie besetzten.
Eine weitere Theorie kommt von Paul GUICHONNET, der meint, dass die Siedler als Besitzer des von ihnen urbar gemachten Landes anerkannt waren. Diese scheinbare Gewährung stellt allerdings auch den Beginn der Herrschaft der Prioren über die „Theutonici“ dar, denn damit sind automatisch auch die Evangelisierung und die Überwachung der Durchfahrt ins Wallis gewährleistet.
Aus diesen Gründen wird (fast einstimmig) angenommen, dass die ersten Siedler tatsächlich vom Oberwallis herkamen und demzufolge Walser waren.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es ohne wirkliche Beweise nicht möglich ist davon auszugehen, dass Vallorcine in der Schenkung mit einbegriffen war. Es vergingen über 170 Jahre, bis der Prior von Chamonix auf Vallorcine aufmerksam wurde. Es ist ebenso wenig genau feststellbar, wann die ersten Siedler nach Vallorcine kamen. Erst für das Jahr 1264 kann eine Besiedlung nachgewiesen werden, diese war deutschsprachig. Leider haben die Theutonici ihre Mundart aufgegeben und es ist schwierig, ihre Herkunft festzustellen. Dennoch kann man annehmen, dass die Bewohner von Vallorcine Walser waren.
Dezember 2005, J.-P. Gougler
Bibliographie:
J.Bernard, « Le sang et les hommes », 1983
R.Couvert du Crest, « Une vallée insolite, Chamonix, le Mont-Blanc, la Savoie », 1971
M.Gross, « La colonisation de la haute vallée du Trient », 1951
P.Guichonnet, « La Haute Arve et Vallorcine », 1976
H.Kreis, Die Walser. «Ein Stücksiedlungsgeschichte der ZentralAlpen», 1958
P.Payot, «Au royaume du Mont -Blanc», 1950
A.Perrin, «Histoire de la vallée et du prieuré de Chamonix», 1887
E.Rizzi, «Atlante delle Alpi Walser»,(3 volumes) 2005
Ein spezifisches Recht gewährt den Siedlern die Urbarmachung der zugeteilten Grundstücke.
Das spezifische Walserrecht wurde in der urkundlichen Mitteilung „Charte d´Albergement“ am 14. Mai 1264 schriftlich niedergelegt. In Vallorcine genossen die Siedler den gleichen Status wie in den anderen Walsersiedlungen. Sie waren zwar Lehnsmänner vom Prior von Chamonix, aber auf keinen Fall Leibeigene, sondern unabhängige Menschen, die vom Frondienst und anderen Dienstbarkeiten befreit waren. Ihre Abhängigkeit von den Benediktinern beschränkte sich auf Grund und Jagd. Dafür lieferten sie dem Prior am Tag des heiligen Michael acht Heller, an Allerheiligen vier Pfund sowie die linke Schulter aller getöteten Bären. Diese Urkunde liegt in den Archiven von Annecy.
Das Walserrecht: es basiert auf dem “Kolonialrecht” (dieses stammt aus dem 12. Jahrhundert und geht auf die Charta von Utrecht zurück) und wurde in etwas umgewandelter Form an die Bedürfnisse der Walserkolonien angepasst.
Mit diesem Recht trennte man sich von der Definition der Leibeigenschaft, um sich einem Modell der fast autonomen Landverwaltung zuzuwenden; unter anderem mit folgenden Garantien: fixe Entlohnung (zuerst in Naturalien, später Geld); Möglichkeit zum Kauf und Verkauf sowie den Besitz zu verlassen, freie Wohnort- und Partnerwahl, Unabhängigkeit der Verwaltung (durch die Person des Lehenherrn, seines Zeichens Verwalter aber auch Richter und Gerichtspräsident). Der Besitz von Grund und Boden war schriftlich dokumentiert und wurde verfasst, nachdem die Kolonialisten beschlossen hatten zu bleiben und dem rauhen Klima bzw. der geografischen Isolation die Stirn zu bieten sowie die Urbarmachung und Rodung anzugehen.
(Ein Recht, das ihnen vor kurzem zuerkannt wurde, ist der Deutschunterricht in den Grundschulen). Seit 1993 wird die walserdeutsche Minderheit durch den sogenannten Artikel 40 ff. im Sonderstatut des Aostatales offiziell anerkannt und werden ihr Maßnahmen zum Erhalt ihrer kulturellen und sprachlichen Sonderstellung zugesagt. Dieses Gesetz garantiert so u.a. den Deutschunterricht an den Schulen.
"Er geht wie ein Walser“, sagte man früher, um die typisch weiche, rhythmische Gangart dieses Volks zu beschreiben, das über Pässe und Gletscher bis zu den Abhängen des Monte Rosa gelang. Wenn man die Karte der Walsersiedlungen betrachtet, fällt einem sofort die große Streuung der Siedlungen auf. In der Tat besetzten die Walser das Gebiet, indem sie viele autonome Ortskerne bildeten. Diese waren zwar voneinander getrennt, aber das Gebiet wurde gemeinsam geführt und die bürgerlichen Aufgaben und der Gottesdienst gemeinsam verwaltet. Für lange Zeit wusste man nicht, wie die Walser die Siedlungsgebiete ausgewählt hatten. An dieser Stelle muss man erwähnen, dass sich die Walser nicht in unbewohnte Täler begaben, tatsächlich waren alle Täler, in die sie auswanderten, von alteingesessenen Bewohnern, meist galloromanischen oder keltischen Ursprungs, besetzt oder teilweise verändert worden.
Die Wahl des neuen Boden
Die Walser besiedelten die höheren, einsamen und unzugänglichen Lagen, welche die Landbewohner selten benutzten. Viele Gebiete unterlagen der Kontrolle eines örtlichen Herrn oder sie dienten großen Klöstern als Weideplätze für den Sommer. Denjenigen, die diese Gebiete bebauten, wurden oft große Vorteile wie Steuerfreiheit oder Konzessionen als „Erbleihe“ angeboten, entweder aus wirtschaftlichen Gründen oder um Gebietsteile zu befreien, deren Herrschaftsansprüche fragwürdig und umstritten waren. Iocelino von Biandrate, der einige Besitztümer im Hochtal von Macugnaga hatte, erteilte einigen Walsersiedler im Jahre 1300 die Erlaubnis, einige Höhenlagen um den Monte Moro auf der Schweizerseite von Saas zu besiedeln. Dieser Brauch scheint auch für die Kolonisation von Valsesia eine wichtige Rolle gespielt zu haben, das einem weiteren Stamm der Herren von Biandrate gehörte. Aufgrund eines Streits mit dem Bischof von Novara und um ihr Seelenheil zu sichern, schenkten Julius II von Biandrate und seine Erben zwischen 1083 und 1087 den Benediktinern von Cluny große Gebiete in den Provinzen von Novara, Vercelli und Valsesia (Frankreich). Unter ihrer Schirmherrschaft wurden 2 wichtige Klöster in Castelletto Cervo (Biella) und in San Nazzaro (Vercelli) gegründet. Diese verfügten über weite Gebiete (etwa zwanzig „mansi“ in Valsesia, 3 Almen am Fuße des Monte Rosa: Otro, Mud, Pianmisura, mit den dazugehörigen Herden und 4 wichtigen Bergwäldern) und begannen somit den jahrhundertealten Brauch der Transhumanz (Bergweide) im Sommer. Damit begann auch eine schrittweise Besiedlung des Gebiets, wenn auch nur vorübergehend. Zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert begannen die Mönche, die Wallisersiedlungen in Valsesia zu begünstigen. Ein weiteres, sehr aktives Kloster in Valsesia war das Grande Monastero von San Gratiniano in Arona. Andere Besitzungen gehörten dem Domkapitel von San Giulio am Ortasee.
Im Süden des Monte Rosa: Die Walsersiedlungen von Valsesia
Da es keine urkundlichen Quellen gibt, vermutet man, dass die Überquerung der Wallisersiedler auf die italienische Seite des Monte Rosa über den Theodulopass und den Monte-Moro-Pass geschah, jeweils in Richtung Aostatal (Zermatt – Valtournenche) und Anzascatal (Saa Fee – Macugnaga). Die nächste Migrationswelle, die zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert das Valsesia betraf, geschah wahrscheinlich über die Pässe Turlo, Dorchetta, Colle del Loo und Col d’Olen. Anfang des 13. Jahrhunderts überschritten die ursprünglichen Siedlungen im Hochvalsesia die Höhengrenze von 800 – 900 m nicht. Wie schon erwähnt, über dieser Grenze hatten die großen Klöster Almen, auf denen sie ihre Schaf- und Viehherden im Sommer führten. Die Walserbesiedlung südlich des Monte Rosa wurde anfangs von den Mönchen mit der Zustimmung der Herren von Biandrate besonders gefördert. Sie überließen diesem Volk, das aus Holzfällern und Siedlern von Höhenlagen bestand, die eigentlich nur Bauern und Viehzüchter waren, die Aufgabe, ihre Sommeralmen in dauerhafte Agrar- und Pastoralsiedlungen umzuwandeln. Eine Urkunde, die in dem Kapitelarchiv der Basilica dell’Isola di San Giulio gefunden wurde, lässt die Gründung der ältesten Walsersiedlung in Valsesia genau datieren: Rimella (1255 – 1256), das aus Siedlern aus den Täler von Visp, Saas Fee und Simplon bestand. Danach folgt die Siedlung Alagna, wo die ersten Siedler, die aus Macugnaga über den Turlo Pass kamen, die klösterlichen Grundstücke in Pedemonte und Pedelegno (gegen Ende des13. Jahrhunderts ) besetzten, sowie Riva Valdobbia, wo Gruppen von Walser aus Gressoney in Val Vogna schon seit 1325 nachgewiesen werden. Das Ansiedeln der Walser in den Tälern von Rima und Carcoforo durch einige Familien aus Alagna, wird in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert. Dagegen wurde der mittlere Teil des Tals Val d’Egua, der heute der Gemeinde Rimasco gehört, von Gruppen aus Rimella kolonisiert.
Die Walser aus Remella
Rimella ist die älteste und am besten dokumentierte Walsersiedlung in Valsesia. Die Orte „"…Alpe que nominatur Rimella …et Alpis que nominatur Rotundum…"waren schon seit dem 11. Jahrhundert als Besitztümer des Kapitels von San Giulio d’Orta bekannt. Die Kanoniker übergaben 1255 diese Alpen als „Erbleihe“ an zwei Familienoberhäupter aus dem Wallis und 1256 an weitere 11 Siedler aus Saas, Visp und Simplon. Dazu kam ein weiterer Teil der Alm Rotondo, Eigentum des Klosters San Graciniano di Arona. Die Konzession wurde in 12 Anteile geteilt, gemeinsam verwaltet wurden die Weideplätze, die Wälder, die Gewässer, das lebenslängliche Wohnrecht, das Recht Häuser und Mühlen zu bauen, die Wälder zu fällen und den Erdboden mit allen Mitteln zu nutzen. Die erste Hinweistafel (Nr.1) befindet sich in der Ortschaft S. Antonio di Rimella (1151 m); hier beginnt der Pfad zum Colma della Dorchetta (Backfurku), der heute nur von Wanderern benutzt wird, der aber für Jahrhunderte einer der wichtigsten Verbindungswege zwischen Valsesia und dem Anzascatal war. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die ersten Walser, die Mitte des 13. Jahrhunderts die Schlucht von Rimella erreichten, hier vorbei kamen. Die zweite Hinweistafel (Nr.2) die auf der Piazza von Rimella neben der Kirche (1176 m) angebracht ist, lädt dazu ein, die wundervollen Holz- und Steingebäude zu besuchen, die nach dem Originalmuster gebaut wurden, so dass sie völlig mit der Landschaft harmonieren und gleichzeitig ihre Funktionalität behalten. In der Ortschaft Sella wird in einem Gebäude des achtzehnten Jahrhunderts „Casa eredi Vasina“ ein Museum über die Walserkultur vorbereitet. Sehenswert ist das Museum Filippa, eine einzigartige Sammlung im Aufklärungsstil, die dem Ort Ende des 19. Jahrhunderts von einem ausgewanderten Bewohner von Rimella geschenkt wurde. Die dritte Hinweistafel (Nr. 3), die sich in der Fraktion S. Gottardo (1329 m) befindet, stellt als Thema Wiesen, Weiden und Almen dar. Beeindruckt durch das großartige Naturpanorama, das diesen Ort umgibt, der in jahrhundertlanger Arbeit von den Walsersiedlern modelliert wurde, erfahren wir, wie das Leben dieser Hirten und Bauern vom Bergwetter und von den jahreszeitlichen Umstellungen bestimmt wurde. Frauen und Kinder nahmen oft an dem agrar-pastoralen Leben teil, denn es ist nachgewiesen, dass die Männer aus Rimella in Sommer ins Ausland zogen, um als Maurer, Schreiner und Hartzinn-Bearbeiter zu arbeiten. Wenn das Gras aber wuchs, mußte der Hirte mit dem Vieh zu der Alm in einfache Steinunterkünfte (oft mit nur einem Strohlager) ziehen; hier widmete er sich der Produktion von Milch, Butter und Käse, sowie der Instandhaltung von Furten und Pfaden. Zu Beginn des Sommers zog der Hirt zu der untersten Alm, um dann immer höher zu steigen, bis er am Ende des Sommers wieder ins Dorf zurückkehren konnte. Da die Männer mit schwereren Arbeiten und mit dem Bau von Unterkünften und Saumpfaden beschäftigt waren, mussten die Frauen und Kinder das Vieh zu den Almen führen. Einige Familienoberhäupter waren abwesend, da sie im Sommer, wie schon erwähnt, ins Ausland auswanderten. Wenn man die Pfade von Rimella zu Fuß geht, kann man an der Milchverarbeitung teilnehmen und die daraus hergestellten Produkte kaufen. Die Hinweistafel Nr. 4 im Ortsteil Prati (1218 m) zeigt das Walserdorf. Die Walsersiedlung besteht aus verstreuten Fraktionen, die so gegründet wurden, dass sie vor Lawinen und Überschwemmungen geschützt waren. Im Mittelpunkt der Siedlung stehen das Oratorium, der gemeinsame Backofen, der Brunnen und manchmal die Mühle. Die Häuser sind aus Lärchenholz gebaut, die Logen sind wie alle Walser Hütten geschlossen und dienen als Heuboden. Im Laufe der Zeit und durch neue Techniken, die von den Emigranten von Rimella importiert wurden, änderte sich der Baustil der meisten Wohngebäude: das traditionelle Wohnhaus ähnelt immer mehr einem großen, mehrstöckigen Haus. Allseits bekannt und heute immer noch geschätzt ist die Geschicklichkeit der Männer aus Rimella beim Bau der Dächer mit schweren, schuppenartig angeordneten Steinplatten aus „Beola“ (Granit).
Die Walser aus Alagna und Riva Valdobbia (Pietre Gemelle)
Die Walser kamen gegen Ende des 13. Jahrhunderts nach Valsesia und besiedelten die Gebiete des Klosters San Nazzaro, Pè de Mud (Pedemonte) und Pè d’Alagna (Pedelegno). Dies wird durch Ansiedlungsgenehmigungen und Konzessionen nachgewiesen (1302 – 1319 – 1328). In diesen Urkunden erscheinen die ersten „Familiennamen“ von Alagna; einige davon sind noch vorhanden, wie z.B. Orso „........Anrigetus Ursus alamanno de Pè de Moyt…", D'Errico oder D'Enrico, aus dem das Geschlecht der berühmten Maler Giovanni, Melchiorre sowie der weltberühmte Antonio (genannt „Tanzio da Varallo) stammten. Bis 1438 erscheinen Urkunden mit den Namen von kleinen und eindrucksvollen Siedlungen, die heute noch die wunderschönen Walserfraktionen von Alagna kennzeichnen: 1321 Riale (Im Grobe), 1354 Goreto (Im Gorrài) und alle Piane (Fum d'Boudma), 1389 alla Rusa (Fum d' Rufinu), 1413 ai Merletti (Im d'Merlette), 1414 a Oro (Fum d'Ekku), 1417 alla Bonda (Im d' Bundu) und la Ressiga (Zar Sogu), schließlich 1438 alla Montella (Im Adelstodal). Viele dieser Walser Bauern, Hirten und Bauleute wurden im 16. Jahrhundert Architekten, Holzbildauer, Steinmetze, alle bekannt als „Maestri Primellesi“. Unter ihnen zeichnen sich vor allem der Bildhauer Daniel Heintz und der Architekt Ulrich Ruffiner aus, der 1499 vom Bischof Matteo Schiner nach Sion gerufen wurde. Indem sie die Pässe des Monte Rosa zurück überquerten, die sie Jahrhunderte zuvor passiert hatten, um nach Valsesia zu kommen, verbreiteten sie ihre Kunst in der Schweiz und in Deutschland, wo sie wertvolle Spuren hinterließen (siehe die einführende Hinweistafel Nr. 19 in Alagna , 1191 m.). Der Kunsthistoriker C. Debiaggi hat die Spuren von ca. 200 Meistern aus Primella, von ganzen Familien aus Alagna (Bodmer, Ruffiner und Schmid) und aus Riva Valdobbia (Carestia) gesammelt. Die folgende Hinweistafel (Nr. 8) stellt die entzückenden Theater des 19. Jahrhunderts von Riva Valdobbia und Alagna vor. Diese wurden restauriert und durch zahlreiche Vorstellungen und Konzerte “wieder ins Leben gerufen” und tragen somit bei, die lokale volkstümliche Tradition weiterzugeben. Trotz der einfachen Außenfassaden (aus Stein) sind die inneren Räume mit großen allegorischen Bildern, Girlandenschmuck, Bändern, Schriftrollen und lebhaften Szenen der Maler Camillo Verno und Sormani aus Mailand ausgestattet. Die gleiche Hinweistafel, die das Theater von Valsesia betrifft, erscheint mit der Nr. 8 in der kleinen Gemeinde Campertogno. In dem hiesigen Theater trat im Jahr 1901 die Compagnia della Filodrammatica auf. In Alagna, stellt die Hinweistafel Nr. 2 in dem Ortsteil Ronco (Im Oubre Rong 1280 m) das typische Walser Haus von Alagna dar.
Die Struktur umschließt unter dem gleichen Dach Wohnung und Stall, um die Wärme der Tiere auszunutzen: die Basis besteht aus behauenen, übereinander liegenden Steinen und fügt sich in den Abhang ein; somit ist das Gebäude vor Wind und Kälte geschützt. Das obenliegende Gerüst besteht aus dicken, behauenen und trockenen Lärchenstämmen (Strickbalken), die ohne Nägel ineinander geklemmt werden (Blockhaus). Dieser Teil geht bis zum Dach, welches mit Steinplatten „Piode“ oder „Beole“ (Ortogneiss) gedeckt wird. Die Konstruktion ist von einer Loggia umgeben, gebaut mit horizontalen Bogenpfeilern und Holzstangen, in der das Heu und das Getreide geschützt vor dem Regen gelüftet und getrocknet werden kann. Im Kellergeschoß befindet sich der Stall (Godu), im Souterrain die Küche (Chuchi) mit einem kleinen Backofen aus „Speckstein“ ohne Rauchabzug. Hier spielte sich das Familienleben mit allen verschiedenen Tätigkeiten wie das Spinnen von Hanf und Wolle, das Weben, die Herstellung der „Scapin“ (typische strapazierfähige Hausschuhe) und des „Puncetto“ (eine besondere, typische Stickerei von Valsesia) ab. Die Ruheräume – niedrig und klein, um keine Wärme zu vergeuden – befanden sich im Hochparterre, die Bettlager bestanden vorwiegend aus getrockneten Buchenblättern. Der Dachboden diente als Lagerraum und Heuboden. Die ältesten, noch intakt vorhandenen Häuser stammen aus dem 16. Jahrhundert. In Pedemonte wurde das Walser Museum in einem alten Gebäude aus dem Jahr 1628 eingerichtet. Hier kann man die außerordentliche Bauweise kennenlernen. Das Museum sammelt Werkzeuge für die Verarbeitung von Milch und Holz, landwirtschaftliche Werkzeuge, Einrichtungsgegenstände, Webstühle, Kleidung und alles, was man im alltäglichen Leben brauchte. In dem Ortsteil Merletti (Im d’Merlette 1217 m) sind die Reste des alten Ofens für die Kalkverarbeitung aus dem nahen Steinbruch aufbewahrt. Die Hinweistafel Nr. 22 stellt die Merkmale einer typischen Walsersiedlung dar, die unabhängig und aus sehr kleinen verstreuten Fraktionen bestand. Gemeinsam um das religiöse Oberhaupt der Gemeinde benutzen die wenigen Familien einen gemeinsamen Backofen, Brunnen und eine gemeinsame Mühle. Der Brunnen ist in zwei oder drei Becken geteilt, um das Wasser für die Menschen, die Tiere und die Wäsche zu trennen. Der gewählte Ort für die Siedlung ist immer gesund und vor Erdrutsch und Lawinen geschützt. Die Gebäude der Dörfer sind immer in die gleiche Richtung orientiert (die Hauptfront gegen Süden und eine Wand gegen Norden), für eine gute Belüftung und maximalen Ausnutzung der Sonnenstrahlen zum Trocknen von Heu und Getreide. Die einzelnen Wohngebäude sind unabhängig voneinander, um eventuelle Nachbarschäden im Fall eines Feuers einzugrenzen. Ihre Nähe aber bietet Schutz vor Regen und Schnee und vermittelt das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Die Hinweistafel Nr. 23 bringt uns zu den antiken Bergwerken von Alagna in der Ortschaft Kreas (1326 m). Hier sind die Reste der antiken Bergbauanlage von Kreas – „Fabbrica San Lorenzo“ – dargestellt, die im 18. Jahrhundert von Nicolis di Robilant gebaut wurde. Dieser war Kapitän der Kompanie Artillerie-Bergmänner, die der König von Sardinien zusammengestellt hatte, um die Gold-, Silber- und Kupfervorkommen von Alagna auszuschöpfen. Das zu verarbeitende Goldmaterial stammte aus den Minen von Mud, Jazza und Vallone delle Pisse (Pisse Schlucht). Eine weitere Steinfabrik wurde in Stofful nach der Öffnung des Santa Maria Tunnels gebaut. In Wirklichkeit wurden die Minen schon seit Ende des 16. Jahrhunderts, oft heimlich, betrieben. Unter der spanischen Herrschaft ab 1633 erteilte der Gouverneur von Mailand, dem das Territorium von Valsesia unterlag, die Konzession für die Minen an die Familie D’Adda. Diese übte die Tätigkeit bis 1707 aus, bis der Graf von Pralormo die Territorien im Auftrag der Savoia übernahm. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts, die wirksamste Periode in der Geschichte der Bergwerke, kamen Arbeiterschaften aus Piemont, Böhmen, aus der Flämischen Region und aus Sachsen nach Alagna. Im Jahr 1771 verließen die Savoia das Unternehmen, das für viele Jahre in der Bergbauindustrie sehr angesehen war. Der Abbau der Bergwerke ging bis 1707 langsam weiter, wobei mehrere Eigentümer nacheinander folgten, wie z.B. eine englische Gesellschaft (New Monte Rosa – gold mining company), die 1916 ausverkauft wurde.
Die Versuche gingen in den 80er Jahren zu Ende und derzeit wird nur der Abbau von Feldspat aktiv betrieben, ganz in der Nähe der alten Mine von Kreas. In der heute genannten Ortschaft „Acqua Bianca“ (1500 m) zeigt die Hinweistafel Nr. 24 den Anfang des Pfades, der zum Turlopass führt (2738 m). Diese Strecke war über Jahrhunderte eine der wichtigsten Verbindungsstraßen zwischen Valsesia und der Schweiz und führte durch Macugnaga. Hier kamen die Walser entlang, um die Siedlungen Pedemonte und Pedelegno zu gründen, die zu Alagna gehören. Der heutige Saumpfad ist einigen Gebirgsjägern zu verdanken, die 1930 die alte, mittelalterliche Strecke erneuerten. Hier und dort sind an einigen Kehren noch alte, große Steinplatten sichtbar. Die Hinweistafel Nr. 25 finden wir in Otro (1664 m) in der Ortschaft „Ciucche“. Auf den sonnigen Abhängen der Schlucht von Otro haben die Walser sechs Siedlungen gegründet. Die Wiesen sind hier dank ihrer Lage und dem vorwiegend milden Klima sehr fruchtbar. In den von diesem Volk bebauten Feldern wurden Hanf, Roggen und Gerste angebaut. Die kleinen Grundstücke entstanden durch eine „Terrassierung“ des Hanges, ein System von niedrigen Mauern aus „trocken“ zusammengesetzten Steinen, d.h. ohne die Verwendung von Kalk. Danach wurden sie mit Erde gefüllt, um die Neigung des Bodens auszugleichen. Auf diese Weise war es einfacher, die Felder zu bebauen. Diese Dörfer waren trotz der Höhenlage fast das ganze Jahr über bewohnt. Die Leute kamen an Weihnachten nach Alagna und kehrten zum Frühlingsanfang, am 19. März, Tag des Hl. Josephs, nach Otro zurück. Die Hinweistafel Nr. 26 in Dorf, einer Fraktion von Otro, verzaubert die Besucher mit ihrer eindrucksvollen Architektur, die aus den materiellen Bedürfnissen und dem natürlichen Respekt vor der Natur entstand, mit der die Walser tagtäglich zusammen lebten. Der ständige Kontakt mit den Naturwundern dieser Berge und das Bedürfnis, den eigenen Geist damit zu harmonisieren, ließ diese Architektur entstehen, die der Landschaft „gehört“, in der die hängenden Dächer die Äste der Lärchen imitieren. Großes Interesse erwecken auch andere Ökomuseumsorte im Territorium von Alagna: die Säge in der Fraktion Resiga, die Mühlen in der Fraktion Uterio und der Backofen fürs Brot auch in Uterio. Die antike Säge von Resiga stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und wird durch eine Wassermühle betrieben, die von einem Nebenbach des Otro angetrieben wird; die Fraktion wird aufgrund der zahlreichen Sägen, die es früher dort gab, so genannt. In einem Gebäude der Fraktion Uterio aus dem Jahr 1552 gibt es noch zwei - trotz der vergangenen Jahrhunderte - Mühlen in Betrieb, angetrieben durch den Nebenarm des Flusses Sesia. Man benutzte sie, um Weizen, Roggen und Gerste zu mahlen, die bis auf 1900 m Höhe angebaut wurden. Es handelt sich um Horizontalmühlen: das Rad ist horizontal angelegt und hat halbrunde Holzschaufeln, die auch mit wenig Wasser angetrieben werden können. Vom Mehl zum Brot! In derselben Fraktion befand sich der Gemeinschaftsbackofen, datiert auf 1676, der zweimal im Jahr angeheizt wurde: einmal im Frühling um das Brot für den Sommer und den Herbst zu backen, das andere Mal im Winter für die anderen zwei Jahreszeiten. Der Backofen wurde für mehrere Tage warm gehalten, damit alle Familien der Fraktion ihr Brot aus Roggen – genannt „rukkis broud“ oder Mischbrot „g’mischluz broud“ – backen konnten. Man brauchte zehn Stunden, um die notwendige Temperatur (240°) in dem Backofen zu erreichen. Er wurde mit getrockneten Hanfstielen angezündet und mit Rhododendronholz gefeuert, weil dieses Holz lange brennt. Wenn die optimale Temperatur erreicht wurde, fügte man Wacholderholz hinzu, um dem Brot einen sehr angenehmen Duft zu verleihen. Um einen weiteren Aspekt des Walserepos zu betrachten, muss man nach Val Vogna gehen, einem Tal zwischen Riva Valdobbia und der Quelle des Wildbachs Vogna. Riva war der Hauptort der antiken Gemeinde Pietre Gemelle, die auch Alagna umfasste. Val Vogna war der bequemste und am meisten benutzte Verbindungsweg zwischen Valsesia und dem Gressoneytal. Es ist also anzunehmen, dass die ersten Walser aus Gressoney – Saint Jean – ins Tal kamen. Eine Urkunde von 1325 beweist, dass sich schon damals einige Walser Siedlerfamilien aus Verdoby (Gressoney) in Peccia („Pezia“) niedergelassen hatten und dass sie mit anderen Walsern aus Macugnaga über die Teilung des Territoriums verhandelten. Zusammen gründeten sie viele kleine Dörfer im typischen Walserstil und besiedelten vor allem Almen, die als Bergweiden für die Hirten aus den bischöflichen Gütern (Mensa Vescovile) von Novara dienten. Diese Zentren wurden später die Fraktionen Cà di Ianzo, Cà Piacentino, Cà Morca, Cà Verno, Rabernardo, Cambiaveto, Le Piane, La Peccia, La Montana und Larecchio. In einem typischen Walser Wohngebäude von Rabernardo, das durch einen bequemen Saumpfad erreichbar ist, befindet sich ein sehr interessantes ethnographisches Museum. In den Räumen hat man das Gefühl, in die Zeit zurückzukehren, denn hier kommt man in direkten Kontakt mit Originalgegenständen und –maschinen wie Webstühlen, Möbeln, Haushaltsgeräten, Werkzeugen für die Landwirtschaft und Bearbeitung des Holzes, sowie Trachten und damaliger Kleidung der Walser. Die Ortschaft Larecchio dagegen, obwohl auf einer Höhe von 1900 m, wurde Anfang des 14. Jahrhunderts gerodet und bewohnt und wurde somit zum herrlichen Weideland. Dies bestätigt das klimatische Optimum jener Jahre, welches das Ansiedeln der Walser auf jenen Höhenlagen begünstigte. Wenn man den Hinweistafeln weiter folgt, finden wir auf dem Piazza di Riva Valdobbia (1112 m, bemerkenswert ist hier die wunderschöne Freskenwand der Pfarrkirche San Michele) die Hinweistafel Nr. 11, welche die Wege des Walservolkes im Laufe der Jahrhunderte zeigt. Auch in Riva erklärt die Hinweistafel Nr. 12 die Eigenschaften des damaligen Straßennetzes.
Das dichte Straßennetz bestand aus vielen Pfaden und Nebensaumpfaden, die den Zugang bis hinunter ins Tal gestatteten, sowie zu den großen Handelswegen mit den Tälern in Piemont, Aosta und der Schweiz. Das spielte eine große Rolle in der Ortsgeschichte, die von der Auswanderung stark geprägt war. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass das Vognatal, später ein wichtiger Weg der „Via Regia„ (Königlichen Straße) von Savoia, durch das Aostatal mit der Grafschaft Mailand (dieser gehörte das Valsesia bis ins 15. Jahrhundert) verbunden war. Vom Colle Valdobbia kam leider auch die schreckliche Plage von 1640. Die Hinweistafel Nr. 13 lädt uns zu einem Besuch des Theaters von Riva Valdobbia ein, ein Schmuckkästchen wegen seiner reizvollen Räume, die von örtlichen Künstlern im Stil des späten 19. Jahrhunderts verziert wurden. Die Hinweistafel Nr. 14 befindet sich in Cà di Janzo (1354 m) im Vognatal, wo die antike „Via Regia“ beginnt, die von Cà di Janzo durch das Vognatal zu der Fraktion Peccia und zum Colle Valdobbia führt. Entlang dieser Strecke kann man die typischen Walserdörfer und die Terrassierungen bewundern, die den Weg säumen. Die Begabung und Beharrlichkeit dieser Siedler sind in dem Wasserkanalisationswerk erkennbar, ganz aus Stein und so gebaut, dass die Wasserressourcen der Berge rational ausgenutzt werden konnten. Die Hinweistafel Nr. 15 in der Fraktion Otro (1500 m) beschreibt den typischen Walser Getreidespeicher. Obwohl das Walser Wohnhaus als Wohnraum mit agrar-pastoralem Zweck konzipiert war, baute man auch Getreidespeichergebäude für die Lagerung von Viehfutter und Getreide. Damit der Raum für die Ernte durchlüftet und trocken blieb, war der Holzraum von der Steinbasis getrennt. Die Bauart des Walserspeichers ist dem „Stadel“ im Gressoneytal sehr ähnlich: der Eingang ist zum Berg und der Speicher zum Tal hin ausgerichtet. In der Fraktion Cà Vescovo (1456 m) beschreibt die Hinweistafel Nr. 16 die Eigenschaften des Walserdorfs aus dem Vognatal, ganz ähnlich den oben beschriebenen Dörfern. Die Hinweistafel Nr. 17 in Peccia (1499 m) zeigt die sogenannte „Mappa Rabbini“, verfasst im Jahr 1866, um die Benutzung des Bodens in den Fraktionen des Vognatals einzuzeichnen. Die letzte Hinweistafel des Tals (Nr. 18) befindet sich auf der Alpe Larecchio (1895 m) und erklärt die gemeinsamen Eigenschaften zwischen der Bauweise der Almhütten in Gressoney und in den Hochlagen von Valsesia. Die besondere geschichtliche Verbindung zwischen den Walsern von Gressoney und den Siedlern von Vognatal ist durch den Ursprung einiger Familiennamen nachgewiesen.
Von Riva nach Rima und Carcoforo (Kirchhof)
Das Ansiedeln der Walser im Rimatal (Val Sermenza oder Valle Piccola), das die Gebiete von Riva Valdobbia und Alagna umfasste, fand statt, als einige Siedlerfamilien aus der großen Gemeinschaft Pietre Gemelle um das 14. Jahrhundert herum (Hinweistafel Nr. 5) hierher zogen. Wie die Hinweistafel Nr. 7 in Rima zeigt, handelt es sich auch hier um ein Dorf, das eine wichtige Verbindung zwischen den Walsersiedlungen darstellt. Ein Netz von Saumpfaden und Wegen verband Rima mit Alagna durch das Colle del Mud und im Anzascatal durch das Piccolo Altare. In der höchstgelegen Siedlung Valsesia (1417m) lebt heute die alte Kunst des sogenannten künstlichen Marmors (Hinweistafel Nr. 6) noch weiter, nach der es möglich ist, mit der Verwendung von Stuckgips echten Marmor künstlich zu reproduzieren. Die Geschichte Rimas ist stark an die Herstellung des künstlichen Marmors gebunden. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts betraf die Auswanderung das ganze Gebiet von Valsesia. Im Gegensatz zu anderen Ländern, die Hilfsarbeiter exportierten um zu überleben, konnte Rima dieses materielle Bedürfnis in einen Reichtum für die Gemeinde umwandeln. Das war den Kunsthandwerkern des künstlichen Marmors zu verdanken, die ihre Länder verließen, um ihre Kunst in Frankreich, Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien, Russland und Nord Afrika zu verkaufen. Die Abbaukosten des künstlichen Marmors, eine geheime Alchimie aus Gipsstaub und Stuckgips, waren wesentlich geringer als die des natürlichen Marmors. Er fühlte sich aber genauso an und sah genauso aus wie der natürliche Marmor, dank der zahlreichen Abschleifungsphasen, den fachmännischen Farbmischungen und seinem warmen Licht. Meisterwerke dieser Technik finden sich außer in Rima (Chalet Ragozzi, Albergo Alpino, die Kirche San Giovanni Battista, Oratorium Sant’Anna) auch in Grignasco, Novara, Asti, Nizza, Monferrato, Torino (Kirche San Giovanni Evangelista) und Mailand (Pinakothek von Brera). 1988 startete die Gemeindeverwaltung ein Projekt, um diese Tätigkeit wieder einzuführen und eröffnete das „Casa del Marmo Artificiale“. Hier befindet sich eine Dauerausstellung, ein Laboratorio-Bottega (Labor-Laden) und ein Gästehaus für die Kursschüler, die von Meister Silvio Della Vedova in den letzten Jahren geführt wurden. Die Restaurierung von früheren Werken, wie z.B. in der Villa Virginia, Sitz der Comunità Montana Valsesia von Varallo, die Realisierung neuer Arbeiten, die Bildung einer Genossenschaft und die Gründung eines geschützten Gütezeichen, sind die Herausforderung dieser wertvollen Kunst für die nächsten Jahre. Sehenswert ist oberhalb der Wohnsiedlung von Rima das Museo Gipsoteca „Pietro Della Vedova“, wo wunderschöne Gipsstatuen des Künstlers aus Rima aus dem 19. Jahrhundert aufbewahrt werden. Rima ist wie die Wohnsiedlung Carcoforo auch eine Walserkolonie, die aus der alten Siedlung Pietre Gemelle stammt. In diesem charakteristischen Dorf in Val d’Egua ist das Museo Naturalistico del Parco Naturale Alta Valsesia untergebracht, ein interaktives Lehrlabor, um die geographische, ökologische und kulturelle Umwelt des Parks kennenzulernen. Ein großer Teil davon ist der Alpenflora und -fauna gewidmet
Im Rahmen des Projekts Interreg III B hat die Gemeinde Vallorcine im französischen Savoien eine Reihe von Maßnahmen durchgeführt, darunter die Beschreibung einer Wanderroute von Vallorcine zum Theodulpaß und Informationsmaterial (Schilder, Faltblätter) dazu, weiterhin eine Reihe von Landschaftsaufnahmen der Region und eine Umfrage unter 22- bis 90-jährigen Vallorcinern zu ihrer Einstellung zu denThemen Walser Herkunft und Kultur.
Insbesondere hat Dominique Ancey eine umfassende Zusammenstellung der im Raum Vallorcine gebräuchlichen Flurnamen vorgenommen und eine Liste mit ca. 500 Namen erstellt. Die Liste gibt die Namen in französischer Sprache, dazu im "Patois" oder auch im französischen Dialekt der Region an, dazu Erklärungen der jeweiligen Wortbedeutungen.
Diese umfangreiche Arbeit liefert einige, wenn auch nur wenige Hinweise auf eine Besiedlung durch Walser im Mittelalter. Sie läßt erkennen, daß die Walser nur eine von mehreren eingewanderten Volksgruppen waren, die sich dann schnell an die frankoprovenzalische Sprache der Ureinwohner angepaßt haben.
Die meisten der Ortsnamen beschreiben lokale Gegebenheiten (Felsen, Wasserläufe, bestimmte Pflanzenarten, Behausungen), jedoch meist in den heute nicht mehr verständlichen Sprachen, die damals gesprochen wurden. Die Namen haben sich aber in Schreibweise und Aussprache erhalten. Die Sprache ("Patois") von Vallorcine gehört zur Gruppe der frankoprovenzalischen Sprachen.
Deshalb und wegen des enormen Umfangs der gesamten Arbeit ist eine vollständige Übersetzung vorerst nicht möglich. Die Arbeit wird daher zunächst im Original eingestellt und kann als PDF herunter geladen werden.

Die Walser Regionen erstrecken sich über das Wallis, Berner Oberland, Graubünden, Aostatal, Verania und Vercelli im Piemont, Tessin, Liechtenstein sowie Vorarlberg und Tirol. Die Walser, eine alemannische Gruppe, besiedelten im Mittelalter abgelegene Bergtäler. Noch heute prägen ihre typischen Holzbauten, Dialekte und Bräuche das kulturelle Erbe dieser alpinen Regionen.
Die Walser-Regionen erstrecken sich über weite Teile der Alpen in der Schweiz, Italien, Liechtenstein und Österreich und sind nach den Walsern benannt – einer alemannischen Bevölkerungsgruppe, die im Mittelalter aus dem Wallis in die entlegenen Bergtäler auswanderte. Diese Migration begann etwa im 12. und 13. Jahrhundert, als Walserfamilien auf der Suche nach neuen Siedlungsgebieten in höher gelegene, oft schwer zugängliche Regionen zogen. Die von ihnen gegründeten Dörfer zeichnen sich bis heute durch ihre charakteristische Architektur aus: schmale Holzhäuser mit steilen Dächern, Holzschnitzereien und gut erhaltene traditionelle Bauformen spiegeln die Anpassung an das raue alpine Klima wider.
Die Walser-Siedlungen sind geografisch weit verstreut und umfassen unter anderem das Wallis und das Berner Oberland in der Schweiz, Graubünden, das Aostatal sowie die Regionen Verania und Vercelli im Piemont, das Tessin, Liechtenstein sowie Vorarlberg und Tirol in Österreich. Trotz der geografischen Distanz teilen diese Regionen viele kulturelle Merkmale: eigene Dialekte, Brauchtum, Volksfeste und Traditionen, die eng mit dem Leben in den Bergen verbunden sind.
Neben dem kulturellen Erbe sind die Walser-Regionen auch landschaftlich besonders reizvoll. Sie liegen in alpinen Höhenlagen, oft umgeben von Gletschern, Bergwiesen und schroffen Gipfeln, was die Region zu einem Anziehungspunkt für Wanderer, Bergsteiger und Kulturinteressierte macht. Die Walser haben über Jahrhunderte hinweg ihre Lebensweise an die extremen Bedingungen angepasst, was sich nicht nur in Architektur und Landwirtschaft, sondern auch in sozialen Strukturen und Gemeinschaftsleben widerspiegelt.
Heute sind die Walser-Regionen ein lebendiges Beispiel für die Verbindung von Geschichte, Tradition und Natur. Sie bieten Einblicke in eine Kultur, die sich trotz Modernisierung und Abwanderung ihren einzigartigen Charakter bewahrt hat, und zeigen, wie menschliche Siedlungen auch in entlegenen und schwierigen Gebirgslandschaften über Jahrhunderte bestehen können.
Die Walser Alpengemeinschaft des Aostatales befindet sich im Oberen Lystal und umfasst die Gemeinden Issime (953m ü.NN), Gressoney-Saint-Jean (1.385m ü. NN), Gressoney-La-Trinité (1.637m ü. NN) und Gaby (1.040m ü. NN). Letztere zeigt sowohl Walserspuren als auch frankoprovenzalische Merkmale.
Issime und die beiden Gressoney stellen dreisprachige Gemeinschaften dar (Italienisch, Deutsch und Französisch) – und das inmitten des Aostatals, einer zweisprachigen Region (Italienisch, Französisch).
Lys ist der Name des Flusses, der am Monte Rosa – Massiv entspringt, dem zweithöchsten Berg Europas.
Im Berner Oberland definiert sich keine Siedlung über die Walser. Die Einsiedlung geschlossener Verbände ist urkundlich für das Lauterbrunnental und die Planalp über Brienz nachgewiesen.
Lauterbrunnen und Planalp
Am 10. Juni 1295 tritt das Kloster Interlaken die Alp Sefinen im Lauterbrunnental um 260 Pfund Kapital und einen jährlichen Zins von 18 Pfund Berner Währung als Erblehen an 23 namentlich aufgeführte Männer ab, welche die Gemeinde der Lötscher (so genannt wegen ihrer Herkunft aus dem Lötschental) im hinteren Lauterbrunnental bildeten. Der jährliche Lehenszins war auf den St. Andreastag fällig. Laut Grenzbeschreibung umfasste das Lehen die beiden heute getrennten Alpen Sefinen und Busen.
Eine Urkunde vom 22. November 1346 führt die Lötscher von Lauterbrunnen zusammen mit jenen von Planalp auf. Mit diesem Schriftstück verkauft der Freiherr Peter von Turn dem Augustinerkloster zu Interlaken einen Teil seiner Eigenleute im Lütschinental und jene auf der Planalp am Brienzer Rothorn:
«Ich Peter zem Turne, friie, herre ze Gestellen in Wallis... han verköfft und hingegeben zu rechtem eigen... min lüte, die genemmet sint die Loetscher und gesessen sint ze Gimelwalt, ze Murren, ze Luterbrunnen, ze Trachsellowinen, ze Sichellowinen, ze Amerton, und wa si sint in der parochia (Pfarrei) von Steige gesessen... und och die Loetscher, die uffen Blanalp gesessen sint in der parrochia von Brienss...»
Dieser Vertrag hat dem Kloster Interlaken noch nicht alle turnischen Rechte eingetragen. Erst am 29. August 1395 verkauft Freiherr Anton von Turn dem Gotteshaus alles der Familie verbliebene Grundeigentum und alle Herrschaftsrechte auf Gimmelwald, Mürren, Ammerten und Lauterbrunnen, «land, lute und guot...mit gericht, mit twing, mit banne und mit vollem recht und mit voller herrschaft...».
Es scheint, dass mit dem Kauf vom Jahre 1346 die Leute allein – mit Twing und Bann aber ohne Boden – 1395 aber Grund und Boden mit dem Rest der Leute verkauft wurden.
Im Jahre 1488 finden wir Lötscher als Spender im gut erhaltenen Jahrzeitenbuch der im gleichen Jahr eingeweihten Kirche von Lauterbrunnen, deren Bau das Kloster Interlaken vergeblich zu verhindern versuchte. Auch Leuten aus dem Lötschental und dem übrigen Wallis spenden für die Lauterbrunner Kirche, ein sicherer Hinweis darauf, dass freundnachbarliche Kontakte über die Berge hinweg bestanden.
Aus den Walser Niederlassungen im Einzugsgebiet der Weissen und Schwarzen Lütschine hat sich nie eine Walsergemeinde herausgebildet wie etwa in Davos oder im Rheinwald. Die Lauterbrunner Walser sind durch den Verkauf an das Kloster Interlaken zu einfachen Gotteshausleuten geworden, die, wie ihre Stammesgenossen im Oberland, allmählich in der Berner Oberländer Bevölkerung aufgingen. Als es den Talleuten im Jahre 1498 gelang, sich vom Heuzehnten des Klosters Interlaken loszukaufen, war ein erster Schritt in Richtung Freiheit getan.
Die Siedlungen Ammerten, Trachsellauenen und die Höfe im Sefinental sind als Dauersiedlungen im Laufe der Jahhunderte erloschen. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts setzte im Tal eine Auswanderungswelle nach den Vereinigten Staaten ein und es ist anzunehmen, dass gleichzeitig eine Walser Abwanderung aus den abgelegenen Niederlassungen im hinteren Tal in Richtung Talgrund stattfand. Nach einem Besuch des hinteren Lauterbrunnentals schrieb der Genfer Marc Théodore Bourrit im Jahr 1787: «Ammerten est encore une habitation presque perdue pour les hommes», und Peter Ober notierte um die Mitte des 19. Jahrhunderts «Le village n’est plus»
Gut meinte es das Schicksal mit Gimmelwald und Mürren. Gimmelwald ist bis auf den heutigen Tag ein auf Viehwirtschaft ausgerichtetes Bergdöflein mit etwas Fremdenverkehr geblieben, Mürren mit Blick auf das Dreigestirn Eiger Mönch und Jungfrau hat Weltruf als Ferienort erlangt.
Seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts sind in Graubünden Ansiedlungen von Walsern anzunehmen. In verschiedenen Schüben zogen die deutschsprachigen Siedler ostwärts nach Rätien, über den Oberalppass ins Bündner Oberland, wo Obersaxen als Walsersiedlung zurückblieb, von Süden her ins Rheinwald und in die Landschaft Davos.
Früheste Urkunden, Erblehensbriefe, welche den Siedlern von den Freiherren von Sax-Misox und den Freiherren von Vaz ausgestellt wurden, stammen aus dem Rheinwald (1286, bereits ab 1274 urkundlich belegt) und von Davos (1289). Von diesen ersten Stammkolonien breiteten sie sich in die benachbarten Talschaften aus: von Hinterrhein nach Vals, Safien und evtl. von hier aus auch nach Avers und Mutten, von Davos nach Klosters und durchs Prättigau bis gegen Schiers mit den Höhensiedlungen St. Antönien, Furna und Valzeina an den Talseiten sowie ins benachbarte Schanfigg bis gegen Churwalden und Parpan.
Die Walser in Liechtenstein sind als eigene Region in die internationalen Walsergemeinschaft (Internationale Vereinigung für Walsertum IVfW) eingebunden.
Als Walsergemeinden in Liechtenstein gelten Triesenberg und Planken.
Während die „Walliser am Triesenberg“ urkundlich belegt sind und der kernige Walserdialekt die Abstammung unverwechselbar verrät, kann sich Planken nicht mit einer Siedlungsurkunde darstellen. Sprachlich hat sich Planken der Nachbargemeinde Schaan angepasst.
Die Walsergemeinde Triesenberg ist Mitglied der Vorarlberger Walservereinigung und mit dieser eng verbunden. Rege Kontakte bestehen auch mit der Walservereinigung Graubünden.
Das Walserbewusstsein wird am Triesenberg gepflegt und die die kulturelle Sonderstellung, die das Bergdorf im Fürstentum Liechtenstein einnimmt, wird im ganzen Land geschätzt.
Als die ersten Walser um 1235 vom Pomatt her in das obere Rovanatal kamen, fanden sie hier einen dichten Wald vor. Die Bevölkerung nahm offensichtlich schnell zu, sodass weiteres Weide- und Wiesenland nötig war und 1244 auch die Alp Quarino gepachtet wurde, die durch die Gemeinde Losone genutzt wurde und nicht ganzjährig bewohnt war.
Grundherr des Gebietes war das Kloster St. Abbondio in Como: Der Flurname Curzådibundi, eine Verballhornung von Corte di S.Abbondio, weist auf diese Verbindung hin.Schon 1253 weihten die deutschsprachigen Neuankömmlinge eine kleine Kirche mit Hospiz ein, die an einem der unzähligen Pilgerwege nach Santiago de Compostela lag.Der Schwerpunkt der ersten, im Hochmittelalter gegründeten Siedlung befand sich in der Talsohle ufum Hengåårt (wo heute noch das Museum steht) und im Boda jenseits des Baches.
Verheerende Lawinenniedergänge, die jüngsten 1695 und 1749, zwangen die Guriner zur Aufgabe dieses Siedlungsplatzes. Die Gevierte der abgegangenen Häuser sind aus der Luft gesehen noch immer deutlich zu erkennen.Die neuen, nun meist aus Stein gebauten Häuser wurden auf den vor Lawinen sicheren, aus dem Schutt einer Gletschermoräne gebildeten Hügel gesetzt, auf dem dann um 1464 auch die heutige Kirche gebaut wurde. Im Boda unten blieben die Ställe, die einen eigenen kleinen Ortsteil bildeten, bis auch sie 1925 von einer Lawine vollständig zerstört wurden. An ihrer Stelle baute man die für Bosco Gurin charakteristische Stallreihe, die bergseits durch einen Lawinenkeil gesichert wurde.
Die Bevölkerung erreichte um 1850 mit 420 Einwohnern ihren Höchststand. Es folgte eine massive Auswanderung vorwiegend nach Australien und Amerika. Seither ist die Einwohnerzahl wieder stark zurückgegangen. Viele Gebäude dienen nun als Ferienhäuser. Strenge Bauvorschriften bewahren den Charakter des alten Walserdorfes bewahren.
Die Kolonien im Westen. Im 12. und 13. Jahrhundert kamen deutschsprachige Walliser nach Savoyen. Sie gründeten dort drei Kolonien, wovon immer noch zwei ”Les Allamands” (die Deutschen) heißen. Heute ist die deutsche Mundart schon seit langem verschwunden.
Bilder: Vallorcine ist ein Dorf, das von Enthusiasten, Musikern, Jägern, Holzhandwerkern und Bergsteigern, die alle sehr mit ihrer Heimat verbunden sind, bewohnt wird.
Ein Dorf, das lange Zeit zwischen Frankreich und der Schweiz isoliert war. Eine Situation, die die Einwohner zu unabhängigen Menschen machte. Ein eigenes Temperament, welches trotz der Tatsache, dass seit einigen Jahren Menschen verschiedener Herkünfte kommen und sich mit dieser kulturstarken Gemeinschaft mischen, erhalten blieb.
Das Formazza Tal liegt in dem nördlicheren Teil des Piemonts, der sich in die schweizerische Gegend einfügt, zwischen dem Kanton Wallis und dem Kanton Tessin. Es ist die einzige Walser Kolonie, die direkt an das Goms grenzt, das ursprüngliche Land der Walser Bevölkerung.
Geomorphologie:
Aus dem morphologischen zeigt das Tal die Eigenschaften des Hochgebirges, mit den typischen Gletschern, Gletschermühlen, Ebenen, Plateaus.
Charakterischtisch für die Landschaft des Tales sind die vielen Wasserfälle. Der bekannteste ist der Wasserfall «der Frua», der als der wichtigste der Alpen berühmt ist. Er hat einen Sprung von 143 Meter Höhe, von 1675 m auf 1532 m. .
Das Tal ist reich an natürlichen Bergseen, die wichtigsten sind: Kastel (2215 Meter), Vannino (2153 Meter), Obersee (2323 Meter), die zwei Busin (Ober 2451 Meter, und Unter 2371 Meter); sie sind sehr wichtig für die Erzeugung der elektrischen Energie, die aus den Wasserkraftwerken von Morasco, Ponte und Fondovalle gewonnen wird.
Der Hauptfluss Toce nimmt die Wässer der Bäche des Bergkessels von Hosand und von den verschiedenen Nebenflüsse entlang des Tales aufnimmt.
Ortschaften
Das Formazza Tal besteht aus neun während des ganzen Jahres bewohnten Ortsteilen, und aus anderen sechs, die nur während des Sommers bewohnt sind, (mit * gekennzeichnet).
Undrumstaldä = Foppiano
Puneigä = Antillone*
Stafuwald = Fondovalle
Matta = Chiesa
Tuffald =S. Michele
Wald = Valdo
Zumstäg = Ponte
Brenn = Brendo
Gurfulu = Grovella
Früduwald = Canza
Unnerfrüt = Sottofrua*
Ufufrüt = Cascata*
Cherbäch unner dorf = Riale inferiore *
Cherbäch ober dorf = Riale superiore*
Maraschg = Morasco*
Diese Ortsteile bilden eine einzige Gemeinde – die Gemeinde von Formazza – mit Sitz der Gemeindeabteilungen im Ponte, das schon von der Geschichte als Zentrum des Tales anerkannt wird.
Original Text von Angela Bacher
Deutsche Übersetzung: Federica Antonietti, Sprach-Büro Walser von Formazza
Alagna besteht aus fast 30 Fraktionen, die durch ihren einzigartigen Hausbestand auffallen. Bevor die Walser kamen, bestanden im hintersten Valsesia die Alpen Otro, Alagna, Bors und Mud. Diese waren im Besitz weltlicher und kirchlicher Herrscher. Zu diesen gehörten die Herren von Biandrate und die Klöster S. Nazaro di Biandrate und S. Pietro di Castello.
Das älteste Dokument, in dem von einem Walliser Einwanderer berichtet wird stammt von 1302. Diese Urkunde spricht von einem Bauern mit Namen „Anrigetus ursus alamannus“ von Pé de Mud, der nach Walliser Recht die Aussteuer seiner Tochter ausrichtete und seinen Schwiegersohn verpflichtete, in die Familiengemeinschaft von Bauern und Hirten einzutreten. Die Siedler stammten aus Macucnaga und Gressoney und gründeten zunächst die Siedlungen Pedemonte und Pedelegno.
Pedelegno wird bald der Mittelpunkt der zahlreichen kleinen Siedlungen an den Hängen der Sesia und Sitz der Pfarrei und Gemeinde Pietre Gemelle (Presmell). Neben der Landwirtschaft verschaffen sich die Walser von der Sesia oder aus Pressmell, wie dieser Talabschnitt auch genannt wird, schon bald als gute Maurer und Steinmetze weit über das Tal hinaus einen Namen.
Heute ist Alagna vor allem durch seine Bahn zur Punta Indren ein im Sommer und Winter viel besuchter Tourismusort. Aber in vielen kleinen Fraktionen von Alagna begegnen wir vor allen Dingen den prächtigen Häusern der Walsersiedler.
Die Siedlungen der Walser in Vorarlberg, sind in ihrer Gesamtheit die am spätesten besiedelten Gebiete Vorarlbergs. Walser besiedelten das Laternsertal, das Argental mit Damüls, das Große Walsertal, das Brandnertal, das Silbertal, das obere Lechtal, auch der „Tannberg“ genannt, sowie das Kleinwalsertal oder der „Mittelberg“, der das obere Breitachtal umfasst.
Dieses Gebiet macht ungefähr ein Viertel der Landesobefläche aus. Ebenfalls vor den Walsern nicht dauernd besiedelt waren Teile des Montafons und einige Höhenlagen im Walgau und Rheintal. Vor allem im Montafon, zum Teil aber auch im Walgau und Rheintal besiedelten jedoch die Walser keine größeren geschlossenen Flächen, sondern bezogen nur die bis dahin wegen ihrer ungünstigeren Natur unbewohnt gebliebenen Flächen in die Dauersiedlung ein.
Jahr und Tag des Einwanderungsbeginnes der Walser in Vorarlberg lassen sich urkundlich nicht belegen. Die ältesten vorhandenen Urkunden sind uns aus dem Jahre 1313 überliefert. Es darf angenommen werden, dass die Walser sich vor der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert in Vorarlberg angesiedelt haben. Es bedurfte besonderer Fähigkeiten, diese Kolonisation in diesen unwirtlichen Hochgebirgsregionen durchzuführen.
Die einzige Walsergemeinde Tirols ist Galtür. Um 1313 ließen sich etwa 50 Walser Familien in dem Talboden nieder. Sie blieben noch lange Zeit die „Fremden“ im innersten Paznaun. Als der Bischof von Chur im Jahre 1383 die erste Kirche in Galtür weihte, unterscheidet er ausdrücklich die „Einheimischen“ von den „Wallisern“. Auch beim Friedensschluss der Appenzeller mit ihren fürstlichen Gegnern werden 1408 die „Walliser auf Galtür“ neben den „Landleuten im Paznaun“ angeführt.
Besiedlungsgeschichte des Wallis von den Kelten zu den Alemannen
Das Oberwallis besteht aus dem heutigen Deutsch sprechenden Teil des Wallis und erstreckt sich von der Furka bis zur Raspille (Sierre).Ursprünglich war es durch die Kelten besiedelt (Uberer, Seduner, Veragerer und Natuaten) wo bei sich im heutigen deutschen Teil die Uberer befanden.
Um 40 v. Chr. wurde das heutige Wallis von den Römer unterworfen und wurde wegen seiner verkehrstechnischen Bedeutung (Summus Poenius, Grosser St. Bernhard) zur römischen Provinz mit römischem Bürgerrecht, das ganze Gebiet wurde romanisiert.
Ab dem Jahre 443 wir das Wallis von den Burgunder besiedelt, sie machten aber nur rund einen Drittel der Bevölkerung aus und übernahmen Sprache und Kultur der Römer (Frankoprovenzalisch). Das Wallis gehörte nun bis 999 zum Königreich Burgund.
Die Besiedlung des Oberwallis ist historisch recht unsicher; Sprachforscher legen die Einwanderung zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert fest, auch die Herkunft lässt sich fast nur aus sprachwissenschaftlicher Sicht beantworten.
Woher sind die Alemannen eingewandert?
In dieser Frage sind sich die Gelehrten nicht einig. Die einen behaupten, sie seien über die Grimsel ins Goms eingedrungen und dann allmählich talabwärts vorgestossen. Die andern versuchen zu beweisen, dass sie über die Gemmi oder den Lötschenpass eingewandert und dann talaufwärts gezogen seien.
Dass Alemannen aus dem Haslital ins Goms eingewandert sind, steht fest. Im obersten Rhonetal findet sich eine lange Reihe von Dörfern, deren Namen auf -ingen ausgehen: Ulrichen (Uolrighingen), Reckingen, Gluringen, Selkingen, Blitzingen. Diese Silbe bezeichnet die Zugehörigkeit einer Siedlergruppe zum Dorfgründer oder zum Grundherrn. So bedeutete Reckingen ursprünglich «Sippschaft des Recko». Die Gommer Namen bilden aber die natürliche Fortsetzung der -ingen-Kette des Berner Oberlandes, die mit Meiringen im Haslital endet. Die Einwanderung über die Gemmi oder den Lötschenpass ist schwieriger nachzuweisen. Das Walliserdeutsch ist nicht einheitlich. Es umfasst zwei Mundartgruppen. So nennt man den Frühling im westlichen Oberwallis üstag, im östlichen langsi. Unterhalb Brig sagt man liwwu, oberhalb Brig hirme. Lüwe/liwwe ist aber auch nördlich des Lötschenpasses und ghirme jenseits der Grimsel verbreitet. Das spricht für zwei Einwanderungswege.
Im 13. Jh. ist diese alemannische Bevölkerung so stark angewachsen, das ihnen der Platz im Oberwallis zu eng wurde, eine Ausdehnung weiter nach Westen war wegen der starken Romanen (Herzogtum Savoyen) nicht möglich deshalb zogen sie über die östlichen und südlichen Gebirgspässe in die nachbarlichen Hochtäler (Walserwanderung)

Der alemannische Sprachraum - Die Walliser und Walser Mundarten verbinden das Wallis mit seinen im 13. und 14. Jahrhundert entstandenen Kolonien. Sie zählen sprachwissenschaftlich zur höchstalemannischen Sprachgruppe – dem höchsten alpinen Südrand des Alemannischen (Zinsli) zugehörig.
Die Walser-Regionen erstrecken sich über weite Teile der Alpen in der Schweiz, Italien, Liechtenstein und Die Walliser und Walser Mundarten verbinden das Wallis mit seinen im 13. und 14. Jahrhundert entstandenen Kolonien. Sie zählen sprachwissenschaftlich zur höchstalemannischen Sprachgruppe – dem höchsten alpinen Südrand des Alemannischen (Zinsli) zugehörig.
Die charakteristischen Lautungen, die altertümlichen Formen und Ausdrücke der Walser sind im Wesentlichen im deutschsprachigen Wallis zu suchen. Allerdings gab es in den 700 Jahren räumlicher Trennung vom Wallis unter den weit verstreuten Kolonien Eigenentwicklungen. Die direkte Nachbarschaft von romanischen oder anderen deutschen Mundarten haben im Wallis und in den Kolonien lokal unterschiedlich starken Einfluss genommen. Es gibt Sprachelemente, welche die Kolonisten aus dem Wallis mitgenommen haben und im Wallis verloren gegangen sind. In den Kolonien ist gleichermaßen Walliser Spracherbe verschwunden.
Das Wallis selbst ist reich an sprachlichen Facetten. Die Mundart eines Lötschentalers, eines Gommers oder eines Zermatters - ja manchmal von Ort zu Ort - weist erhebliche Unterschiede auf.
Auch die auswandernden Walliser um 1300 haben ein unterschiedliches Walliserdeutsch gesprochen. Die Sprachverwandtschaften der Walser zu zwei Walliser Sprachregionen weisen darauf hin.
Der Grund für diese Zweiteilung liegt in der alemannischen Besiedlung des Oberwallis im 7. Jahrhundert: Der obere Teil des Oberwallis wurde über die Grimsel, der untere über Sanetsch, Rawil und Gemmi besiedelt; im Raume Brig – Visp stiessen diese Gruppen aufeinander und dort zieht sich noch heute die Grenze „schweer – schwäär“ durch. Sie ist auch die Trennungslinie zwischen den traditionell zwei schweizerischen Hauptviehrassen, dem Simmentaler Fleckvieh und dem ostschweizerischen Braunvieh. (Hinweis von Volmar Schmid)
Siedler vom östlichen Oberwallis zogen ins Pomatt und dann nach Obersaxen, in den Rheinwald, auf Vals, ins Safien und ins Avers. Aus dem westlichen Oberwallis erfolgte die Besiedlung des Davoser und Vorarlberger Raumes. Die Zweiteilung des Sprachraumes lässt sich auch mit den Worten leer/läär, Chees/Chääs, schtreela/schträäla nachweisen.
Weitere Beispiele: "ee" / "ää": Cheess / Chääs
Braunvieh / Fleckvieh, "ä" / "e" Kchännu / pchennu,
"du" / düü", "iisch" / "isch",
Walserdeutsch ist in Gressoney (z Greschoney) das Greschoneytitsch, wier redo titsch; in der Nachbargemeinde Issíme d’Éischemtöitschu, wir schwetzen töitschu. In Alagna (Im Land) gilt schwätzu. In Rimélla (Rímällju) kennt man das altertümliche schpallu, althochdeutsch spëllon ‚erzählen, reden’. Im Pomátt hört man das Pumáttertiitsch wiir zellu, zelle tiitsch; im Rheinwald das Rhiiwalder Titsch, wir rede. Auf dem Tannberg redat ma walserdütsch. In Mittelberg schwätzt ma walserisch oder miar düand walserla. Nach den vielen unterschiedlichen Wiedergaben für die Worte ‚sprechen’ und ‚deutsch’ stellt sich die Frage, welches die gemeinsamen Sprachelemente der Walliser und Walser sind. Sind sie noch zu finden?
Text: Tiburt Fritz
dr aadlaboscha
föfzg jaar uf felsa hert ond fescht
d renda safteg chromme escht
schtarche würza länge naadla
rondom dia ganza gschwischtreg aadla
brüateg is im sonnabrand
lützel ärd liid omanand
beutla düand mi schturm ond rääga
schooder schtei gönd mir a ds lääba
dick waggst ds moos mir oma fuas
vom suura wasser an schööna gruas
gift em booda schlächte luft
wia viil besser - maiaduft
d nesse züücht im kerna ee
friara duat s mi alleg mee
brenta chelte zeiget kralla
grüane naadla laas i faila
a laubela
schi lüpft mi wäck vom schlächta schtand
ond nemmt mi hoo e d lüft
wiit dür ds toobel schlaad s mi aache
iatz ligg i daa em gänschelbaach
dr baach dä ruuschet om mi om ond meint
i sei doch ned so domm
gang uffe suach an bessra platz
so mach i uus dr rächte moona
so gang i uuf em eigna sooma
i waggs vo nüüam us dr ärd
ond hoff as hei deesmaal an wärd
Tiburt Fritz
aadla = Latsche, boscha = Busch, würza = Wurzel, rondom = rundherum, brüateg = brütend heiß, sonnabrand = Sonnenhitze, lützel = wenig, schooder = Schotter, grobes Kies, maia = Blume, brenta = Rauhreif, moona = Mond, sooma = Samen
(Aus: Uber alli Grenzä, Walser Dialekttexte der Gegenwart, 1992)
Ds Michile und Scherhüüffa Aariba erzählt von Amanda Nesensohn in Laternser Mundart.
Ds Michile
Ds Michile tuat all noch wia früüer buurna. Er hed zwei Küale und a Rind, an Jäärling und a Kälble. Dia ganz Ọrbat tuats halt noch vo Hand.
Bim Hüata schteit er bi allam Sauwätter uf am Feld dọssa. Er hed an großa Schtặcka. Da Hüatibuab ischt scho iigschọlta, aber er blibt gliich bim Vee dọssa.
Nọọch am Hüata, wenn ds Michile gschtallat und gmolcha hed, hed er d Daasa1 mit dem Bläbbli2 Milch uf am Buggel und geit vom Maisäß heem. Er nimmt aber aa noch an Brügel Holz met und würfft an daheem homma uf d Biiga. As anders Mọọl, wenn guats Zeicha ischt und d Biiga groß gnua, duat er ds Holz frääsa und schiita.
Nomma viil dont d Ọrbat so wia ds Michile. Eigentlich söt ma s gad amọọl filma, well lang ka s er nomma so macha. Denn teet ds Michile gad noch an Filmschtar wera.
Scherhüüffa Aariba
D Aana hed früüer all gseit, im März sött alls no zuadeckt sii. Sọs muas ma scho ussi uf ds Feald. Scherhüüffa3 aariiba4 ischt a schwere Ọrbat gsee, i denna Büühel. Und ma hed s gnau gnoo. Scherhüüffa hed s all noch, aber aariiba tuat ma si nomma. Düt, wo s geit, fọọrt ma mit der Egga dröber, dia andra lọọt ma sii, mit der Ọrbat nimmt ma s nomma so gnau. Für Scherhüüffa aariiba hed ma ned derwiil. Nur d Müüs5 hend noch derwiil für d Scherhüüffa.
(Erzählt von Amanda Nesensohn in Laternser Mundart. Aus: Walserheimat in Vorarlberg , Tirol und Liechtenstein, Nr. 66, Juni 2000)
ặ = überoffener e-Laut
ọ = offener o-Laut
Fußnoten
1 Auf dem Rücken getragene Milchkanne
2 Begriff für wenig (an Flüssigkeit)
3 Maulwurfhaufen
4 verteilen
5 Der Begriff „Müüs" wird auch für die Maulwürfe verwendet
Von Angelika Stark-Wolf
Blötterla, mächala,
storra, stüpfa,
borra, bützla,
tüpfla, sockla,
nöggala, göggala.
Murxa, würga,
brema, schleipfa,
wurza, schoppa,
wurschtla, choogna,
reißa, rupfa,
schenda, verliida,
freeta, zangga.
Wercha, wercha ischt
net glich wia!
Schaffa, schaffa - abr wia?
Lech 1992
Alte und traditionelle Sprecherin (Canza, geboren im Jahr 1924).
Di familie wa hen fee khäbä, in eh der heilig abä[1], das ischt der firuzwänzigoschtu, hen inchei millech üsgrichtet[2] in gepsä, schi hen millech älli pracht dene litu[3] wa cheini khäbä hen fer[4] desch älli chennä millechris[5] machu, wägä der abä, der heilig abä ischt in älle familiu[6] millechris gsi[7], un de hent-sch nisch gschicht mitum[8] gschirli zu den alte ol un zu den arme wa[9] nit millech khäbä hen, deru z bringä, un äso älli di wa fee khäbä hen.
Die Familien, die das Vieh hatten, am Heiligen Abend, das heisst am vierundzwanzigsten, filterten keine Milch in den „Conche“, sondern brachen sie sie jenen Leuten, die ohne Milch waren, damit alle Milchreis machen konnten, weil es an jenem Abend, der Heilige Abend, in allen Familien Reis und Milch gab. Sie schickten uns zu den Alten oder zu den Armen, die keine Milch hatten, um sie etwas zu bringen. So machten alle, die das Vieh hatten.
Ein jüngerer Sprecher und wenig traditionell (Chiesa, geboren im Jahr 1967).
Und wen cho[10] hei bi firi zfrido, i tö[11] finne mine gspanne, darna wen bin-i öi alleine chan-i firi[12] ummerga, ich bi zfrido äso, gfall-mer ummerga[13] und ga berga[14] löge und älli erter va hir z Pomatt … i tö, ich gheren-i[15] nowos inna proprio was eh töt mi zfrido macho … ich bi firi eh ich bi firi ummer wäge… mit mim wärch ich möss en bitz hir und en bitz da ga, firi ummerga. Sin äs schuppjie hipschi erter, però[16] z Pomatt ist firi z Pomatt.
Und wenn ich nach Hause komme, bin ich immer zufrieden. Ich finde meine Freunde, und auch wenn ich allein bin, kann ich immer umhergehen, ich bin so zufrieden, es gefällt mir umherzugehen, die Berge und alle Orte hier von Pomatt zu sehen, ich empfinde/spüre etwas in mir, dass mich immer zufrieden macht. Wegen meiner Arbeit bin ich immer unterwegs, ein bisschen hier und ein bisschen dort, ich muss immer umhergehen. Es gibt viele schöne Orte, aber Pomatt/Formazza ist immer Pomatt/Formazza.
Beide Texte werden von Silvia dal Negro gesammelt, übersetzt und kommentiert.
[1] Wie im Deutsch: der Heilige Abend.
[2] Man bemerkt hier, die Verschiebung eines oder mehrere Konstituenten rechts des Partizip Perfektes (Ausklammerung).
[3] Das Substantiv litu ‘Leute-Personen’ und das Demonstrativpronomen dene ‘jenen’ stehen im Pluraldativ. Der traditionelle Pomattertitsch besitzt eine grammatikalische Struktur, die flexivisch ist. Sie ist sehr reich und viel ähnlicher dem Althochdeutsch und dem Mittelhochdeutsch als das heutige Deutsch.
[4] Fer ‘um/damit’ führt einen Finalsatz ein, der teilweise dem italienischen Satzbau folgt.
[5] Wie im Deutsch: Milchreis, aber das Wort im Pomattertitsch zeigt eine andere Struktur als der italienische Ausdruck riso e latte. Im Rheinwald kann man ein ähnliches Wort (milchriisf) finden, aber keines zum Beispiel im Rimella (bénéntschu) und keines auch im Issime (dickhje réis, wörtlich ‘dicker Reis’).
[6] Auch hier kann man deutlich die Endungen des Plural Dativs erkennen. In diesem Zusammenhang findet man eine lokale Angabe, die den Dativ regiert, das ist eine Eigenschaft der deutschen Sprache, die gerade die Walser Dialekte in Italien verlieren.
[7] Der Pomattertitsch hat kein Präteritum als die süddeutschen Dialekte. Die Zeitformen der Vergangenheit werden mit dem Perfekt ausgedrückt, hier zum Beispiel: isch … gsi, wörtlich ‘es hat gegeben/ ist gewesen’, eigentlich ‘es gab/war’.
[8] Das ist eine mit dem Artikel verschmolzene Präposition. Sie besteht aus mit ‘mit’ und dem Neutrum Artikel, der im Dativ steht. Die Präposition zu regiert den Dativ, das zeigt sich deutlich sowohl in dem Artikel als auch in beiden substantivierten Adjektiven.
[9] Der Relativsatz, wie zum Beispiel in den schweizerischen Dialekten, wird durch die undeklinierbare Partikel wa ‘wo’ eingeführt. In dem traditionellen Pomattertitsch, diese Partikel verlangt das Verb am Ende des Satzes. Beide genannte Relativsätze zeigen die Folge Partizip Perfekt – Hilfsverb, wie in dem Hochdeutsch (Standarddeutsch).
[10] Der jüngere Sprecher verhält sich anders als die alte Sprecherin, er verwendet verschiedene Verben ohne das Subjekt Pronomen, wie auf italienisch.
[11] Viele Sprecher von Pomatt, besonders diejeinge, die wenig traditionell sind, benutzen diese verbale Umschreibung /Periphrase. Sie besteht aus dem Verb tun ‘tun’ (ähnlich dem englischen Verb do), das von dem Infinitiv Hauptverb gefolgt wird. Die Periphrase hat keine besondere Bedeutung, sie vereinfacht die Konjugation der Verben.
[12] Das Adverb firi ‘sempre’ hat eine unbestimmte Etymologie. Es ist nur im Pomatt bezeugt.
[13] Die Verben mit einer trennbaren Partikel sind sehr häufig, wie in der deutschen Sprache.
[14] Hier kann man einen Plural mit –a bemerken. Die Endung mit –a ist eine Eigenschaft der starken, maskulinen Substantive des Altohochdeutsches.
[15] Nach dem italienischen Vorbild erweitert das Verb ghere ‘hören’ seine Bedeutung. Es bezeichnet auch das Empfinden in der Seele. Hier findet man zwei Subjekt Pronomen (ich empfinde-ich), das zweite Subjektpronomen gehört zu dem Verb (das ist auch eine Eigenschaft des neuen-heutigen Pomattertitsches).
[16] In den Walser Dialekten, die im Italien gesprochen werden, sind die funktionelle Wörter, wie hier zum Beispiel però (proprio), sehr zahlreich. Diese Wörter werden von der italienieschen Sprache oder von den umstehenden Dialekten übernommen. In dem Pomattertitsch ist die Adversativkonjunktion aber noch verwendet (während im Rimella ist sie von ma und però ersetzt worden).
Deutsche Übersetzung: Federica Antonietti Sprach-Büro Walser Pomatt/Formazza.
Beispiele aus Überlegungen zur Gesundheit
As gid mengrlei Schlaächtwäärda
bi jonga Wiibr weis ma's sos
dett muas a jedi saälb druufchoo
was ara wohltuad
we'ma schi übraässa hed
cha'ma jo mid Schnaps werra
of an nüachtara Maga
nehmt i Melissatee
Heißhongr ischt aa aso aäppas
as wia Schlaächtwäärda
dett hilft as Stückli Brood
ees was vill mi'm Heißhongr z tua hed
sött allbis
an Rongga Brood im Sack haa
odr aäppas Süaß's
Mi sött ned wissa
wo d Longa-n ischt
mi sött ned wissa
wo da Maga-n ischt
mi sött ned wissa
wo ds Häärz ischt
dee ischt ma gsond
(Aus: We'ma-n Wehtig hed, saät ma, sött ma, Überliefertes aus Blons, Fontanella, Raggal, Sonntag in Walser Mundart, 1995)
Die Mundart von Lauterbrunnen entspricht weitgehend dem lokalen Oberländer Dialekt. Einige walserische Sprachmerkmale vermochten zu überleben, so Wörter wie Gguggsa (wildes Schneetreiben), Griifleni (Preiselbeeren), Pfiffoltera (Schmetterling). Auf der lautlichen Ebene fallen auf die Verschiebungen von «u» zu «ü» Hut Ù Hüt; «ü» zu «i» Für Ù Fir und «ö» zu «e» schön Ù scheen. Auch die Verkleinerungsformen auf «elti» und «etli» Älpli Ù Alpetli und die eigenwillige Satzstellung Mier hei keis meh Holz in der Chuchi. (Wir haben kein Holz mehr in der Küche).
Leider haben die ersten Siedler von Vallorcine sehr früh ihre Muttersprache verlernt, da sie zum einen von romanischsprachiger Bevölkerung umgeben waren und zum anderen weil sie von romanischsprachigen Prioren und Geistlichen abhängig waren. Es bleibt also nur noch die Namenskunde, um genauere Informationen zu erhalten.
Es gibt Ortsnamen in Vallorcine, die eine deutsche Herkunft haben. Für Zinsli ist „Griebe“ das Typischste, das dem „Gruebe“ der Walser am ähnlichsten ist.
Unter den Familiennamen von Vallorcine gibt es nur den Namen Berguerand (oder Berguerantz), der eine deutsche Herkunft haben könnte. Der Überlieferung nach wäre es der älteste Namen des Tales.
Dort wo man Spuren einer germanischen Mundart findet, sind sie sehr schwach und es besteht nicht wirklich die Möglichkeit, sie mit dem Walserdialekt zu verbinden. Zinsli schreibt, dass wir gar nicht wüssten, dass ein deutschsprachiges Volk
Ort la Griebaz an der schweizerisch - französischen Grenze.
Es existiert nur eine Übereinstimmung mit dem Ortsnamen (nach Paul Zinsli):Gruebe (Griba), eine Alpe an der schweizerisch - französischen Grenze.Auf einer alten Landkarte ist dieser Name „en la Grieba“, erwähnt. Aber ist es der gleicher Ort ?
Übereinstimmung mit Walser Wörtern?
Chirijoë : Eisenkreuz auf einer Bank fixiert, um Leinen zu kämmen.
Irapioë : Kamm auf einer Bank fixiert, um die Samen vom Leinen zu trennen.
Raff : Schneeschuhe, um den Schnee festzustampfen.
Truye : Holzwerkzeug, um das Heu zusammenzubinden (Etymologie: aus dem Lateinischen ”trochlea”, Winde). Dieses Wort existiert auch in anderen Walser Orten, zum Beispiel in Mittelberg: ”Truya”.
Les fagots de foin
Walser Ursprung?
Familiennamen in Vallorcine: Berguerand, Vouilloz, Bozon, Ancey und aus einem Text von 1439 : Der Nant, Der Villaz.

Die Walserforscher sind sich einig, dass die Walser Kolonisten sind. Sie sind vor 700 Jahren aus dem Wallis ausgezogen, wobei sie in den neuen Siedlungsgebieten besondere Rechte erhielten
Die Walliser selbst werden nicht zu den Walsern gezählt. Die Walliser Siedlungen Simplon-Dorf und Zwischbergen-Gondo südlich des Simplon zählen zu den Südwalser Siedlungen. Viele Bewohner hatten im 20. Jahrhundert keine Ahnung, dass sie Walser sind. Das Geschichtsbewusstsein ist relativ jung. Campello Monti /Kampel und Ornavasso/Urnafásch wurden erst in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts als Südwalserkolonien „wiederentdeckt“.
Auf der Suche nach Walsermerkmalen wurden u.a. Wesen, Körperbau, Gangart und Blutgruppen untersucht. Solche Merkmale kommen nicht nur den Walsern zu, sondern können allen alpinen Völkern zugeordnet werden.
Es gibt auch keine überregionale Gemeinsamkeiten bez. Religion, Tracht, Bau- und Siedlungsweise. Das hat sich in den 700 Jahren regional entwickelt.
In vielen Schriften gilt die gemeinsame Sprache als entscheidendes Kriterium für die Zugehörigkeit zur Gruppe der Walser. Paul Zinsli geht soweit zu meinen: „Wo nicht mehr eine walserdeutsche Mundart geredet wird, besteht kein Walserort mehr, ja gibt es im Grunde keine Walser mehr.“
Allerdings gibt es heute viele Walser, deren höchstalemannische Mundart dem Piemontesischen, Frankoprovenzalischen, Lombardischen, Rätoromanischen oder der französischen, italienischen und deutschen Hochsprache gewichen ist. Sie sind im ethnischen Sinne Walser, die „Herkunftswalser“, geblieben.
Man darf aber durchaus bei der Haltung bleiben, dass das Walserdeutsche das hervorragendste gemeinsame Merkmal für die ethnische und kulturelle Identität der Walser ist.
Auffallend ist die gemeinsame Verehrung des Hl. Theoduls, des Landespatrons des Wallis. Daneben werden der Hl. Mauritius und der Hl. Nikolaus verehrt.
Gemeinsam sind den Walsern die Hochlagen, die ihnen zur Bewirtschaftung zugewiesen wurden. Die langen, schneereichen Winter machten eine geschickte Futterbevorratung notwendig.
Johannes Führer kommt zu folgender Definition:
„Als Walser werden die Bewohner der historischen Walsersiedlungen im Höhenbereich der Alpen bezeichnet, in denen im 20. Jahrhundert Sprache, Kultur, Wirtschaft und Geschichtsbewusstsein der Walser lebendig waren bzw. sind.“
Was bedeutet der aus der Romantik stammende Begriff „Volkstracht“? Sicherlich nicht die „dem Landvolk ureigene und von ihm selbst geschaffene Kleidung seit altersher“, wie manche Quellen künden. Denn Tracht lebt und ist auch dem allgemeinen Wandel der Zeit unterworfen, wenn sie deren schnellem Wechsel auch nur langsam und bedingt gefolgt ist. Die ältesten Trachtendarstellungen findet man auf Grabsteinen der romanisierten keltischen Vorbevölkerung. U.a. trugen die Frauen in Rätien bis in das 6. Jahrhundert eine „Modius“ genannte Kopfbedeckung. Die schwarze, fein gefältelte Juppe geht auf den Tragmiederrock des Mittelalters zurück. Der nur an Trägern (Achselbändern) befestigte Rock, der bis unter die Achsel, aber auch nur bis zur Hüfte reichen konnte, zählt zu den Urformen weiblicher Kleidung. Die Hochtailligkeit der Kleinwalsertaler Frauentracht war im frühen Mittelalter häufig.Ab dem 16. Jahrhundert kann man die ersten Anzeichen bäuerlicher Tracht feststellen. Das ganze Mittelalter hindurch unterschied sie sich durch den Zuschnitt, das gröbere Material, den mangelnden Schmuck, die vorwiegend graue Farbe und durch derbere Kopf- und Fußbedeckungen vom Kleid der Stadt. Der Anbruch der Neuzeit verschärfte die soziale Stufung Edelmann – Bürger – Bauer und begünstigte durch die Kleinstaaterei des Deutschen Reiches das Hervortreten lokaler Unterschiede in der Kleidung.
Somit sonderte sich mit der bürgerlichen Tracht auch die bäuerliche von der höfischen Mode ab. Scharf umrissen traten die Gegensätze zwischen ländlicher und städtischer Tracht erst zutage, nachdem die Französische Revolution 1789 alle ständischen Unterschiede aufgehoben hatte. Die große Freiheit wurde begrüßt und dem Trachtenleben nutzbar gemacht. Endlich war es erlaubt, Farben nach Belieben zu tragen und mit Gold das eigene Standesbewusstsein zu heben.
In der Zeit zwischen 1780 und 1830 entwickelten sich die so genannten Taltrachten, außerhalb der Täler die Regional-, manchmal auch die Lokaltrachten. Dabei besteht das ungeschriebene Gesetz, dass die einzelnen Talschaften streng darauf achten, dass von ihren Eigenarten nichts in andere Regionen übertragen oder übernommen wird. Die Tracht wurde zur Demonstration von Identität, sie fungiert als Zugehörigkeitsausweis und gilt noch heute als Identitätssignal nach außen.
(Text nach einer Einführung zur Vorarlberger Trachtenmappe von Dr. Paul Rachbauer)
Die Trachten der Walser sind lebensfroh, bunt und vielfältig.
Die Frauen tragen eine schwarze Haube mit Tüllverzierung und einen bestickten Haubenboden, an dem eine breite, schwarze Moireemasche befestigt ist. Der schwarze Goller ist mit einem breiten, abgesteppten Band ringsum eingefasst und hat vorne eine kleine Tüllspitze als Abschluss.
Das Liibli ist ebenfalls schwarz eingefasst. Der schwarze Brustlatz ist reich bestickt und wird mit einer schwarzen Kordel verschnürt, darüber wird die silberne Liiblikette getragen. Kleine Stickmotive zieren den Goller so wie die weiße Blusenspitze am Hals. Als weiterer Schmuck wird eine Korallenkette um den Hals gelegt. Die Seidenschürzen sind reich gezogen, in sich gemustert und werden vorne gebunden. Die Röcke sind schwarz, ebenfalls in sich dezent gemustert, mit roter Blende und mit drei Samtbändern ausgerüstet. Die Blusenärmel sind weit und am Handgelenk gebündelt, in eine kleine Spitze auslaufend. Die Strümpfe sind weiß oder zur Liiblifarbe jeweils passend.
Der Mann trägt einen mittelblauen, einreihigen Tuchrock, eine zweireihige, rote, tief ausgeschnittene Weste, ein weißes Hemd mit Samtmasche und eine schwarze Hose aus Fustian mit Fall-Laden. Die Kniebundhose hat eine kleine, grüne Masche und vier Silberknöpfe als Abschluss. Schwarze Hosenträger mit Wappen werden dazu getragen. Die Strümpfe sind weiß,der Hut ist schwarz.
Das Mädchen trägt ein Krönele, welches mit einem roten Seidenband am Kopf befestigt ist. Zur weißen Bluse wird ein rotes Mieder aus Wollbrokat mit Aufputzband getragen. Das schwarze Brusttuch, Latz genannt, ist reich und bunt bestickt, schließt am oberen Rand mit einer Gold- und darüber Samtborte ab. Der Latz wird mit einer schwarzen Kordel an Silberhaken verschnürt.
Der reich gezogene, schwarze Wollrock hat oberhalb des Saumes fünf schmale Samtbänder aufgenäht. Die Seidenschürze ist ebenfalls reich gezogen, in sich gemustert oder gestreift und wird vorne gebunden. Am Boden rechts liegt der schwarze Goller mit Silberkette, der zu festlichen Anlässen getragen wird. Der Rock des Mannes ist aus grünem Loden und mit Silberknöpfen versehen. Die rote Tuchweste ist zweireihig. Zum weißen Hemd wird eine schwarze Masche getragen. Die Hose aus schwarzem Fustian oder Loden hat einen Fall-Laden und wird am Knie mit einer grünen Masche gebunden. Der Hut ist schwarz mit grünem Aufputz. Die Strümpfe sind weiß.
In Damüls wird keine Walser Tracht, sondern die Tracht des Bregenzerwaldes getragen. Die schwarze gelackte Juppe ziert ein schwarzes oder ein rotes Mieder, auf dem der bestickte Juppenbändel das ebenfalls reich bestickte Fürtuch („Bleaz“) einrahmt. Auf der Juppe ist ein feiner blauer Streifen aufgenäht, der oberhalb des Knies verläuft. Ein Glanzledergürtel, der rückwärts mit einer filigranen Silberschnalle versehen ist, ziert die Taille. Die Ärmel sind aus weißem Leinen oder bunter Seide.
Das Mädchen ist in der historischen Schwedenjuppe mit weißer Baumwollkappe gekleidet. Mieder und Brusttuch sind bei dieser weißen Juppe immer rot, das Halstuch blau.
Der Mann trägt einen braunen Lodenrock, eine rote Weste, eine schwarze Kniebundhose mit Steppverzierungen, einen braunen, federkielbestickten Ledergürtel und blaue Strümpfe. Als Kopfbedeckung dient ein weit ausschwingender schwarzer Hut mit Goldkordel.
Kopfbedeckungen der Wälderin: schwarze Spitzkappe, schwarzer Strohhut, wie er von der Wälderin im Sommer getragen wird, eine schwarze Kappe aus Seehundfell, Brämokappa genannt. Das Mädchen trägt ein golddurchwirktes, filigranes Krönele, das Schappele.
Die Ebniter Frauentracht stellt einen Bezug zur Großwalsertaler Volkstracht her. Dadurch ordnet sie sich in die Reihe der Walser Trachten ein und das Dorf bekennt sich klar zum Walsertum. Der Rock wird wie bei der Tracht des Großen Walsertales aus schwarzem Wollstoff genäht, jedoch im Gegenteil zu dieser ohne Samtband. Das Mieder ist aus einem in sich gemusterten Brokat. Die Farbe kann auf die jeweilige Trägerin abgestimmt werden.
Der Latz wird mit einem schwarzen Ripsband an handgehämmerten Silberhaken von oben nach unten verschnürt und lässt die Unterscheidung zur Silberkettenschnürung der Großwalsertaler Tracht erkennen. Im Rückenteil des Mieders ist ein Besatz aus schwarzer Ätzspitze eingearbeitet. Die weiße Bluse ist hoch geschlossen und mit drei Viertel langen Keulenärmeln versehen. Eine schmale von Hand gehäkelte Spitze verziert den Hals. Die im Unterrock eingearbeiteten breiten Spitzen sind von Hand gefertigt. Die gestreifte Seidenschürze kann wiederum mit dem Mieder farblich abgestimmt werden. Die Strümpfe sind weiß und die Trachtenschuhe schwarz. Als besonderen Kopfschmuck trägt die Ebniterin einen schwarzen Hut an dem eine breite schwarze Moiremasche befestigt ist.
Hauptbestandteil der Männertracht ist eine Jacke, die als „Vorarlberger Tschöple“ bekannt ist. Genauso wie die im ganzen Land verbreitete Version besteht die Ebniter Jacke aus Loden, allerdings ausschließlich in der Farbe Anthrazit.
Diese Farbwahl stellt zusammen mit dem Taschenspiegel, der im Gegensatz zu anderen Jacken in weinrot gehalten wird, eine lokale Besonderheit dar. Stehkragen und Taschenpaspel sind aus schwarzem Loden gefertigt. Die Stickerei besteht aus schwarzer Seide und verwendet vollstilisierte Blumenmotive sowie verschiedene Muster.
Der Trachtenträger trägt dazu ein weißes Halbleinenhemd mit Rundkragen und einem gewebten Wollband als Binder. Die Weste kann farblich variiert und an Mieder und Schürze der Dame angepasst werden. Als Material wird gemustertes Wollbrokat mit Seidenfutter verwendet. Als Kopfbedeckung ist ein aus schwarzem Filz gefertigter „Vorarlberger Hut“, der als Aufputz mit einer Herrenhutfeder geschmückt ist. Für jeden Trachtenträger vorgeschrieben sind des Weiteren eine schwarze Wollhose sowie schwarze Glattleder- oder Schnallenschuhe.
Bericht von Georg Juen - Persönlich bin ich der Meinung, dass es früher im Paznaun keine einheitliche Tracht gab, da die Menschen, die unser Tal besiedelten zu verschieden waren. Zum einen gab es die Bajuwaren, die vor allem Kappl und See besiedelten, zum anderen die Rätoromanen, die aus dem Engadin die Orte Ischgl und Galtür gründeten und dann noch spätere Siedler, die Walser nämlich, die über Vorarlberg aus dem Allemanischen kamen.
Heute erkennt man den Unterscheid noch bei den Musiktrachten. Während die Musikanten von Kappl, See und Langesthei grüne Joppen und rote Leibchen tragen, haben die von Ischgl und Galtür gelbe Leibchen und blaue Joppen.In Galtür trugen die Musikanten bis um 1933 eine lange schwarze Hose, ein weinrotes Leibchen und eine dunkelblau-violette Jacke. Die Schützen hatten noch die Kaiserjägeruniform
Bis in die Siebzigerjahre des 20sten Jahrhunderts trugen die Frauen des Untertales (Unterpaznaun) an Festtagen und bei Prozessionen die Tiroler Unterländertracht. Der Hut hatte eine Quaste auch „Goldfäden“ und zwei lange Schleifen über den Rücken hinunter. Die Seidenschürze war leicht bläulich oder beige und leicht geblumt. Die Schürze wurde mit einer Masche an der rechten Seite gebunden und die langen Bandschleifen reichten bis zum Schürzensaum.
Unterpaznaun: Werktags trugen die Männer lange Lodenhosen ein selbstgewirktes Hemd und ein blaues Leinentschöpchen. Die Sohlen der hohen Lederschuhe sind mit zwei Sorten von Nägeln „genagelt“. Am Außenrand waren es die Flüglernägel. Die Schuhe waren so begehrt, dass sie sogar die Mädchen zum Kommunionkleid trugen. Wir könnten die heute mit den Turnschuhen vergleichen, die von den Buben auch zu Anzügen getragen werden. Oder die Kinder hatten damals eben nur ein Paar Schuhe?
Charakteristisch für die Frauentracht im Großen Walsertal ist der Wollrock, Lona genannt. Er beginnt über der Brust und fällt lose bis zu den Knöcheln hinab. Die Braut trägt das grüne Schappel mit roten Seidenbändern und um den Hals ein breites, schwarzes Seidenband, welches seitlich in eine kleine Masche gebunden wird. Dazu trägt sie das weiße Libli aus Leinen mit Spitzenbesatz und silberner Gollerkette.
Darunter wird das rote, kurze Mieder sichtbar. Es rahmt das schön bestickte Fürtuch, Vortuoch genannt, ein. Die Seidenschürze ist lang und weit; am Bund ist ein Seidenband mitgenäht.
Die Frau rechts trägt eine gestreifte Schürze und das schwarze Schälkle, das aus schwarzer Seide mit Moirebandeinfassung besteht. Dazu trägt sie als Kopfbedeckung eine schwarze Kappe, Brämakappa genannt. Sie ist aus Otterfell und mit einem grünen Samtboden ausgestattet.
Der Mann trägt einen schwarzen Hut, schwarz sind Rock und Hose sowie die bunt bestickte Weste. Die Strümpfe sind blau oder weiß, die Schuhe schwarz. Zum weißen Hemd wird eine schwarze Masche getragen.
Die Gressoneyer Frauentracht wurde ursprünglich als Arbeitsgewand genutzt und war natürlich weniger geschmückt als die gegenwärtige.
Heute ist das Kleid lang und seine Farbe ist ein frisches Rot (ròtanketò). Sie wird zu besonderen Anlässen (Familienfeiern und anderen Festlichkeiten) getragen, ist reich an wertvollen Stickereien und goldenen Litzen, die weiße Bluse mit Spitze, das samtene Bruststück und die Schürze sind schwarz und beide mit Goldfaden geschmückt. Die Haube (goldené chappò) besteht aus Goldfaden und oft wurden zusätzlich bunte Kristalle eingearbeitet.
Die Frauentracht aus Issime war ursprünglich das Brautkleid, zusammengesetzt aus einem langen Kleid aus schwarzem Stoff mit gesmokten Ärmeloberseiten, am Handgelenk werden sie von einer weißen und einer schwarzen Spitze geschmückt. Der Rock wird durch drei Falbeln bereichert, wovon jede durch einen schwarzen Samtstreifen verziert ist. Die Schürze, die man auf dem Kleid trägt ist aus Seide und normalerweiße in den Farben schwarz, blau, grün, violett und abgestimmt auf das Halstuch. Das ganze wird vervollständig durch eine Spitzenhaube, geschmückt mit Stoffblumen und -früchten, über die die Bräute einen Schleier aus weißem Musselin anbrachten.
In Gressoney gibt es neben der beschriebenen roten Tracht eine Trauerversion (trunanketò) derselben in violett mit silbernen Verzierungen anstelle der goldenen. Auch die Haube ist aus Silberfaden.
Der Mann trägt einen schwarzen Zylinder, ein schwarzes Kamisol mit aufgestecktem Hochzeitssträußchen an der linken Brustseite, schwarze Kniebundhose und eine rote Weste. Darunter wird das weiße Hemd mit grünem Seidenhalstuch und bestickten Lederhosenträgern sichtbar. Die Strümpfe sind weiß, die Schnallenschuhe schwarz.
Die Braut trägt den Kranz, das ist das groß ausladende Flitterkrönele mit grünen Bändern, im Gegensatz zu den Mädchen, die rote Bänder am Kranz befestigt haben. Den Hals ziert die rote, mehrreihige Korallenkette. Die kurze Jacke, Schälkle genannt, ist schwarz mit Chenille-Verzierung. Über der langen, in sich gemusterten Seidenschürze läuft die Gollerkette aus Silber, die am Juppenmieder eingehängt ist. Der grüne, mit roten Zacken besetzte Unterrock ist etwas kürzer als die Juppa. Die Graut trägt den so genannten Plätteleschgürtel. Unter ihm entfaltet sich der fein gefältete schwarze Wollrock, der am unteren Saum in einem breiten Volant endet. Dieser beschwert die Juppa und macht sie beim Schreiten schwingend. Die bei der Walsertracht seit altersher bestehende und einmalige Hochtailligkeit ist eine weitere Ursache dieses charakteristischen Schwingens.
Aus weißem Schafleder mit roten Tuchärmeln ist der „Lääderliib" des Burschen gearbeitet. Der Hosenträger ist rot mit bunter Stickerei, der lederbraune Gurt um die Mitte ist ebenfalls verziert. Die weiße Zipfelmütze wird von der männlichen Jugend getragen.
Das rote Mieder der Frau in der Mitte ist mit schmaler, blauer Zierleiste schwarz eingefasst. Der rote Goller ist nur schwarz mit roten und grünen Stickereien. Daran hängt die silberne Liblikette. Der Brustlatz ist breit und reich bestickt. Die Schürze aus Seide ist in sich gemustert und hat am oberen Rand eine schwarze Bandeinfassung. Darüber liegt ein schmaler, bunt bestickter Gürtel, der rückwärts mit einer Silberkette zusammengehalten wird. Als besondere Eigenart ist der dunkelblaue Rock mit einer breiten, blauweiß gemusterten Blende ausgestattet. Sie hat einen hellroten Vorstoß als Abschluss. Der Unterrock ist grün mit roter Zackenlitze. Die Bluse ist hoch geschlossen mit langen, buschigen Ärmeln, die jeweils in ein Bündchen gefasst sind.
Als Kopfbedeckung ist ein Flitterkrönele mit langen, roten Bändern üblich.
Bei der Frau links ist die Rückenansicht des Mieders sichtbar, wie es auch ohne Goller getragen werden kann. Die Miederfarben sind blau, rot und grün. Am Boden rechts ist der Goller in der Rückenansicht zu sehen.
Der Mann trägt einen mittelblauen Rock mit Silberknöpfen, eine grüne, einreihige und ungemusterte Weste, ein wehes Hemd mit kleiner schwarzerMasche. Die Hose mit Fall-Laden ist aus schwarzem Fustian; ein reich bestickter Gürtel ziert die Mitte. Fallweise wird ein bestickter Hosenträger getragen. Der Hut ist schwarz mit aufgebogener Krempe. Die Strümpfe sind weiß. Die Trachtenschuhe sind schwarz mit ziselierten Spangen.
Die Frau links trägt die überlieferte Alltagstracht, Werktagsjuppe genannt, mit anliegendem, hoch geschlossenem, schwarzem Leibchen, schwarzem kleinen Knopfverschluss und schwarzem, mit Samtband verziertem Rock, der innen mit einer sehr breiten Blende rot abgefüttert ist. Der Unterrock ist ebenso rot wie die Strümpfe. Dazu trägt sie eine blaue, gemusterte Schürze. Das weiße Hemd ist im Raglanschnitt gehalten. Um die Schultern liegt ein kleingemustertes Halstuch.
Die Frau in der Mitte trägt ein schwarz eingefasstes, rotes Leibchen aus glattem oder in sich gemustertem Wollbrokat. Der Rock aus feinem, schwarzem Wollstoff ist am Oberteil angenäht und hat eine Außenblende in der jeweiligen Farbe des Oberteiles; die Innenblende ist rot abgefüttert. Die Bluse ist hoch geschlossen und hat Schinkenärmel. Die blaugestreifte Baumwollschürze wird vorne gebunden.
Das kleine Mädchen trägt die sommerliche Alltagstracht aus Baumwolldruckstoff, eine Bluse mit kleinen Ärmeln und eine blaue Baumwollschürze.
Die sitzende Montafonerin trägt eine Sonntagsjuppe, Tanzjüppli genannt, mit leuchtendem rotem Untermieder, besticktem Brustlatz und reicher Verschnürung. An den Schultern wird das blau-grüne Juppenmieder aus Seide mit breiter, abgesteppter Seidenbandeinfassung mittels Maschen gebunden. Der Rock ist schwarz mit aufgesteppter Blende in gleicher Farbe wie das Oberteil; nach innen ist die Blende rot. Die blaue Seidenschürze wird vorne gebunden. Die Strümpfe werden in rot oder weiß getragen, dazu schwarze Schnallenschuhe.
Am Boden liegen zwei überlieferte, reich bestickte Brusttücher, eine zweiteilige Korallenkette und eine Spanschachtel.
Die Frauentracht besteht aus einem schwarzen Wollrock mit rotem Besatz und einem 2 ½ cm breitem schwarzen Samtband, ca. 3-4 cm oberhalb des Rockendes. Das Mieder ist entweder aus in sich gemustertem Wollbrokat oder aus klein gemustertem Seidenstoff. Es wird mit schwarzem Tirolerband (Stapfband) eingefasst und mit kleinen Rückstichen aus goldfarbenem Stickgarn bestickt. Rot, blau oder grün sind die überwiegenden Grundfarben des Mieders.
Die Besonderheit dieses Mieders ist das Rückenteil mit seinen 3 Nähten. Es besteht aus 2 geschwungenen Schulternähten und der Mittelnaht, welche unterhalb des Nackens im Spitz des Mieders verläuft. Die Nähte werden von Hand eingearbeitet. Das verlängerte Vorderteil wird von Hand an das Rückenteil genäht und mit doppeltem Hexenstich überstickt.
Die weiße Bluse ist hoch geschlossen hat lange, weite Ärmel. Sowohl Hals- und Ärmelbündchen als auch die Achseln sind mit Rück- und „Tännelestichen“ bestickt.
Der Brustlatz zeigt ein Lebensbaummotiv in zarten Farbtönen des Mieders und der Schürze. Er wird mit einer goldfarbenen Kordel oder einer Silberkette mit den zehn bis zwölf speziellen Walsersilberhaken, welche im Vorderteil eingenäht sind, kreuzweise verschnürt. Die Schürzenbänder sind aus schwarzem, ca. 4 cm breitem Samtband und im auslaufendem Teil mit den Motiven des Latzes bestickt.
Die Seidenschürze ist klein gemustert oder einfarbig. Passend aber im Kontrast zum Mieder. Die Schürze wird hinten ca. 20 cm offen getragen.
Als Kopfbedeckung tragen die Frauen entweder die Tannberg-Pelzkappe (Fischotter) mit grünem Samtboden und gekreuzter Borte, oder die ausladende Spitzkappe mit stumpfer Spitze.
Seit einiger Zeit wird auch ein Filzhut mit Satin und Samtdekoration getragen. Die Mädchen binden sich ein Flitterkrönchen mit roten Seidenbändern in ihr Haar.
In den letzten Jahren wurde die Tracht mit dem Vorarlberger Umhang ergänzt. Fallweise wird ein dunkelgrüner Schirm mit der Aufschrift der jeweiligen Trachtengruppe getragen. Das „Jäckle“ (Schälkle) ist noch im Entwurf.
Zur Tannbergtracht wird eine dreifache Korallenkette aus runden Perlen getragen. Diese muss ein bestimmtes Rot haben. In der Mitte der untersten Reihe ist ein kleines Kreuz aus Silber eingefasst. Korallenkette oder eine Silberbrosche wird getragen, kein Modeschmuck.
Der Rock des Mannes, auch „Tschopa“ genannt, besteht aus einem dunkelblauen Tuch. Die Weste ist doppelreihig aus kleingemustertem Brokat. Das Hemd ist weiß mit schmaler, schwarzer Masche. Dazu werden eine schwarze Latzhose und blaue Strümpfe getragen. Die Strümpfe sind handgestrickt, und haben ein ganz kompliziertes, einmaliges Muster.
Der Vorarlberger Hut ist die Kopfbedeckung des Mannes. Früher war die Kopfbedeckung eine weiße Zipfelmütze.
Die Männer tragen zur Tracht am Tannberg im Allgemeinen schwarze Lederschuhe mit einer Silberschnalle. Die Schuhe der Frauen sind aus Glattleder mit niederem Absatz und einer kleineren Silberschnalle. Dazu werden weiße durchbrochene Baumwollkniestrümpfe angezogen
Eine traditionelle, auf Generationen zurückreichende Tracht kennen wir in Triesenberg nicht. Der Trachtenverein ist ein junger Verein. Echtes, altes Brauchtum hingegen sind die sogenannten Chappa, Frauenhüte, die mit dem Geschehen rund um die Hochzeit im Zusammenhang stehen.
Die Chappa (Hochzeitshauben)
Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde eine Ehe an drei aufeinander folgenden Sonntagen in der Kirche bekannt gegeben. Man wurde von der Kanzel verkündet mit der Aufforderung an die Pfarrgemeinde: „Wer gegen diese Ehe ein rechtmässiges Hindernis kennt, der ist im Gewissen verpflichtet, dasselbe beim hiesigen Pfarramte zu melden …“ Braut und Bräutigam, d Schpuusa und dr Schpüüslig, erschienen an den ersten zwei Verkündigungssonntagen nicht zum Hauptgottesdienst. Erst am dritten Sonntag war es Brauch, dass man gemeinsam den Hauptgottesdienst besuchte.
An diesem Ehrensonntag trug die Braut ein braunes Kleid, viele trugen auch ein dunkelblaues, eine weisse Schürze as Zierschöössli und hohe Schuhe. Auf ihrem Kopf prangte ihr besonderer Stolz, die Hochzeitshaube, ihre Chappa.
Die ganze Gemeinde durfte nach dem Gottesdienst die strahlende Schpuusa bewundern. Dann nahm der Schpuuslig seine Zukünftige zu sich nach Hause.
Dort war sie bei der Familie des Bräutigams am Mittagstisch zu Gast.
Am Nachmittag führte der Bräutigam seine Liebste ins Wirtshaus, wo man manchmal bis zu Abend verweilte. Die Hochzeit fand dann gleich anderntags, also am Montag statt. Zur Vermählung erschien die Braut ohne Chappa. Sie trug ein schwarzes Kleid und ein weisses Kränzlein in den Haaren. Ihre Hochzeitshaube hatte aber keineswegs ausgedient. Sie wurde nun das ganze Leben lang an hohen Feiertag und bei Prozessionen, so an Fronleichnam (am Üüsrhärgottstag) getragen.
Den Brauch soll es bis ca. 1935 gegeben haben. Die neue Tracht der Triesenberger Trachtengruppe hat sich auf dieses Brauchtum besonnen und eine Tracht entwerfen lassen, die sich in ihrer Schlichtheit von der alten Chappa-Tradition leiten lässt.
Die Tracht der grenzüberschreitenden Folkloregruppe.
Die Tracht von Vallorcine hat die Tracht (und ganz besonders die Kopfbedeckung) der Folkloregruppe „Li trei V´zins“ beeinflusst. Diese grenzüberschreitende Formation vereinigt Menschen der drei Ortschaften Finhaut, Trient und Vallorcine
Im Pomatt fand im Jahr 1981, in dem Monat September, der neunhundertste Jahrestag des St. Bernhard statt. An jenem Tag wurde die Tracht angezogen, die bei dieser Gelegenheit nach dem traditionellen Vorbild getreu nachgebildet wurde.
Die alten Trachten hatten verschiedene Farben, wie zum Beispiel: schwarz, blassblau, Bordeaux, grün, sie waren die Lieblingsfarben je nach dem Alter und dem persönlichen Geschmack. Für die neue Tracht wählte man die bordeauxrot Farbe.
Die Tracht besteht aus einem wollen Kleiderrock. Sein Leibchen ist sehr eng und einfach, es wird vorne, bis wenige Zentimeter unter der Taille, durch kleine Haftel zugeknöpft. Verschiedene vertikale Biese/Fältchen bereichern das Leibchen und werten die Brust auf.
Der breite Rock ist in die Taille gelockt. Sie fällt leicht bis zum Knöchel, eine gekräuselte Falbel befindet sich dreißig Zentimeter am Ende des Kleides, sie gibt jedem Schritt Bewegung und Eleganz.
Unter dem Kleiderrock steht eine weiße Bluse aus Leinen oder aus Baumwolle. Ihre Manchetten und ihre Kragen sind fein handgestickt. Das zeigt eine Liebe für einfache aber sehr schöne Dinge. Unter dem Kleid befindet sich ein schneeweißes Unterkleid mit einem roten Bändchen, das die Falbel von Sankt Gallen begrenzt.
Das Ganze wird von einem eng anliegenden Bolerojäckchen ergänzt. Es besteht aus dem selben Stoff des Kleides und ist mit kleinen schwarzen Perlen gestickt. Es ist mit schwarzer Spitze fein bearbeitet und hat eine Schürze aus Damast-Seide, die von verschiedenen Farben sein kann.
Zum Fuß finden wir eine Schuhe aus schwarzem Leder mit einem kleinen Schuhabsatz und sie wird eng bis auf dem Knöchel zugeschnürt.
Vor Jahren werden die eingeflochtenen Haare in einer weißen Haube aus Baumwollen gesammelt/geflochten. Auf der Haube wurde eine schwarze Mütze aus Baumwolle angezogen. Aber diese Kopfbedeckung wurde im Jahr 1718 definitiv verlassen und wurde durch ein geblümtes Tuch aus Baumwolle ersetzt.
Heute möchte man lieber keine Kopfbedeckung tragen. Unsere Tracht wurde anlässlich der Festen und der Hochzeiten angezogen.
Das Vorbild für die männliche Tracht befindet sich in einigen pumatter Photos, die aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammen.
Sie besteht aus einem Hemd aus einem unbearbeitete/rohe Gewebe, es wird teilweise bis auf die Brust zugemacht. Von hier gehen verschiedene Fältchen aus; das Hemd ist von einem sehr kleinen Kragen und von bauschige Ärmel gekennzeichnet, die von einem Damast-Gilet erscheinen; ein Bändchen aus schwarzem Samt schmückt den Kragen.
Die Höse und der Umhang sind aus einem schwarzen Wollstoff: die erste fallen auf ein Paar hohe und zugeschnürte Schuhe, der zweite ist kurz und reicht bis zur Knie.
Das Ganze wird von einem schwarzen Filzhut mit einem bordeauxroten Band ergänzt.
Originaltext von: Anna Maria Bacher
Deutsche Übersetzung: Federica Antonietti Sprach-Büro Walser aus Pomatt/Formazza.
Joseph Aimé Alby
geb. 1803 in Issime, gest. 1853 in Venaria.
Er war der Erfinder der beweglichen Waben, die die Imkerei weltweit revolutionierten.
Bis dahin mussten die Bienen mit dem gesamten Stock herausgenommen werden, um an den Honig zu kommen. Durch seine Erfindung kann man den Honig gewinnen, ohne den Bienen Schaden zuzufügen.
Dr. hc. David Beck (1893-1966)
Dr. David Beck wurde am 10.5.1893 in Triesenberg geboren. Er begann seine Laufbahn als bescheidener Dorfschullehrer in seiner Heimatgemeinde und wurde für seine Urgeschichtsforschung mit dem Titel "Fürstlicher Studienrat" vom Landesfürsten geehrt. Der bedeutende Triesenberger starb am 21.5.1966 in Vaduz.
So liess ihn die Dorfgemeinschaft nur ungern ziehen, als er 1938 nach Vaduz übersiedelte und an der Schule Ebenholz wirkte. Seine zahlreichen Arbeiten über das Walsertum und die Triesenberger Ortsgeschichte sind von beeindruckender Gründlichkeit und Sachkenntnis geprägt. Dr. David Beck bemühte sich besonders um die Erhaltung der Walsersprache, der kernigen Triesenberger Mundart, die er auch im Tal stets unverfälscht sprach. International bekannt geworden ist er durch seine Urgeschichtsforschung im Fürstentum Liechtenstein. Für die hervorragende Forschungstätigkeit verlieh ihm die Philosophisch-Historische Fakultät der Universität Basel 1963 den Titel Dr. h.c. Der Landesfürst ehrte ihn im gleichen Jahr mit dem Titel „Fürstlicher Studienrat“. Der bedeutende Triesenberger starb am 21.5.1966 in Vaduz.
Dr. Wilhelm Beck (1885-1936)
Wilhelm Beck war ein geschätzer und bekannter Politiker, der zu den Mitbegründern der christlichsozialen Volkspartei im Jahre 1918 zählt.
Der weit herum bekannte und geschätzte Politiker Dr. Wilhelm Beck wurde am 26.3.1885 in Triesenberg geboren. Er studierte Rechtswissenschaft in Zürich und München und promovierte 1911 zum Dr. iur. 1912-18 war er in Anwaltskanzleien in Flums und St. Gallen tätig. Ab 1914 wurde er Inhaber einer Anwaltskanzlei in Vaduz, wo er ab 1919 auch im Treuhandbereich tätig war. 1918 war er Mitbegründer der christlichsozialen Volkspartei. 1914-28 und 1932-1934 hatte er das Mandat des Landtagsabgeordneten inne. Von 1922-28 fiel ihm die Aufgabe des Landtagspräsidenten zu. Kurze Zeit war er auch Regierungsrat.
1925-30 amtete er als Vizepräsident des Staatsgerichtshofes und von 1923-28 als Verwaltungsratspräsident der Sparkassa im Fürstentum Liechtenstein.1914-35 war er Herausgeber der "Oberrheinischen Nachrichten" bzw. der "Liechtensteiner Nachrichten". Wilhelm Beck hatte massgeblichen Einfluss auf die Auflösung des Zollvertrags mit Österreich im Jahre 1919, die Verfassung von 1921, den Zollanschluss an die Schweiz 1923-24 und auf weitere bedeutende und weitsichtige Ausgestaltungen der liechtensteinischen Gesetzgebung, die die Grundlage für den späteren wirtschaftlichen Aufstieg des Landes bildeten. Allzu jung, im Alter von erst 51 Jahren starb Dr. Wilhelm Beck am 20.1.1936.
Literatur:
Paul Vogt; „Die Schlossabmachungen vom September 1920“
Vaterländische Union, 1996
Prälat Engelbert Bucher (1913-2005)
Prälat Engelbert Bucher, Fürstlicher Geistlicher Rat (1913-2005) war vor allem das Walsertum und die Walserforschung ans Herz gewachsen.
Der langjährige Triesenberger Dorfpfarrer Engelbert Bucher wurde am 21.9.1913 in Kerns OW geboren. Nach seiner Priesterweihe im Jahre 1940 kam er als Kaplan nach Triesenberg und wurde bereits 1943 als Pfarrer eingesetzt. Der initiative Dorfpfarrer widmete sich neben seiner seelsorgerlichen Tätigkeit mit grosser Schaffenskraft der Erforschung der Dorfgeschichte und der Ahnenforschung.
Die Gemeinde verdankt ihm zahlreiche Arbeiten zur Lokalgeschichte.
Die Krönung seiner Tätigkeit als Heimatforscher ist seine neunbändige Familienchronik, ein Werk, das in seiner Art einmalig ist. Mit seiner bereits in den Vierzigerjahren begonnenen Sammlung von Kulturgütern legte er den Grundstein für das Walser Heimatmuseum.
Walsertum und Walserforschung waren Engelbert Bucher besonders ans Herz gewachsen. Er gehörte zu jenem Kreis der ersten Stunde, die im Jahre 1962 in Saas Fee der Walserforschung neuen Auftrieb gegeben hatten. Anlässlich des 2. Internationalen Walsertreffens in Triesenberg war bei den Gründungsmitgliedern der Internnationalen Vereinigung für Walsertum. Dem Vorstand gehörte er bis 1995 an.
Prälat Engelbert Bucher
Prälat Engelbert Bucher
Der erste Dekan des Fürstentums Liechtenstein (1970-1978) durfte als Seelsorger und als Historiker zahlreiche Ehrungen entgegennehmen. Er war Ehrenbürger der Gemeinde Triesenberg. 1979 wurde er von Fürst Franz Josef II. mit dem Titel Fürstlicher Geistlicher Rat geehrt. Eine hochrangige und verdiente Auszeichnung ist das Ehrenzeichen der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck im Jahre 1990.
Besonders stolz war er auf die Ernennung zum Päpstlichen Ehrenprälaten anlässlich seines Diamantenen Priesterjubiläums im Jahr 2000. Engelbert Bucher starb am 19. Januar 2005.
Im Dienste des französischen Königs
Jean Baptiste Burnet wurde am 19. Juli 1719 in Plan Droit geboren und starb am 27. Oktober 1784 in Corcy (Aisne). Er war Kammerdiener von König Ludwig XV. und dann erster Falkner der großen königlichen Falkenjagd.
Kautschukunternehmer
Germain Burnet wurde am 5. September 1836 in Couteray geboren. Er gründete in Ivry die Firma Burnet, die Spielsachen und Schuhe aus Gummi, sowie medizinische Artikel (Schnuller, Wärmflaschen und chirurgische Handschuhe) herstellte.
(geb. 1863 in Issime; gest. 1915 in Grenchen, CH)
Der Priester sammelte Geschichten, Sagen und Legenden dieses Tales und schuf das Buch: “Légendes et récits recueillis sur le bord du Lys” (Legenden und Erzählungen, gesammelt am Ufer des Lysbachs)
Anton Isenmann
Erstmals erwähnt in den Jahren 1586 und 1587, letztmals erwähnt im Jahr 1612. Isenmann stammt aus der Walserkolonie Prismell im Val Sesia (Piemont) und heiratete im Jahr 1590 Margaretha Gasser von Sempach.
1586/87 vermutlich Arbeit am Chor im Kloster in Wesemlin; ab 1587 Steinwerkmeister; ab ca. Jan. 1588 Mitarbeit beim Bildhauer Anton Gross. 1588 vollendete er die Jesuitenkirche in Luzern. 1589 und 1593 wurde er zum Werkmeister der Stadt Luzern gewählt. 1591-92 baute Anton Isenmann am Kloster Rathausen und ab 1592 am Jesuitenkollegium in Pruntrut. In Luzern arbeitete er u.a. 1593 für Philipp Mohr, 1599-1606 leitete er den Neubau des Luzerner Rathauses. 1607-08 beteiligte er sich am Umbau des Klosters Beromünster, am Bau der Franziskaner-Wallfahrtskirche und des Klosters in Werthenstein.
* 1887 Gressoney-La-Trinité † 1940.
Er studierte in Turin Naturwissenschaften und war unter anderem ein großer Entdecker (Sahara und Tibesti), Gründer und Sekretär des Comitato Glaciologico Italiano (Komitee zur italienischen Gletscherforschung), Verfasser von 37 Büchern über die Glaziologie, Gelehrter der Walsergeschichte und der Walserwanderungen.
Hannes Schneider, ein Schipionier
Schneider, Hannes, * 24. 6. 1890 in Stuben am Arlberg, † 24. 4. 1955 in North Conway (USA), Schipionier. Ab 1907 Schilehrer in Sankt Anton am Arlberg, propagierte durch seine 1922 gegründete "Arlbergschule" (Arlbergtechnik) und durch die Lehrfilme von Arnold Fanck den Stemmbogen und eine dem alpinen Gelände angepasste Fahrweise; machte so das Arlberggebiet zu einem internationalen Skisportzentrum. Er wirkte auch bei Skifilmen mit und gründete nach seiner Emigration in die USA (1938) das Skizentrum North Conway in New Hampshire.
Der Vater Josef Anton Schneider hatte seine Heimat in Marul im Großen Walsertal, seine Mutter kam aus St. Jakob, einem Ortsteil der Gemeinde St. Anton am Arlberg. Um die Jahrhundertwende begann er zunächst mit selbst gemachten Schiern zu fahren, tat bei Konkurrenzen erfolgreich mit und zählte bald zu den besten Jugendläufern. Der Ruf seines Könnens drang auch nach St. Anton, und im Jahre 1907 wurde er vom damaligen Obmann des Schiclubs Arlberg Ing. Rudolf Gomperz und C. Schuler als Schilehrer nach St. Anton verpflichtet. Hier war er dann 31 Jahre erfolgreich tätig.
Schon vor dem Ersten Weltkrieg baute Hannes Schneider mit Hilfe zweier Schilehrer eine Schischule mit Gruppenunterricht auf. Hinsichtlich der Fahrweise prägte er die später sich weltweit durchsetzende „Arlbergtechnik", welche sich wesentlich von der damals üblichen „Norwegertechnik" und der „Lilienfeldertechnik" unterschied.
Nach dem Ersten Krieg heiratete Hannes Schneider Ludwina Seeberger. Der Ehe entsprossen Sohn Herbert (1920) und Tochter Herta (1921). In der Folge baute Hannes Schneider die Schischule auf breiter Basis wieder auf und stellte immer mehr Schilehrer ein, welche die Schischüler in verschiedenen Leistungsgruppen unterrichteten. Die theoretischen Grundlagen für den Schiunterricht schuf er gemeinsam mit einigen treuen Wegbegleitern. Als erster Freund und Wegbegleiter ist wohl Ing. Rudolf Gomperz zu nennen. Er förderte als Publizist und Organisator über 30 Jahre lang Hannes Schneiders Aufstieg. Rudolf Gomperz hat für seine Wahlheimat St. Anton sehr verdienstvoll gewirkt; er ist dem Rassenwahn des Dritten Reiches zum Opfer gefallen.
Als weiterer Freund ist Dr. Arnold Fanck zu erwähnen, mit dem Hannes Schneider neben einigen großartigen Schifilmen auch das Buch „Wunder des Schnee-Schuhs" herausbrachte. Diesen Filmen und dem Buch verdankt Hannes Schneider weitgehend seinen weltweiten Ruhm. Bei den Schifilmen zeigte Hannes Schneider sowohl als Schiläufer als auch als Schauspieler großartige Leistungen.
Ein weiterer guter Freund war Dr. Anton Tschon. Als frühes Mitglied des Schiclubs Arlberg kannten sich beide schon von Jugend an. Mit Dr. Anton Tschon entwickelte Hannes Schneider in den Jahren 1929 bis 1930 den österreichischen Schilehrplan; er bildete die erste offizielle Grundlage eines staatlich überwachten Schiunterrichtes. Dieser Schilehrplan trat 1931 in Kraft und bedeutete den endgültigen Durchbruch der Arlbergtechnik (http://www.aeiou.at/aeiou.film.f/f005a).
Es zog immer mehr Schibegeisterte nach St. Anton, um bei Hannes Schneider das Schifahren zu lernen. In der Folge kam es zur ersten großen Entwicklungsphase St. Antons in der Zwischenkriegszeit, als sehr viele Gästepensionen und Gasthäuser gebaut sowie die entsprechende Infrastruktur geschaffen wurden. Im Jahre 1937 wurde die Seilbahn auf den Galzig gebaut. Die Schischule war inzwischen auf etwa 30 Schilehrer angewachsen. St. Anton brachte in dieser Zeit eine Reihe hervorragender Rennläufer hervor: Rudi Matt, Friedl Pfeifer, Pepi Jennewein und die Brüder Pepi und Franz Gabl. In den Jahren vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich traten auch in St. Anton politische Differenzen unheilvoll zutage. Hannes Schneider und seine Freunde, welche mit dem Nationalsozialismus nicht einverstanden waren, wurden nachdem Anschluss 1938 ihrer Posten enthoben und zum Teil eingesperrt. Hannes Schneider kam nach sechswöchiger Haft bei einem Freund in Garmisch-Partenkirchen unter. Benno Rybizka, der bereits seit zwei Jahren im Staate New Hampshire eine Schischule leitete, war mit Schneider in Garmisch in Verbindung getreten und versuchte, ihm die Einreiseerlaubnis nach Amerika zu verschaffen. Nun trat Mr. Harvey Dow Gibson, ein einflussreicher Bankier aus New York, in das Geschehen ein. Ihm gelang es, Schneider und seine Familie nach Amerika zu bringen. Seine Gegenleistung bestand darin, für das Deutsche Reich einen kurzfristigen Kredit zu beschaffen. Mr. Gibson kannte nämlich den deutschen Finanzminister Hjalmar Schacht aus früheren Jahren sehr gut.
Hannes Schneider übernahm unverzüglich die Leitung des im Aufbau begriffenen Schizentrums North Conway, das Mr. Gibson kurz zuvor gekauft hatte. Noch im Jahre 1939 erlitt die Familie Schneider einen herben Verlust - Frau Ludwina Schneider starb am 13. August 1939 in North Conway. Hannes Schneider und seine Mitarbeiter stampften in wenigen Jahren einen Wintersportplatz aus dem Boden, der von den Schibegeisterten Oststaatlern gerne angenommen wurde. Auf dem Mount Cranmore bestand bereits eine Aufstiegshilfe, eine Standseilbahn, welche in zwei Sektionen vom Talboden bis zum Gipfel führte.
Schneiders St. Antoner Mitarbeiter Franz Kössler, Anton Matt, Otto Tschol und Benno Rybizka hielten fest zu ihm und der Mount Cranmore wurde für alle zum „Galzig" Amerikas. Da wurden neben anderen Abfahrten eine „Kandahar-Abfahrt" und eine „Waldschneise" ausgeholzt, die an den „Galzig" der Heimat erinnerten. Zum Andenken an den im Jahre 1944 tödlich verunglückten Franz Kössler wurde auch eine „Franz-Kössler-Abfahrt" errichtet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Hannes Schneider erstmals 1947 nach St. Anton heim; er hatte seine Heimat acht Jahre lang nicht gesehen. Am Bahnhof empfingen ihn viele seiner Freunde.
In der Folge kam Hannes Schneider fast jedes Jahr nach St. Anton, um sich hier mit Freunden zu treffen und den Kandaharrennen beizuwohnen oder auf seine geliebte Jagd zu gehen.
Am 26. April 1955 starb Hannes Schneider in Amerika. Er ruht in North Conway an der Seite seiner Frau Ludwina. Auf dem Friedhof von St. Anton erinnern ein Ehrengrab und in Stuben eine Bronzetafel am Geburtshaus an den großen Schipionier Hannes Schneider.
(Quelle und teilweise wörtliche Übernahme aus: Hans Thöni, „Schipionier Hannes Schneider zum 100. Geburtstag“, in: Walserheimat in Vorarlberg, Nr. 47, 1990)
Detlef Willand, der Holzschneider
Willand, Detlef, *14.4.1935 in Heidenheim an der Brenz, 1951 Holzschnitzerlehre im Kleinen Walsertal, 1955 Fachhochschule für Holzschnitzerei Partenkirchen, 1960 Eigene Bildhauerwerkstatt im Kleinen Walsertal, 1967 Hinwendung zur Graphik, besonders zum Holzschnitt, 1972 Mitglied der Künstlergruppe der Hans-Thoma-Gesellschaft, 1977 Erste Einzelausstellung in der Städtischen Galerie Albstadt.
Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Detlef Willand intensiv mit dem Holzschnitt. Der Künstler wurde 1935 in Heidenheim geboren. In Garmisch-Partenkirchen machte er eine Holzschnitzerlehre und besuchte die dortige Bildhauerschule. Seine Werke finden wegen ihrer handwerklichen und gestalterischen Brillanz im In- und Ausland bei einem breiten Publikum Anerkennung.
Seine Themen schöpft Willand vornehmlich aus dem Bereich der Mystik, der Naturwissenschaft, der Philosophie und nicht zuletzt der Bibel.
Detlef Willand hat sich im In- und Ausland durch zahlreiche Ausstellungen seiner Werke einen Namen gemacht und verdienstvolle Auszeichnungen erhalten. Er ist Inhaber des Oberallgäuer Kunstpreises, Preisträger der Stiftung Bibel und Kultur und Träger der Ehrenurkunde der 6. Triennale Mondiale D'Estampes.
Auch in der Walser Volkskultur hat Detlef Willand markante Spuren gezeichnet. In mehreren Veröffentlichungen sind ihm seine Walser Heimat ein großes Anliegen und die Walser Geschichte, Sagenwelt, Bauernkultur der Walser, alte Wegverbindungen beschäftigen ihn unentwegt. Seit dem Fund eines Steingerätes aus der Mittelsteinzeit auf der Alpe Schneiderküren im Jahre 1998 ist Detlef Willand die treibende Kraft der archäologischen Aktivitäten im Kleinen Walsertal.
Louis Zumstein
Louis Zumstein alias De La Pierre.* 1805 Gressoney-Saint-Jean †1871 Ivrea (Torino).
Er studierte in Turin. Schrieb Gedichte, Lieder, Reime und Grundsätze auf Deutsch und Französisch und darüberhinaus auf Titsch. Das Werk von Zumstein ist nicht zur Gänze bekannt, da vieles verloren gegangen ist.
Priester und Skifahrer
Einige Bewohner von Vallorcine sind Priester geworden, andere wurden durch den Sport berühmt.
Louis Bozon (1865-1958) war Priester in La Bresse (Vogesen). Im September 1944 unterstützte und tröstete der Stiftsherr die Dorfbewohner, nachdem die Deutsche Armee auf der Flucht das Dorf in Brand gesetzt hatte und die Bewohner sich im nahen Wald verstecken mussten..
Hochleistungsportler:
Edouard Ancey, Militärmeister im Jahre 1911 und 1. Platz im Skispringen in Chamonix.
Fréderic Ancey (geb. 1963), französicher Juniorenmeister im alpinen Schilauf..
Patrick Ancey (geb. 1956), französicher Meister im Biathlon 1976,
Trainer der französichen Biathlon-Nationalmannschaft.
Thierry Ancey (geb. 1957), Sieger der Staatsmeisterschaft 1977.
Claire Ancey (geb. 1960), 5. Platz der französischen Juniorenmeisterschaft im Langlaufen 1978.
Sacha Devallaz (geb. 1989), französischer Juniorenmeister im Langlauf.
Alois Fritz (1930-2019)
Ehrenobmann der Vorarlberger Walservereinigung ist verstorben.
Der langjährige Obmann und Ehrenobmann der Vorarlberger Walservereinigung (VWV) Alois Fritz ist am 4. Juni 2019 in Riezlern im Kleinwalsertal gestorben.
Luis wurde 1930 geboren und besuchte die Volksschule in Riezlern und die Handelsschule in Leutkirch. In Riezlern und in der Schweiz erlernte er das Schmiedehandwerk. Nach der Meisterprüfung arbeitete er in Oberhausen in Deutschland. Als Montageleiter für den Bau der Kanzelwandbahn wurde er wieder in die Heimat geschickt. Dort war er als stellvertretender
Betriebsleiter tätig, bis er sich mit einer Schlosserei selbstständig machte. Für seine Familie baute er in Riezlern ein Gästehaus und zog vier Kinder groß.
Luis war einige Jahre in der Gemeindevertretung aktiv und übernahm 1988 das Amt des Bürgermeisters. Bis 1995 leitete er mit viel Geschick die Gemeinde Mittelberg. 2008 wurde er mit dem Ehrenring der Gemeinde ausgezeichnet.
1997 übernahm er die Obmannschaft der VWV. Er hat viele Projekte angestoßen und versucht, die Walservereinigung mit innovativem Schwung voranzubringen und vor allem auch für junge Leute interessant zu machen. Er führte zum Beispiel den jährlich in einer anderen Walsergemeinde stattfindenden Kirchentag ein, um die Generalversammlung attraktiver zu gestalten. Gemeinsam mit dem Vorstand und der Redaktion hat er für die „Walserheimat“ ein neues Konzept entwickelt und umgesetzt. Ein Leitbild wurde erarbeitet und die Vereinsstruktur umgestellt, um mehr Interessierten die Möglichkeit zur Mitgliedschaft und Mitarbeit zu geben.
Luis war es immer wichtig, gute Kontakte zu den Walsern in Graubünden, im Wallis und den Südwalsern in Norditalien zu knüpfen. Ein großes Projekt im Rahmen einer Förderaktion durch die Europäische Union mit dem Namen „Walser Alps“ bot dazu gute Gelegenheiten. Er musste dabei allerdings auch lernen: Walser sind nicht nur kontaktfreudig, sie können auch stur sein – das machte es manchmal für ihn schwierig, seine Ideen umzusetzen. Luis ließ sich dadurch aber nicht von seinem Weg abbringen. Er erkannte, wo es sich lohnte nachzubohren, und wo es besser war, seine Kräfte zu schonen. Der Lauf der Zeit half dann oft nach.
2009 hat er die Obmannschaft an seine Gattin Barbara übergeben. Für seine großen Verdienste um die Walser wurde er zum Ehrenobmann der Vorarlberger Walservereinigung ernannt.
Die Walser und ihre Geschichte lagen ihm stets sehr am Herzen. Sie waren ein Teil seines Lebenswerkes. Gerne setzte er sich mit neuen Erkenntnissen von Historikern auseinander und versuchte,
seinen großen Erfahrungsschatz in die Diskussionen einzubringen. Wir danken Luis für seinen tatkräftigen Einsatz und seine Unterstützung für die Walser und die VWV. Luis war ein großer Mann – und vor allem ein großartiger Mensch. Seine Fußstapfen werden noch lange sichtbar sein.
Gibt es einen Walser Baustil? Im Wallis ist die Holzbauweise überwiegend. Eng beieinander stehen die braun gebrannten, oft mehrstöckigen Häuslein, daneben meist der Stall und der Schpiicher.
Ihn machen Stützen – mit Maussteinen versehen - vor Nagetieren sicher. Die Gebäude sind traditionell mit Granitplatten gedeckt. Sobald man den Simplon nach Süden überwindet, verändern Steinhäuser das Ortsbild. Das Bauen aus Stein findet man dort, wo der Baustoff Holz fehlt.
Die Bauweise der Wohn- und Wirtschaftsgebäude hat sich regional entwickelt. Sie verändert sich im Laufe der Zeit und je nach Ort und Lage. Es gibt nicht das „Walserhaus“ oder den „Walser Stall“ oder den „Walliser Schpiicher“, den die Auswanderer in ihre neue Heimat „mitgenommen“ haben.
Simplondorf
Ähnliche Bauten gibt es auch im französisch sprechenden Wallis, im oberen Tessin oder im rätoromanischen Graubünden. In bestimmten Regionen haben sich traditionell gewordene Bauarten gebildet. Es gibt beispielsweise das regional entwickelte Walserhaus auf dem Tann- und Mittelberg, dessen Raumaufteilung und Bauweise nur wenige Unterschiede aufweisen.
Wohnhaus
Hüss, Haus, Wohnhaus; vgl. Hiischi, Pl. Hiischini; 1. gemeint ist praktisch immer das Wohnhaus im Gegensatz zum Stall, Spicher, Stadel, zur Alphütte oder zu Sakralgebäuden.
Der Begriff wurde aber im Kompositum auch für Gemeinschaftsgebäude verwendet: Gmeindhiischi, Pfarrhiischi, Zunfthiischi, Schitzuhüss. Die Wohnhäuser sind schmal und hoch und wurden meistens von zwei Familien bewohnt: «Stockwerkeigentum». Auch im Wohnbereich führte die Walliser Erbteilung zu einer sehr breiten Streuung des Wohneigentums (1998 waren immer noch 65 % der Walliser Wohneigentümer).


Komposita nach Funktion, Bewohner oder Bauart benannt: Oberhüss, Obuni, «2. Etage», Unnerhüss, Unnuni, «1. Etage oder im Erdraum befindliche Wohnung»; Aarmuhüss «Armenhaus», Burgerhüss «Burgerhaus», Eltruhüss «Elternhaus», Vogilhüss «Vogelhäuschen», Füeterhüss «Futterhaus», Fleiguhüss «Fliegenkasten», Gaartuhüss, Glogguhüss «Glockenstube», Heiduhüss «altes Gebäude mit Firststütze», Irruhüss «Irrenanstalt», Kuurhüss «Kurhaus», Gmeindhüss «Gemeindehaus», Narruhüss «Narrenhaus», Naahüss «Küche», Pulverhüss, Beihüss «Beinhaus, Aufbewahrungsort der aus den Gräbern enfernten Totenschädel und Knochen», Brunnuhüss «Quellfassung», Püüruhüss; Schitzu- «Schützenhaus», Stäguhüss «Stiegenhaus», Steihüss «Steinhaus», Tüübuhüss «Taubenschlag», Zuchthüss «Gefängnis».
Speicher
Spiicher, Speicher, Vorratsgebäude; 1. bei oberflächlichem Betrachten ähnelt der Speicher dem Stadel: auch er ist gestelzt, doch hat er eine andere Raumstruktur und eine solidere Bauart. Er war ganz sorgfältig als Kantholzblock mit Vorstössen errichtet, damit weder Ungeziefer noch Feuchtigkeit eindringen konnte. Der Speicher war ausser dem Wohnhaus der gepflegteste Bau unserer Mehrhausbau-Gegend.
Selten nahm ein Speicher den gesamten Raum eines Gebäudes ein, manchmal wurde er an einen Stadel zur Seite angebaut oder als zusätzliches Stockwerk aufgebaut. Meistens waren mehrere Speicher in einem Gebäude (in Ausserberg habe ich in einem Gebäude sieben Speicher gezählt); in diesem Falle besass jeder seinen eigenen Eingang, versehen mit einer verschliessbaren, festen Türe. Das Innere bestand aus einem einzigen Raum, der aber mit Gestellen, Kisten und Kästen unterteilt wurde. Der Speicher diente zur Aufbewahrung von Lebensmitteln, die trocken gehalten werden mussten (Getreide, Mehl, Brot, Trockenfleisch, Speck und Hamme, Hauswürste usw.). Früher wurden hier oft auch noch andere Kostbarkeiten wie Schmuck, Sonn- und Festagskleider und Dokumente aufbewahrt.

Stadel, Stadelpfosten und -stelze
Alphitta, f., Alphütte; vgl., Alpji; Mehrraum und Mehrzweckhütte, bestehend aus Obergeschoss: Schiir, «Heuraum», Stubji, «Wohnraum», Chäller oder Cheeschäller, «Milch- und Käselager», Chuchi, Fiirhüss «Vorraum mit Feuerstelle,
Im Oberwallis hat das Gebäude, das wir als Stadel bezeichnen, immer nur die Funktion als Garbenspeicherraum und Dreschplatz. Der Stadel bestand aus einem eingeschossigen und einräumigen, gestelzten Kantholzblock und war im Gegensatz zum Speicher weniger sorgfältig verarbeitet, damit die Luft in ihm zirkulieren und so das Getreide besser trocknen konnte. Stand er allein, und das war in der Regel ausserhalb der geschlossenen Siedlungen, wies er meistens eine Vielzahl von Besitzern auf. An keinem anderen Gebäude kann man die Ökonomie des Bauens besser beurteilen als am Stadel: der Walliser hatte seinen Besitz weit verstreut, es wäre zu mühsam gewesen, die Ernte (Getreide, Heu) an einen Ort zusammenzutragen; darum erstellte er zusammen mit seinen Nachbarn jeweils vor Ort die entsprechenden Ökonomiegebäude. Statt das Heu zum Vieh zu tragen, liess er das Vieh zum Heu laufen, und statt die schweren Garben trug er das ausgedroschene Korn ins Dorf.


Die Folge war aber, dass ein wohlhabender Bauer von bis zu zehn Stadeln Miteigentümer sein konnte. Das Innere des Stadels bestand aus einem Raum, der in der Mitte vom sorgfältig gefugten Tenn, Te, dem Dreschplatz, in zwei Teile getrennt wurde. Diese wiederum wurden meist vertikal durch sogenannte Stutzwände in grössere oder kleinere Anteile, Schroote, unterteilt. Im Goms konnten diese Abteile durch horizontale Lagerböden, Brigi, noch zusätzlich aufgeteilt werden. In Dorfnähe bildeten Stadel und Speicher oft eine Einheit (vgl. Speicher).
Stadolbei, n Stadelbein, Stütze und Platte, Bein, Stock; vgl. Stadoltschaaggo, -pfiiler, -tschebil, Schibbei, auch Plaana, Stadolplaana senkrechte Stelze aus Holz (selten gemauert), auf welche die Mäuseplatte aufgelegt waren, die dann das ganze Geviert des Gebäudes trugen. Diese Stelzen bildeten einen Hohlraum zwischen dem Unterbau und dem eigentlichen Stadel oder Speicher; dadurch wurde die Luftzufuhr verbessert und für viel Ungeziefer, vor allem Mäuse, entstand ein unüberwindbarer Zwischenraum.

Alphütte - Alpgebäude Wallis
Alphitta, f., Alphütte; vgl., Alpji; Mehrraum und Mehrzweckhütte, bestehend aus Obergeschoss: Schiir, «Heuraum», Stubji, «Wohnraum», Chäller oder Cheeschäller, «Milch- und Käselager», Chuchi, Fiirhüss «Vorraum mit Feuerstelle,
Trächa, mit den Einrichtungen zum Kochen und Käsen» und dem Untergeschoss: Veestall, «Viehstall, Grossvieh mit melkfähigen Kühen», Chlei- oder Schmallveestall, «Kleinviehstall» (Schweine, selten Schafe, Ziegen) mit einem Pferch für Schweine, Schwiichromo. Die Masse waren sehr bescheiden, meistens verfügten die Hütten über ein Aussenmass, das 4 bis 6 x 5 bis 8 Meter nicht überschritt; Käsekeller und Schweinestall waren manchmal angebaut, Abuw; vergl. Anbuww.
Alpstall, m Alpstall; vgl. Stall, Veestall, Schmallveestall; der Stall bestand in den meisten Alphütten aus zwei getrennten Räumen: dem Viehstall, Veestall, für das melkfähige Grossvieh und dem Kleinviehstall: Schmallvee-, Chleiveestall, der für die einzelnen Tiergattungen in verschiedene Abteile, Chromo, unterteilt war:

Geiss-, Schaaf-, Schwü-, Hännustall. An vielen Orten trennte man aber ganz strengzwischen Kuh-, Schaf-, Ziegen- und Rinderalpe. Nur die melkfähigen Kühe wurden in den Stall gebracht, Schafe, Ziegen und Rinder liess man frei laufen.
Volmar Schmid: Kleines Walliser Wörterbuch. Gebäude. Verlag Wir Walser, Brig 2003
Stall
Stall, m Stall; vgl. Schiir in der landläufigen Bedeutung, Raum zur Unterbringung von Gross- und Kleinvieh. Zusammensetzungen: Vee-, Geiss-, Gitzi- « Zicken», Hännu- «Hühner», Chüe-, Chalber-, Ross-, Schaaf-, Schwiistall und weiter: Ober- (vgl. Schür), Alp-, Anderhalb- «Stallung bestehend aus dem breiten Kuh- und dem schmalen Kleinviehstall», Löüfstall.


Früher und vor allem im oberen Teil des Oberwallis wurde das gesamte Gebäude aus Holz errichtet; um aber Holz zu sparen, wurden später die Ställe und zum Teil auch noch die Scheunen aus Stein errichtet. Die meisten Ställe wurden in der Mitte durch den Gang in zwei Viehläger geteilt, diese wiederum in Abteile für je zwei Kühe oder einen Ferrich, Chromo, für die Kälber. Die Masse waren sehr bescheiden: für ein Abteil für zwei Kühe rechnete man ca. 2 mal 2 Meter, zudem war die Decke selten höher als 1.80 bis 2 Meter; dies bedingte, dass in diesen Ställen aus Tierschutzgründen heute keine Kühe mehr gehalten werden können, was zur Folge hat, dass viele alte Stallscheunen heute verfallen. Was noch genutzt wird, diente praktisch ausschliesslich der Kleinviehzucht, insbesondere der Schafzucht. Der Stall bestand in den meisten Alphütten aus zwei getrennten Räumen: dem Viehstall, Veestall, für das melkfähige Grossvieh und dem Kleinviehstall, Schmallvee-, Chleiveestall, der für die einzelnen Tiergattungen in verschiedene Abteile, Chromo, unterteilt war: Geiss-, Schaaf-, Schwii-, Hännustall. An vielen Orten trennte man aber ganz streng zwischen Kuh-, Schaf-/Ziegen- und Rinderstall.
Volmar Schmid: Kleines Walliser Wörterbuch. Gebäude. Verlag Wir Walser, Brig 2003

Scheune
Stall, Schiir, Schür, f Scheune, Heuraum; vgl. Hewwschiir; das Heu verdirbt in den Mauern; deshalb sind die Scheunen (das obere Stockwerk des Gebäudes) ursprünglich im Blockbau, später im Ständerbau errichtet.

Um Holz zu sparen, wurden mit der Zeit die vier Ecken gemauert und dazwischen im Ständerbau Holzwände eingefügt. Oft teilen zwei bis drei Besitzer eine Stallscheune, so dass die Scheune mit Trennwänden in verschiedene Schroote geteilt wurde. In der Alpe wurde normalerweise keine Stallfütterung vorgenommen, doch da es in dieser Höhe praktisch jeden Sommer vorkam, dass Schnee fiel, hatte man extra ein paar Mähwiesen, Meematte, deren Heu man für solche Tage als Futterreserve vorsah. In vielen Alpen wurde im Frühjahr, bevor der Alpweidegang begann, dieses Heu auch zur Fütterung von Kälbern und Rindern verwendet, die dann anschliessend den ganzen Sommer ins Freie auf die Kalberalpe, Chalberalpa, geführt wurden.
Stallbauten in Graubünden
Ein besonderes Merkmal der Wirtschaftsweise der Walser und damit der Stallbauten ist die riesige Anzahl Ställe und Heubargen, die weit verstreut im landwirtschaftlich genutzten Gebiet stehen. Das steile Gelände und die kurze Zeit für die Heuernte erforderte es, das Futter dezentral einzulagern.
Ein besonderes Merkmal der Wirtschaftsweise der Walser und damit der Stallbauten ist die riesige Anzahl Ställe und Heubargen, die weit verstreut im landwirtschaftlich genutzten Gebiet stehen. Das steile Gelände und die kurze Zeit für die Heuernte erforderte es, das Futter dezentral einzulagern.


Die Walser brachten nicht das Futter zum Vieh, sondern zogen mit dem Vieh zum Futter. Sie „stellten“ das Vieh von Stall zu Stall, um das dort eingelagerte Heu auszufüttern. Bedingt durch diese grosse Anzahl Gebäude, die jeder Betrieb zu unterhalten hat und der relativ kleinen Heumenge auf den einzelnen Ställen, ist die Bauweise sehr einfach. Vielfach besteht der Stall nur aus dem Viehstall und dem Heuraum.
Für den Viehstall wurde das Bauholz mit der Breitaxt behauen,während der Heuraum aus Rundholz, wie es im oft nahegelegenen Wald geschlagen werden konnte, „aufgetrölt“ wurde. Auch bei den Stallbauten haben sich in den verschiedenen Talschaften unterschiedliche Bauweisen entwickelt. Vor allem im Rheinwald, Vals und Avers sind das Erdgeschoss und die Ecken des Heuraumes massiv in Natursteinmauerwerk gebaut und das Dach mit Steinplatten eingedeckt.


Heute wird das Futter vorwiegend in grossen, zentralen Ställen ausgefüttert. Dabei wird darauf geachtet, dass sich diese Ställe so harmonisch wie möglich ins Landschaftsbild und die Umgebung mit Wohnhäusern und alten Ställen einfügen.


HIer eine Heubarge (Härdstall) im Safiental. So sehen sie vielerorts in den Walsergebieten Graubündens aus. Sie dienen z.T. auch der temporären Einlagerung von Heu, welches im Winter über den Schnee zu Tal befördert wird (Heuzug).
Um Holz zu sparen, wurden mit der Zeit die vier Ecken gemauert und dazwischen im Ständerbau Holzwände eingefügt. Oft teilen zwei bis drei Besitzer eine Stallscheune, so dass die Scheune mit Trennwänden in verschiedene Schroote geteilt wurde. In der Alpe wurde normalerweise keine Stallfütterung vorgenommen, doch da es in dieser Höhe praktisch jeden Sommer vorkam, dass Schnee fiel, hatte man extra ein paar Mähwiesen, Meematte, deren Heu man für solche Tage als Futterreserve vorsah. In vielen Alpen wurde im Frühjahr, bevor der Alpweidegang begann, dieses Heu auch zur Fütterung von Kälbern und Rindern verwendet, die dann anschliessend den ganzen Sommer ins Freie auf die Kalberalpe, Chalberalpa, geführt wurden.
Wohnhäuser der Bündner Walser
Wenn man die von der Sonne braun gebrannten Wohnhäuser in den Walsergebieten Graubündens betrachtet, fallen einem viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede auf, die sich im Laufe der Jahrhunderte in den einzelnen Talschaften entwickelt. haben.
Die Walserhäuser in Graubünden sind fast durchwegs aus Holz gebaut. Es gibt aber auch Ausnahmen, wie das das Dorf Hinterrhein mit seinen mächtigen Steinhäusern zeigt. Die Palette reicht von den Holzhäusern, bei denen sogar das Kellergeschoss teils aus Holz gezimmert ist bis zu Kombinationen mit einem wesentlichen Anteil Mauerwerk.

Haus Graubünden

skizze Haus

Skizze Haus Graubünden

Alpgebäude und Einzelsennerei
Die Alpgebäude in den Walsergebieten Graubündens sind geprägt durch die Einzelsennerei. Die Walser besorgten auch auf der Alp ihr Vieh selber und jede Bauernfamilile stellte in ihrer Hütte Käse, Butter und Zieger her.
Stark zu dieser Bewirtschaftungsweise beigetragen hat sicher auch, dass die Walsersiedlungen sehr hoch liegen, vielfach dort, wo in den anderen Talschaften nur noch Maiensässe sind und deshalb die Distanz zur Alp nicht allzu lang ist.

Alpe
Alphüttendörfchen mit Einzelsennereien

Alpenhütte Graubünden
Obwohl das Vieh vielfach gemeinsam auf den Alpweiden gehalten wurde, hatte jeder Bauernbetrieb in der Alp eine Hütte zum Käsen, einen Wohnraum zum Übernachten und einen Stall für das Vieh. Dies führte zu einer riesigen Anzahl Alpgebäude, wobei sich auch hier unterschiedliche Formen entwickelten. Teils wurden Hütte,Stall und „Stupli“ unter einem Dach zusammengefasst, anderswo sind alle drei Gebäude getrennt.Am Zaun zwischen den Wiesen und der Alp stehen die Alpgebäude in Reih und Glied
Es darf davon ausgegangen werden, dass sich aus diesen einfachen Gebäuden später das Wohnhaus entwickelt hat. Heute sind auch die Walsertalschaften vielfach zur genossenschaftlichen Alpung übergegangen.

Spiicher in Graubünden
Für das Oberwallis sind die Spiicher mit dem Mäuseplatten charakteristisch.
Solche Spiicher finden wir in Graubünden vor allem in Davos Monstein, allerdings ohne Steinplatten. In Safien sind die „Huusspiicher“ verbreitet, die ebenfalls stark an die Speicher im Wallis erinnern.

Speicher in Graubünden
Bord-Spiicher in Davos Monstein

Der Walser Stall im Kleinen Walsertal
Der Bau von Ställen im Kleinen Walsertal reicht nach dendrochronologischen Untersuchungen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Allerdings konnte lediglich ein Balken eines Stalles mit dem Fälldatum 1389 datiert werden. Beim Bau eines Stalles wurden zunächst sechs oder sieben Lagen mit der Axt vierkant behauene Balken (Ringe) auf die Grundmauer gesetzt. Der Platz für die Stalltür wurde mit eingeplant, wobei der unterste Balken, der Schwellbalken, zugleich Schwelle der Stalltür ist.
Über der Stalltür liegt der Türsturzbalken, der meist die gesamte Breite der Stallfront überspannt. Die Blockbauweise nennt man Stricken, wobei die Eckverkämmung als Kopfstrick bezeichnet w i rd. Die Balken wurden mit Holzzapfen verbunden, was dem gesamten Baukörper einen außerordentlichen Halt gab. Um eine hohe Isolation zu erreichen, verstopfte man die Zwischenräume der Balken mit Moos und dichtete die Fugen mit Holzlatten oder Mörtel ab. Der Kuhstall (Chuazemmer) wurde mit einer Decke von aus dem Baum gespaltenen langen Dielen (Flecka) eingedeckt (Dippelbooda). Für den Heustall wurden über schräg angelehnte Stämme an langen Seilen Rundhölzer auf die nötige Höhe gerollt (uufdröölt). Über dem Kuhstall entstanden sieben oder neun Balkenlagen (Ringe). In der bergseitigen Rückwand blieb mittig ein Platz für ein zweiflügeliges Stalltor frei.
Das Dach zimmerte man aus sechs Pfetten (Fürschta) und vierundzwanzig Rafen. Unter dem First liegen zwei paarig gelegte Firstpfetten (Giibelfürschta). Eine zentrale Firstpfette hätte nur einen schlechten Dachschluss der beiden Dachhälften erlaubt. Das Dach wurde mit Legschindeln (Schwaarschendla) gedeckt. Sie wurden mit Stangen (Schwaarschtanga) und Steinbrocken (Schwaarschtei) beschwert und gesichert.
Heute haben häufig unansehnliche Blechdächer die Schwaardächer abgelöst.
Das Walserhaus entsprach zu den Kolonisationszeiten nur einfachsten Wohnverhältnissen. Die mit rohen Baumstämmen "uufdröölta", gestrickten Häuser waren mit Schwarschindeldächern bedeckt. Die Legschindeln waren mit großen Steinen beschwert. Das Haus war ungefähr sechs Meter breit, ebenso lang und hoch. Die Fugen zwischen den unbehauenen Holzstämmen wurden mit Moos und Mist ausgefüllt, um sich vor Wind und Kälte zu schützen.
Das Haus bestand aus zwei übereinander liegenden Räumen. Der untere diente als Stube und Küche, der obere als Schlafzimmer. Der Schlafraum wurde über eine Leiter oder über in die Balken gedübelte Holzstifte an der Außenseite des Hauses erreicht. Die glaslosen, kleinen Fenster (35 x 35 cm) erfüllten die Räume mit dämmrigem Licht. Die Hennen wurden in der Stube gehalten; sie konnten durch das so genannte Hennenloch aus- und einschlüpfen. Ein Keller wurde von außen erreicht.
Hauptsächlich aus dieser Zeit stammen die älteren, noch bestehenden Walserhäuser. Die Häuser wurden nun nicht mehr mit Rundhölzern, sondern mit behauenen Balken erbaut. In den Schlafraum gelangte man durch eine Luke in der Stubendecke.
Sie fanden in dieser Zeit eine großzügige und praktische Erweiterung. Seitlich wurde die Kammer und die darüberliegende Oberkammer angebaut. Dieser Anbau ist an den Strickbalken, die mit denen des alten Hauses nicht zusammenpassen, erkennbar.Zum größeren Teil wurde das Haus auf der Rückseite ausgebaut. Von der Stube gelangt man direkt ins Vorhuus, von dort auf der einen Seite in die Küche, auf der anderen durch eine niedere Haustür ins Freie uf d Brüüge.
Der rückwärtigste Anbau ist der Holzschopf. Die Kleinwalsertaler kennen den "Roschtel" an der Traufseite, das heutige Eckstüble. Die zwei Stockwerke verbindet eine Treppe im Vorhuus. Die Räume im ersten Stock sind: Oberstube, Oberkammer, Gang und drei Zimmer im Hinterhaus. Der sonnseitigen Traufseite entlang zieht sich der "Tänn", eine Art Balkon. Mit der Verbilligung des Glases konnten die Fenster größer gemacht werden, und das helle Licht der strahlenden Sonne erfüllt heute die früher so düsteren Behausungen. In der Stube steht ein großer Steinofen, der von der Küche aus geheizt werden kann. Gelegentlich findet man ein kleines Loch in der Decke, durch das auch Oberstube und Oberkammer gewärmt werden können. Das braune Holz, die schweren, oft bemalten Türen und Truhen und die geringe Höhe der Stube strahlen eine heimelige Ruhe und Gemütlichkeit aus. Im Kleinen Walsertal sind im Herrgottswinkel in beiden Wandseiten zwei karoförmige Löcher ausgespart. Man nennt sie "Glorialöchle". Sie hüllen die Stubenecke mit dem Kruzifix in dämmrigen Lichtschein.
Ds Huaberhuus
Das Museum in Lech - Das Huberhus wurde im Jahre 1590 in Form eines dreiraumtiefen, 6-zelligen, traufseitig erschlossenen Eckflurhauses mit unterkellerter Stube und Kammer erbaut. Erster urkundlich erwähnter Besitzer ist im Jahre 1780 die Familie Fritz, ab 1830 die Familie Huber.
Zuletzt ist das Haus im Besitz der Brüder Hugo, Emil und Otto Huber. Im Jahre 18. Juli 1984 gelangt das Haus durch die Bemühungen des damaligen Bürgermeisters KomRat Johann Schneider und des damaligen Schuldirektors Herbert Sauerwein in den Besitz der Gemeinde Lech, wobei sich die Gemeinde verpflichtet, dieses Haus als Museum zu nützen. Die Brüder Huber sowie ihre Haushälterin Maria Konzett-Pircher behalten bis zu ihrem Ableben das Wohnrecht im Haus.
In den Jahren 2004 bzw. 2005 restauriert und renoviert die Gemeinde das Gebäude, das seit Jänner 2006 der Öffentlichkeit zugänglich ist. Das Erdgeschoss wurde als so genannter Denkmalhof eingerichtet, während das Obergeschoss für wechselnde Veranstaltungen und Ausstellungen genützt werden kann. Das Museum wird direkt vom Haus aus verwaltet, wobei sich hier auch das historische Archiv der Gemeinde mit einem Benutzerplatz befindet.
Heimet uf m Büel
Das verlassene Walser Heimet uf m Büel auf ca. 1600 m Höhe steht in dominierender Position am Weg von der Alpe Batzen zum Körbersee. Eine dendrochronologische Datierung ergab, dass das Holz für die Kellerdecke 1454 und das für den Hausstock mit Küche, Stube und Kammer (Querflurhaus) 1617 gefällt wurde.
Das Haus uf m Büel ist ein gut erhaltenes Walserhaus mit gesondert stehendem Walser Langstall zum Einstellen von ca. 5 Pferden und 20 Kühen. Besitzer waren 1709 Mathias Jochum. 1808 Joseph Schuller; 1821 Franz Xaver Jochum, 1850 dessen gleichnamiger Sohn, auch der Schuechter genannt. Durch Kauf ging das Anwesen im Juni 1883 an Josef Anton Jochum. Dessen Frau Anna waren danach mit ihren beiden Töchtern die letzten Einwohner auf dem Älpele. Die Töchter gingen bis 1901 noch den gefahrvollen Weg zur Schröckner Schule. Dann verzogen sie nach Schoppernau. Heute wird das Anwaen von der Familie Moosmann in Au-Argenzipfel, vulgo „Brösalar“, zusammen mit den Häusern Nr. 42 und 45 als Alpe bewirtschaftet.
Weitere Urkundenhinweise für den Bereich „Älpele“ betreffen den Streit und Kauf „eines Fahr- und Triebweges der Bregenzerwälder ... durch Älplisberg uf ins Älpilin ... der alten rosstrass ... enent dem bach ... unz uff Gaissbühel ...“ berichtet die OPU VLA v. 30. Jänner 1422. Diese alte Straße ist heute noch am Älpele an ersichtlichen Platten, Steinmauerungen und Radabweisern erhalten geblieben“. Unsensibler Straßenbau bis ins Auenfeld hat in jüngster Zeit (2000/2001) zur Zerstörung dieser über ein halbes Jahrtausend zurück reichenden Landschaftsdenkmäler geführt.
Wanghuus
Freilichtmuseum Lech - Das Wang-Haus stammt in seinem Kern aus dem Jahre 1495, wobei es sich bei diesem Haus um ein einzelliges bzw. zweizelliges Haus ohne Unterkellerung handelt. Im Jahre 1588 wurde es um einen gemauerten Speicherraum erweitert und mit einer offenen Kochlaube und Kaminanlage ausgestattet.
Es handelt sich hier wahrscheinlich um eine Übergangsform: Anstelle der Scheune wird eine „gestrickte“ Stube errichtet, der Rest des Hauses bleibt in der ursprünglichen Form erhalten. 1734 scheint das Gebäude im Häuserverzeichnis erstmals unter der Besitzerin Maria Beiser auf, die das Anwesen trotz exponierter Lage ganzjährig bewohnt. Ab 1825 ist die Heimat nicht mehr ganzjährig bewohnt. Zuletzt ist die Familie Weissenbach aus Warth im Besitz des Gebäudes.
Am 2.10.1995 beschließt die Gemeindevertretung Lech unter Bürgermeister Ludwig Muxel den Kauf des Hauses, 1998 gelangen auch die dazugehörenden, umliegenden Grundstücke in den Besitz der Gemeinde. Das Haus wird restauriert und renovieren und der Öffentlichkeit als Freilichtmuseum zugänglich gemacht.
Das Haus bei den Triesenberger Walsern
Für die Walsersiedlung charakteristisch war früher die Trennung von Haus und Stall. Der Stall stand stets in einiger Entfernung vom Wohngebäude. Dabei bestand kaum Gefahr, dass bei einem Brand die ganze Habe vernichtet wurde.
Die Häuser wurden vorwiegend in Holzbauweise erstellt. Der Kellerstock und gewöhnlich auch der bergwärts gelegene Teil des Hauses, insbesondere der Küchenteil, waren gemauert. Ursprünglich wurden der Häuser wohl allgemein aus Rundholz gebaut. Die Fugen wurden mit Moos verstopft.
Später wurden die Hauswände mit nach der Schnur Schwerzischnuar Behauenen oder gesägten Balken „gestrickt“. Die Eindeckung des Hauses erfolgte mit Holzschindeln.
Erwin Poeschel erwähnt das Haus Nr. 48, das heute unter Denkmalschutz steht und fachgerecht renoviert worden ist, als Typisches Triesenberger Haus. Der Grundriss mit Vorhaus, Küche, Stube und Nebenkammer sowie bergwärts angebautem Schopf entspricht der in Triesenberg früher allgemein üblichen Einteilung. In Triesenberg schauen die Häuser in der Regel mit der Giebelseite gegen das Tal. Der Eingang liegt auf der Südseite. Man kommt zuerst in das Vorhuus. Dieses hat gewöhnllich nur ein kleines Fenster neben der Haustüre. Die Küche Chuchi liegt auf der Nordseite. Die Stube Stuba mit Fenstern gegen Süden und Westen befindet sich also in der sonnigen Südwestecke des Hauses. in der Nordwestecke des Hauses befindet sich die Nebenkammer Chammara. Sie ist mit der Stube durch eine Türe verbunden. Nur die Stube und die Nebenkammer sind unterkellert. Vom Vorhaus führt eine Treppe in den Keller und eine ins Obergeschoss, auf das Brüggli, das ist der freie Raum über dem Vorhaus und über der Küche mit Zugang zu den beiden Zimmern im Obergeschoss, der Vorderdili und der Hinderdili. Darüber liegt der Estrich, die Oberdili.
Haus Nr. 48 steht unter Denkmalschutz und ist heute im Besitz von Anton und Barbara Frommelt-Schädler.
Quelle: David Beck – Haus, Hütte und Stall bei den Walsern am Triesenberg, Bergheimat 1957
Josef Eberle – Walser Heimatmuseum Triesenberg 1994
Der Stall der Trieseberger Bauern
Neben dem Heimstall besassen die Triesenberger Bauern noch viele Stallgüter. Die Stallgüter lieferten jeweils nur für eine beschränkte Zeit Futter, so dass die Bauern mit ihrer Viehhabe wie Nomaden von einem Stall zum andern naahifahra mussten.
Der Bauer ging also mit dem Vieh zum Futter. Heute wird das Futter mit den Transportfahrzeugen zum Heimstall geführt.
Alle Ställe waren von ähnlicher Bauart. Auf einem Steinfundament ruht der Blockbau, nicht abgedichtet, damit die Luft durchstreichen kann und das Heu gut austrocknet. Von der Talseite aus geht die Türe in den Viehstall. An der Aussenwand oder rechts neben der Türe ist eine Bank Michbanch zum Abstellen der Michtanse Chübl. Das Innere des Viehstalls ist bei allen Ställen gleich oder ähnlich.
Die Krippe heisst Barma. Das Heu kommt vom Heustall durch das Rüschlaloch in die Rüschla und wird von hier aus in die Barma verteilt. An Anbau am Stall heisst Pfnilla. Dieser diente als zusätzliches Heu- oder Streuelager.
Die Maiensäss- und Alphütten der Triesenberger
Ursprünglich waren die Hütten im Steg und auf Silum sehr einfach gebaut. Für die frühere Bewirtschaftungsart brauchte der Bauer eine Hütte mit Sennraum und einen Stall. Sennraum und Stall waren immer zusammen unter ein Dach gebaut.
Der Wohnraum heisst Hütta. Der blosse Boden ist nötigenfalls mit Steinen gepflästert. in einer Ecke ist das Füürloch oder das Chessiloch. Am Chessitura häng an der Hel der Kochkessel Fisch-Chessi oder Sennkessel Chäs-Chessi. Ein einfacher Tisch und ein paar Bänke sowie das Senn- und Kochgeschirr bilden die ganze Ausstattung einer solchen Hütta. Im Hinterteil des Raumes, auf gleicher Höhe, ist der Milchkeller. Darüber befindet sich der Schlafraum, zu dem man über eine Leiter gelangt. In der Höhe des Schlafraums führt eine Türe auf den Heustall.
Das Haus
Beschreibung eines Hauses in Vallorcine.
Die Fassade richtet sich nach Osten und das Haus lehnt sich an den Hang,
sodass man direkt an der Rückseite die Scheune betreten kann. Die Eingänge sind vorne auf der Talseite. Links ist die Eingangstür zur Diele, die in die Küche führt, wo man durch eine Falltür in den Keller kann. Von der Küche gelangt man auch in die Stube, welche „pèle“ genannt wird (der Name „pèle“ kommt von einem Steinofen, dessen Steine aus einem Steinbruch im Baniental im Wallis kamen). In die Deckenbalken der Stube sind religiöse Zeichen eingraviert, ebenso wie Baujahr und Name der Erbauer des Hauses.
Von der Küche gelangt man auch in den Stall, in dem Kühe, Ziegen und Schweine leben. Im ersten Stock gibt es Heu für den Winter und ein oder zwei kleine Zimmer (tsambron).
Landwirtschaftliche Gebäude
Der „regat“ (Kornspeicher) und der Heustall sind in der Nähe des Wohnhauses, aber trotzdem weit genug entfernt, um das Haus bei einem Feuer nicht in Gefahr zu bringen.
Der „regat“ (raccard: Kornspeicher): Am Ende des Sommers wurden die Korngarben, die im Winter gedroschen wurden, angehäuft. Im Freien wurden Hanf und Lein auf waagrechten Stangen in der Sonne zum Trocknen aufgehängt.
Sehr wenige davon stehen heute noch im Originalzustand in Vallorcine. Sie stellen jedoch einen großen Teil des kulturellen Erbes dar, da sie in Frankreich nur hier zu finden sind (abgesehen von einem im Sixttal). Zwei französiche Organisationen („La Drac“ und „Le CAUE“) haben 2004 eine Studie über die traditionelle Bauweise der Bergbauernhöfe der Hochsavoyen begonnen. Ziel der Studie ist es, dieses architektonische Erbe zu bewahren.
Die Kornspeicher aus dicken Lärchenbalken stehen auf großen Stützen (grays), die von flachen Steinplatten gekrönt sind, sodass die Ratten nicht hinein können.
Der Speicher
Im Inneren konnte man, da es gegen Nager und Feuer geschützt war, Korn, Samen, gesalzenes oder geräuchertes Fleisch, Mehl, Sonntagskleider und wichtige notarielle Dokumente aufbewahren.
Vorsäß, Alpe
Vorübergehender Lebensraum des Viehs.
Das Vieh wurde nach dem Winter auf das Vorsäss (”mayens”) getrieben, wo es blieb, bis man auf die Alpe zog. Nach dem Ende der Alpzeit im Spätsommer kam man wieder dorthin zurück, um von dort ins Tal zu ziehen.
(Etymologie von ”mayen”: Abgeleitet von dem Monatsnamen Mai)
Diese Ställe waren aus Stein und Holz gebaut und standen einzeln oder gruppiert. Im Inneren gab es einen Heuboden manchmal eine Kammer.
Geschichte: Hauptsächlich weideten hier Ziegen (anfangs diejenigen aus dem oberen Teil des Tales und später alle). Die Nutzung dieser Ställe hat sich mit der Zeit verändert. Es gab eine Gemeindschaftsverwaltung. Die Ziegen waren zu Herden zusammengeschlossen und wurden von Junghirten gehütet (oft Kinder unter zehn Jahren aus Isérables, aus Litroz und aus Des Jeurs, Schweiz). Die Gemeinde Vallorcine hat diese gemeinschaftliche Aufsicht 1816 durchgesetzt. In La Poya und in Montet hatten die Ställe ein Zimmer, in dem vorübergehend ein Familienmitglied wohnte und das Vieh hütete und melkte. Andernfalls musste man zweimal am Tag dorthin gehen, um die Tiere zu melken. 1893 wurde eine Milchgesellschaft gegründet und eine Molkerei gebaut. Jedes Mitglied machte einmal mit der Milchproduktion des Tages Käse. Dabei wurde täglich abgewechselt.
Heute sind die Ställe mehr oder weniger restauriert und werden als Zweitwohnsitz genutzt. Einer ist ganzjährig bewohnt.
Puròhus in Aosta
Es gibt zwei typische Bauarten: stadel und puròhus (Stadel und Bauernhaus).
In Issime ist die typische Bauweise die des stoadal. Exemplare davon gibt es heute noch viele auf den Almen aber nur noch wenige in der Ebene.
Das puròhus (Bauernhaus) wurde im Erdgeschoss als Stall für das Vieh (gade) und als Wohnraum (wongade) für die Familie genutzt; im ersten Stock lagen die Schlafzimmer. Als Wongade bezeichnet man jenen Teil des Hauses, der vom Stall nur durch einen Zaun, eine Holzwand oder eine ähnliche Konstruktion getrennt wurde, sodass sich die Personen durch die Tiere wärmen konnten.
Stadel in Aosta
Der Stadel ist eine typische Konstruktion, unterlegt mit Stützen aus Stein und Holz in Pilzform, auf denen dicke Balken überkreuzt aufliegen (wie bei der Technik des Blockbaus); ursprünglich dienten sie zur Aufbewahrung von Viehfutter und anderen Vorräten.
In Issime finden sich ebenso die stoadla, die fast identisch mit den Stadeln in Gressoney sind
Alpen in Aosta
Auf den Almen befinden sich Wohngebäude und Ställe (die hier gavene genannt werden). Sie sind jenen im Talgrund sehr ähnlich, neben denen oft kleine Steinkeller (chärra) liegen, die dazu dienen, Butter, Käse und andere Produkte der Alm aufzubewahren.
Auf den Almen von Issime finden sich die Hütten (stoadla), die aus einem einzigen Stück bestehen: die untere Hälfte aus Stein und die obere aus Holz. Sie beherbergten die Heudiele (di dilli) und die Stube (stubbu) im Holzteil; ein Zimmer (dan piellje), die Küche (z’hous) und den Stall (dan goade) im steineren Abschnitt. An geschützten Orten, frisch und im Schatten, sehr oft im Schutz großer Felsblöcke wurden die Keller für Milch und Käse angelegt.
Gressoney und Issime heute
Der Wohlstand, zu dem viele Gressoneyer dank ihrer Handelstätigkeit in der Schweiz und Süddeutschland kamen, drückte sich in der Epoche des 19. Jahrhunderts in neuen Bauten aus.
Er wurden auch Bauweisen und Architekturstile importiert, die im Ausland üblich waren. Die Wohnhäuser des Züchters und Bauern veränderten sich trotz eines gewissen Traditionalismus nirgendwo anders dermaßen stark. In diesen Jahren bildete sich außerdem vor allem um den Kreis der Königin Margherita eine Elite aus, was zu neuen Ausschmückungen im Häuserbau führte.
Beispiele an Konstruktionen dieser Zeit sind:
- in Gressoney-Saint-Jean: Villa Margherita, Villa Borgogna und Villa De La Pierre
- in Gressoney-La-Trinité: Villa Ponti, Villa Elena und das Hotel Busca Thedy
- in Issime gibt es keine Beipiele für diesen Baustil.
Pomatt Wohnhäuser und Ställe
Wohnhäuser bestehen aus einem Stein-Unterbau bis zum Hochparterre.
Der Wohnbereich besteht aus einem „concasso“ in Holz-Gebälk, und der Schlafbereich ist immer aus Holz.
Sowohl auf dem Hochparterre als auch am ersten Stockwerk befinden sich die Küche und der Vorratsraum (möglicherweise im Richtung Nord), sie sind aus rohem Stein und haben eine Versiegelung im Kalk.
Die Abdeckung: Es gibt zwei Bauweise.
a) Die Abdeckung kann aus Stein gebaut werden. In diesem Fall hat sie eine Neigung und eine Dicke, die von 70% und 90% ändern kann. Das hängt von der Dicke der Platten ab, die man in der Nähe finden kann.
b) Die Abdeckung kann mit Tafel aus Lärchen verwirklicht werden. (wo es möglich ist)
Es gibt drei Bauweise:
1) Einfamilienhäuser:
zwei Zimmer, die am meistens als Keller verwendet werden
zwei Zimmer im Hochparterre für die Küche und das Wohnzimmer
zwei oben liegende Zimmer
die Dimension des Grundrisses = 5,00 m x 8,00 m2 = 40 m2
2) Einfamilienhäuser mit größerem Fassungsvermögen:
drei Kellerzimmer
Seminterrato
Seminterrato
drei Zimmer im Hochparterre (ein Wohnzimmer, daneben ein kleines Schlafzimmer und eine weitere und größere Küche)
drei Zimmer in dem ersten Stockwerk (Schlafbereich und Lager)
3) Zweifamilienhäuser:
Sie sind änhlich der ersten Bauweise (Einfamilienhäuser). Sie bestehen aus zwei Einfamilienhäuser, die nebeneinander gestellt sind, und haben zwei unabhängige Seiteneingänge. (Die Dimensionen des Grundrisses: 10,00 x 10,00 = 100 m2).
4) Ställe:
Sie sind Bauwerke im Stein, die sich im Erdgeschoss befinden. Sie haben einen oben liegenden Heuschober mit einer Gebälke aus Holz. Sie liegen normalerweise im Zentrum des Dorfes, aber sie sind von den Wohngebäuden getrennt.
Innerhalb des Gebäudes befinden sich zwei Seiten Futterkrippe und einen zentralen Gang. An den Seiten des Ganges stehen Kanalen aus Lärchen, um die Exkremente zu sammeln und zu putzen.
Die Dimensionen sind ungefähr: 6/7 x 8/10 = 48/70 m2.
Stalla e Fienile
Stalla e Fienile
5) Alpgebäude:
(Wie zum Beispiel Käsereien)
Es handelt sich um kleine Bauwerke aus getrokneter Mauer. Sie haben ein einziges Stockwerk mit einem Holzboden in dem Dachboden, der als Schlafgelegenheit (Bett) für Schäfer und Käser dient.
In einer Ecke dieses Gebäudes befindet sich eine Feuerstelle, die für die Herstellung des Käses und für die Zubereitung des Essens dient.
Original Text: Dott. Arch. Umberto della Ferrera
Üebersetzung: Federica Antonietti Sprach-Büro Walser Formazza/Pomatt
Gibt es eine gemeinsame Art zu siedeln? Die Romanen siedeln grundsätzlich auf engem Raum in geschlossenen Weilern und Dörfern. Die Germanen bevorzugen die lockere Siedlungsanlage, die Streusiedlung. Wo dies wegen der Gefahren durch Lawinen, Muren, Wildwasser oder Tobel ungünstig war, bauten die Walser auch geschlossene Siedlungen.
Diese Tendenz findet sich bei den Südwalsern, im Rheinwald, in Vals und im Avers. Die anderen Walser Siedlungsgebiete sind Streusiedlungen. Jede Familie baute auf ihrem Gut das Wohnhaus mit dem Hausstall (Paarhof), den Weidställen und Scheunen. Im Laufe der Jahrhunderte sind viele hoch gelegene ganzjährig bewohnte Höfe verlassen worden und werden als Maisäße oder Alphütten genutzt. Sie zogen in den Bereich um die Kirche (z.B. Nufenen im Rheinwald). Auch wegen des starken Wachstums der Bevölkerung und wegen infrastruktureller Notwendigkeiten entstanden Ortskerne.
Ulrichen im Goms (Oberwallis)
Im Wallis selbst sind Haufendörfer typisch. Dort zwingt nicht einmal das Gelände zur geschlossenen Siedlungsweise. Arbeits- und Erwerbsverhältnisse mögen ausschlaggebend gewesen sein.
Streusiedlung oder die geschlossene Siedlungsweise sind unter den Walsern gleichermaßen verteilt. Beides kommt auch in anderen alpinen Regionen vor. Allerdings werden die Streusiedlung und der Paarhof – im Gegensatz zum alemannischen Einhof (Wohn- und Wirtschaftsgebäude unter einem Dach) - im östlichen Graubünden, in Liechtenstein und in Vorarlberg den Walsern zugeschrieben.
Die Belehnung von hoch gelegenen Weidegründen erfolgte meistens an größere Siedlergruppen und nicht an einzelne. Das Land wurde dann unter die Familien aufgeteilt, die aus wirtschaftlichen Gründen mitten auf dem zugewiesenen Stückchen Erde ihre Höfe errichteten. Da der spärliche Ertrag der kargen Gebirgsweiden eine große Fläche zur Bewirtschaftung voraussetzte, lagen die Wohnstätten oft weit voneinander entfernt.
Das ist der wirtschaftliche und der geschichtliche Grund der charakteristischen Walser Streusiedlung. Durchs ganze Große Walsertal ziehen sich diese Einzelhöfe vom sonnigen Thüringerberg bis nach Buchboden. Das Wohnhaus ist von den Wirtschaftsgebäuden getrennt. Die oft weit entfernt liegenden Heuwiesen bedingen die Errichtung entlegener Heubargen, die oft mit Ställen gekoppelt sind und dem Bauern den weiten Weg zur Einbringung des Heus ersparen. Auch im Kleinen Walsertal, besonders in Hirschegg, sind die typischen Merkmale der Streusiedlung deutlich erkennbar. Kirche, Schulhaus, Pfarrhaus und einst auch das einzige Wirtshaus im Ort bilden den Mittelpunkt des Walserdorfes.
Der zunehmende Trend zum Bauen um den Dorfmittelpunkt macht sich besonders in einschlägigen Fremdenverkehrsorten bemerkbar. Die Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse bringt auch eine Veränderung des Dorfbildes mit sich.
Zuerst wurden in den Tälern waldfreie Gebiete besiedelt. Als diese nicht mehr ausreichten, begannen die Walser "systematisch“ den Wald zu roden. Der Wald, der damals nicht als Gut, sondern eher als Feind des Menschen galt, schmolz vielfach zu schmalen Bannwaldstreifen zusammen.
Hirschegg ca. 100 Jahre später
Mancherorts wurde die Rodung soweit vorangetrieben, dass die Ansiedlungen vor Lawinen und Vermurungen nicht mehr genug geschützt waren, zerstört wurden oder aufgegeben werden mussten. Die Folgen, die sich in den schrecklichen Lawinenkatastrophen von 1689 und 1954 zeigten, waren damals nicht vorauszusehen. Die häufigen Geländenamen Rüti, Schwende, Gschwend (reuten, schwenden) erinnern an die Rodungstätigkeit der Walser.
Höhenlage
Vielerorts erhielten die Walser nur Rodungsgebiet zwischen 1400 und 2000 Meter über dem Meer. Die nachstehende Tabelle kann uns das belegen.
Gressoney 1300-1700
Calfeisental1300-1800
Alagna 1200-1700
Simpeln 1400-1700
Pomatt 900-1800
Triesenberg 800-1600
Bosco Gurin1400-1700
Damüls 1300-1700
Hochkrumbach 1600-1700
Mittelberg 1000-1250
Lauterbrunnental 1100-1800
Planalp 1400-1800
Tavetsch 1600-1900
Arosa 1700-1900
Rheinwald 1500-1650
Vals 1300-1800
Davos 1400-1800
Sappün 1700-1800
Avers 1900-2100
Schlappin1600-1700
Die Alpdörfer in Vorarlberg
Die Eigenart der Walser Siedlungsweise findet man nicht nur in den Dörfern, sondern auch in den Maisäßen und Alpen. Die einsamen Gebiete der Maisäße weisen gleich wie die Dörfer Streusiedlungscharakter auf.
Über der Waldgrenze, besonders im Montafon und Großen Walsertal, trifft man in Senken und Mulden auf braungebrannte Holzhäuser, Einzelsennereien und Ställe, die eng aneinandergeschmiedet, anscheinend wahllos durcheinander gewürfelt, die Form eines Haufendorfes offenbaren. Den Mittelpunkt des Alpdorfes bildet dort die Sennhütte.
Die unrentable Wirtschaftsform der Einzelsennereien wurde inzwischen größtenteils aufgegeben. Auf den Alpweiden scheidet die Heuwirtschaft im Wesentlichen aus. An Stelle der Heuwirtschaft tritt die Weidewirtschaft, an Stelle der Einzelsiedlung das Dorf. Diese Alpdörfer entstanden nur in walserischen Siedlungsräumen. Im übrigen Vorarlberg stößt man durchwegs auf kollektive Gemeinde- oder Genossenschaftsalpen, denen die individualistische Arbeitsweise der Walser fremd ist.

Die Alpdörfer in Vorarlberg
Alpdörfer in Vorarlberg (Quelle: Karl Ilg, Die Walser, 1. Teil)
Siedlungsweise am Triesenberg früher und heute
Triesenberg war früher eine ausgeprägt Weilersiedlung mit Weilern wie Üenaboda (Dorfmittelpunkt mit Pfarrkirche), Wangerbärg, Steindord, Lavadina, Litzi, Rotaboda, Fromahus.
Durch die rege Bautätigkeit in den letzten Jahren sind die Dorfteile immer mehr zusammengewachsen. Seit der Melioration in den 60-er Jahren setzte eine starke Zersiedelung ein. Über das ganze Gemeindegebiet verteilt waren hingegen die Stallgüter. Im Winter wurde mit dem Vieh von Stall zu Stall gezogen, um das im Sommer eingebrachte Heu zu verfüttern.Typisch für die Siedlungsart in Triesenberg war in der Regel die Trennung von Haus und Stall.

Lavadina
Lavadina - ein typischer Triesenberger Weiler
Flugaufnahme des rheintalseitigen Dorfgebietes. Die Dorfteile wachsen immer mehr zusammen. Die im 13. Jahrhundert eingewanderten Walser siedelten sich zuerst in den oberen Regionen (Masescha, Guflina, Gnalp, Rizlina usw. an. Erst im Verlauf der Jahrhunderte fand eine Umsiedlung ins heutige Wohngebiet statt.
Walser Streusiedlungen in Graubünden
Als die Walser im 13./14. Jahrhundert in ihrer neuen Heimat ankamen, waren die gut bebaubaren Flächen von alteingesessenen Bewohnern, mehrheitlich Romanen, bereits besetzt. So blieben ihnen meist nur die unwirtlichen Gebirgsgegenden, die oft über 1500 m, im Avers sogar über 2000 m Meereshöhe lagen.
Hier gab es nur wenig ebenen Boden, der sich für die Anlage eines Dorfes geeignet hätte. Da man in dieser Höhenlage zudem einen grossen Umschwung benötigte, um das notwendige Futter zu sammeln, waren die Walser gezwungen, ihre Hofsiedlungen weit verstreut voneinander aufzubauen. Die durch tiefe Tobel getrennten Geländekammern haben zusätzlich zur Bildung von Streusiedlungen beigetragen.


Die Walsersiedlungen in Graubünden sind deshalb vorwiegend Streusiedlungen. Besonders ausgeprägt ist dies auch heute noch im Avers, in Obersaxen, in Safien und Tenna, Furna, Valzeina, Davos-Unterschnitt und Langwies zu sehen. Allein Obersaxen hat heute noch 29 grössere und kleinere Hofsiedlungen und Weiler. Auch Walsersiedlungen wie Vals oder Nufenen, die sich heute als Dorf präsentieren, waren früher Streusiedlungen. Als Zentrum blieb oft nur die Kirche mit dem Pfarrhaus. Es ist der „Platz“, der sich in einer ganzen Reihe von Walsersiedlungen in Graubünden vorfindet. (Davos, St-. Antönien, Vals, Klosters, Safien)
(Bilder: Streusiedlung im Safiental)
Am Beispiel des Dorfes Mühlebach kann die Siedlungsweise im Wallis veranschaulicht werden. Die Ortschaft mit dem ältesten kompakten Dorfteil in Holzbauweise der Schweiz. Eine im Jahr 2002 abgeschlossene, vom schweizerischen Nationalfonds und der Walliser Bauernhausforschung finanzierte, wissenschaftliche Studie zur Erforschung von Holzbauten hat zu Aufsehen erregenden Resultaten geführt. Anhand von Jahrringanalysen (Dendrochronologie) konnten zwölf sehr alte Häuser, sogenannte Heidehischer, in die Zeit zwischen 1381 und 1497 datiert werden.
Darunter das Geburtshaus von Kardinal Matthäus Schiner und als ältestes Gebäude ein Speicher im Dorfkern.Dank dem Glück, über die Jahrhunderte von Feuer und anderen Katastrophen verschont geblieben zu sein, verfügt Mühlebach damit über den ältesten Dorfkern in Holzbauweise der Schweiz.Mühlebach soll deshalb aber nicht zum Musterdorf verkommen. Häuser und Gebäude sollen wie bis anhin bewohnt und genutzt werden. In Zusammenarbeit mit dem Architekten und Architekturhistoriker, Dr. Roland Flückiger aus Mühlebach/Bern konnte die Gemeindeverwaltung die vorliegende Informationsschrift mit Dorfplan zusammenstellen.Der auf dem Dorfplan eingezeichnete „Rote Faden“ führt Sie an den sehenswerten Häusern vorbei. An den Gebäuden sind Bronze-Tafeln angebracht, um Ihnen die Orientierung zu erleichtern. Zu jedem Gebäude finden Sie eine kurze Beschreibung mit weiteren Hinweisen. Jedes Haus, jeder Stadel und jeder Speicher hat seine eigene Geschichte. Die Einwohner von Mühlebach wünschen Ihnen viel Freude beim Rundgang durch das Dorf und Momente, in denen Sie spüren, wie sich das Dorf in den vergangenen, mehr als 500 Jahren verändert, angepasst und entwickelt hat.

Besiedelung durch die Walser in Bosco Gurin
Der Schwerpunkt der ersten, im Hochmittelalter gegründeten Siedlung befand sich in der Talsohle ufum Hengåårt (wo heute noch das Museum steht) und im Boda jenseits des Baches.
Verheerende Lawinenniedergänge 1695 und 1749 zwangen die Guriner zur Aufgabe dieses Siedlungsplatzes. Die Gevierte der abgegangenen Häuser sind aus der Luft gesehen noch immer deutlich zu erkennen.
Die neuen, nun meist aus Stein gebauten Häuser wurden auf den vor Lawinen sicheren, aus dem Schutt einer Gletschermoräne gebildeten Hügel gesetzt, auf dem schon seit 1253 die Kirche steht. Im Boda unten blieben die Ställe, die einen eigenen kleinen Ortsteil bildeten, bis auch sie 1925 von einer Lawine vollständig zerstört wurden. An ihrer Stelle baute man die für Bosco Gurin charakteristische Stallreihe, die bergseits durch einen Lawinenkeil gesichert wurde.
Die Bevölkerung erreichte um 1858 mit 420 Einwohnern ihren Höchststand. Seither ist sie stark zurückgegangen. Der grössere Teil der Gebäude dient nun als Ferienhäuser. Strenge Bauvorschriften wollen (mit wechselndem Erfolg) den Charakter des alten Walserdorfes bewahren.

La Teppe
Da es in Vallorcine keine Zugtiere gab, wurde die Erde nur vom Bauern selbst bearbeitet.
Für ein abfallendes Feld muss man "la teppe" machen, damit sich die Erde nicht im Lauf der Jahre am unteren Ende ansammelt.
Man begann mit der Markierung der Feldränder, anschließend trennte man die Klumpen (teppons) am untersten Teil mit der delabre und hebt sie mit dem soulévieu auf. Nachdem man den Rückentragekorb (brête) auf einen Dreifuß gelegt hatte, um ihn anschließelnd auf die Schultern zu heben, legte man hierauf die "teppons" und brachte sie an den oberen Feldrand. Anschließend trennte man je nach Gefälle zwei bis drei Erdstreifen, etwa 60-80 cm breit. Wenn die ersten Streifen transportiert worden waren, nahm man den nächsten mit dem soulévieu auf, mit der flachen Seite der delabre dreht er sich von selbst wie eine Rolle. Der Streifen wurde also umgedreht und mit der Spitzhacke (pioche) zerhackt. So verfuhr man bis zum oberen Feldrand.


Die Heubündel
Eine Technik zum Heutransport
Um ein Heubündel zu machen, brauchte man zwei sogenannte „truyes“, die im oberen Teil des Feldes in die Erde gesteckt wurden. Am Ende jeder „truye“ wurde ein Seil festgebunden. Auf dieses Seil legte man acht große Armvoll Heu und zog es dann mit dem Ende des Seils zu einem Bündel zusammen. Das Bündel, das ungefähr 60 Kilo wog, wurde mit Hilfe eines zweiten Mannes auf den Nacken, der mit einem kleinen Leintuch geschützt wurde, gehoben. So wurde es zum Stall getragen, der manchmal bis zu einer halben Stunde entfernt war.


Les murgiers, les vanets
Wie man ein Grundstück urbar machte
Les murgiers:
In jedem Winter rollten mit den Lawinen Steine auf die Felder. Sie wurden eingesammelt und am Feldrand zu Mauern gestapelt.

Les vanets:
Eine beschotterte Terrasse zur Vergrößerung landwirtschaftlicher Grundstücke.
Siedlungsweise Aosta
Die Vorfahren der Walser, die ihre Siedlungen im Wallis verließen, um sich auf der italienischen Seite des Monte Rosa niederzulassen, gründeten kleine Streusiedlungen.
Die Walser waren wahrscheinlich noch stärker als ihre Ahnen in der Urheimat der unbarmherzigen Natur: Kälte, Sturm, Schnee und Lawinen im Winter, Trockenheit und Dürre oder anderer Unbill im Sommer ausgeliefert. Es brauchte zweifelsohne Menschen, die dieser Herausforderung Stand halten konnten. Der Glaube der Ahnen, wie sie ihn in der Urheimat gekannt und praktiziert hatten, gab ihnen wohl die feste Stütze und die Sicherheit.
Der erste Redaktor von «Wir Walser», Ernst Schmidt, schrieb sehr treffend zu einer solchen Geisteshaltung: «Wenn die alten Griechen in grösseren Gruppen in fremde Länder zogen, um dort Kolonien zu gründen, nahmen sie als Symbol des moralischen Zusammenhanges mit der Stammheimat aus dem Rathaus der Mutterstadt einen Feuerbrand mit, an dem sie das Herdfeuer der Kolonie entzündeten. Und nie vergassen sie, die Penaten mitzunehmen, ihre Hausgötter, die sie auch in der neuen Heimat als treue Beschützer verehren wollten».
Diese gleiche Grundhaltung zu ihrem Ursprungsland mag die Walser beseelt haben, wenn sie mit dem Wallis geistig und religiös in Verbindung blieben.
Im Urbild des hl. Theodul haben die Walser vorerst eine bleibende Identifikationsfigur in einer einprägsamen, anschaulichen Form gefunden. Weitere verehrte Heilige sind der hl. Nikolaus oder der hl. Mauritius. Die Basilika der Märtyrer der Thebäischen Legion in St. Maurice übt bis heute ihren Einfluss aus.
Konkreter und individueller blieben die Kontakte mit der Urheimat in Erinnerung bei Wallfahrten. Sie nahmen oft mehrere Tage in Anspruch und waren mit bemerkenswerten körperlichen Strapazen verbunden. Die Pilgerfahrt konnte als Einlösung eines Versprechens, eines Gelübdes, als Danksagung für erhaltene Gunst geschehen oder aus allgemein religiös oder traditionell bedingten Beweggründen heraus.
Solche Überlegungen sollen andeutungsweise in einigen feststellbaren Beziehungen zwischen dem Wallis und Oberitalien dargelegt werden. Zurück in die Urheimat zur Muttergottes zog es jahrhundertelang die Bewohner von Ornavasso nach Glis. Dass die Pilger bei dieser Gelegenheit auch die Ursprungsgemeinde Naters besuchten, ist naheliegend. Am 8. September feiert die Pfarrei Saas-Fee ihr Kapellenfest zur Hohen Stiege. Noch bis in unsere Tage nehmen daran Delegationen oder Einzelpersonen aus Macugnaga teil. Nach dem 2. Weltkriege war die Teilnehmerzahl besonders gross. Die Bewohner aus dem Pomatt zogen auf ihrer anspruchsvollen und eine Woche dauernden Wallfahrt vorerst nach Münster, wo sie meist auch Verwandte trafen. Noch weiter und strenger war die Herausforderung für die Bewohner von Bosco-Gurin, die sich oft mit jenen aus dem Pomatt vereinigten. Sie hatten noch eine zusätzliche Anstrengung über die steile Guriner Furka zu leisten. Die Wallfahrer kamen meist im Juni. Sie besuchten zuerst die Kapelle Heiligkreuz im Binntal, zogen talabwärts zur Wallfahrtskapelle Zen Hohen Flühen bei Mörel und erreichten dann die erste grosse Kirche, jene von Glis. Nach weiteren Tagen grüssten endlich die Hügel von Sitten und die Kathedralen in der Stadt und auf Valeria.
Nicht nur zur Urheimat fanden Kontakte statt. Intensiv waren sie auch unter den Walsern. Die Kirchen, Kapellen und Altäre in den Walserorten sind oft mit «Walliserheiligen» geschmückt und Reliquien aus den Kirchen von Sitten waren begehrte Zeichen der religiösen Verbundenheit mit der Urheimat. Die entfernteren Walserorte ihrerseits bevorzugten aus praktischen Gründen meist Walser Gotteshäuser, die ebenfalls die Aufgabe von Wallfahrtsorten übernommen haben. So pilgerten Walser bis ins 18. Jahrhundert zum Theodul nach Davos. In Graubünden erinnert die Gemeindeordnung von Obersaxen noch im Jahre 1730 an die Ahnen aus dem Wallis und erklärt die Tage von St. Joder und St. Anton als Feiertage, und die Wallfahrt zum heiligen Theodul aus Vorarlberg nach Sitten blieb bis ins 18. Jahrhundert lebendig.
(Text nach Inhalten von Josef Gunter aus: Die Walser, ein Arbeitsheft für Schulen, Verlag Wir Walser, 3. Auflage, 1998)
Die Reformation in Graubünden
Die Walser sind doch katholisch! Die Walser sind doch katholisch! Wo immer über den Glauben der Walliser Auswanderer und ihrer Nachfahren geschrieben oder gesprochen wird, begegnet man häufig der Auffassung: Die Walser sind doch katholisch. Für den weitaus grösseren Teil der Bevölkerung in den ehemaligen Siedlungsgebieten der Walser trifft das zu. Dem Glauben ihrer Ahnen treu geblieben sind die Walser in den italienischen Talschaften am Südfuss des Monte Rosa, im Pomatt, in Bosco-Gurin wie auch ihre Nachfahren im Sarganserland, am Triesenberg und in Vorarlberg.
Eine Ausnahme bilden die Nachkommen der Walliser Siedler im Berner Oberland, im Bezirk Werdenberg und in einigen Talschaften Graubündens. In Bern wurde 1528 von den zuständigen Räten beschlossen, dass «in ihren Städten, Lande und Gebieten man sich fürderhin an die Reformation zu halten habe». Damit war die Konfessionsfrage für die walserischen Siedlungsgebiete im Berner Oberland entschieden. Wesentlich anders verlief die Glaubensänderung in Graubünden, wo jede Gemeinde in Glaubensangelegenheiten selbständig entscheiden konnte. Die folgenden Ausführungen beziehen sich deshalb ausschliesslich auf die Walserregionen in Graubünden.
Die ersten evangelischen Gemeinden
Zu den ersten Gemeinden in Graubünden, die sich dem neuen Glauben zuwandten, gehörten Gemeinden im walserischen Siedlungsgebiet. Ausgerechnet das abgelegene St. Antönien gilt als die erste Gemeinde des Prättigaus und eine der frühesten Bündens, die den evangelischen Glauben angenommen hat. Der Überlieferung nach soll in St. Antönien schon 1524/25 die Messe abgeschafft worden sein. Als Reformator wirkte Jakob Spreiter, der 1517 als Priester aus dem benachbarten Montafon nach St. Antönien gekommen war.
Die Ausbreitung der Reformation
Prättigau, Davos, Schanfigg, Churwaldnertal
Spreiter dehnte seine reformatorische Tätigkeit bald nach Klosters und Davos aus. Seinem Einfluss ist es möglicherweise auch zuzuschreiben, dass die Schanfigger Gemeinden Langwies und St. Peter schon früh den evangelischen Glauben kennenlernten. Über die Reformation in der Nachbarschaft Tschiertschen, Praden, Malix und Parpan ist wenig bekannt, doch hatten sich diese Ortschaften schon früh im 16. Jahrhundert der Reformation angeschlossen. Anders verlief die Entwicklung in Churwalden. Im ehemaligen Klosterdorf setzte sich der neue Glaube nur mühsam durch, eine Minderheit der Einwohnerschaft blieb katholisch. Als Besonderheit im Zusammenleben der Konfessionen galt in Churwalden, dass Katholiken und Protestanten bis 1970 die ehemalige Klosterkirche gemeinsam benutzten.
Im Hinterrheintal
Über die Vorgänge bei der Einführung der Glaubenserneuerung im Rheinwald und im Avers ist so gut wie nichts bekannt. Ein Chronist zählt allerdings Splügen und Hinterrhein zu jenen Gemeinden, die sich früh, d.h. zwischen 1530 und 1535 der Reformationsbewegung anschlossen.
Im Vorderrheintal
Im obern Teil des Vorderrheintals konnte der neue Glaube nicht bleibend Fuss fassen. Einzig im untern Talabschnitt - um Ilanz herum - schlossen sich verschiedene Gemeinden der Reformation an, darunter auch die walserisch geprägten Nachbarschaften Valendas, Versam, Tenna und das Safiental sowie das heute romanischsprachige Fidaz.
Obersaxen -- eine deutschsprachige Enklave und Walserkolonie im romanischen Sprachgebiet des Vorderrheintals, ist bis heute dem alten Glauben und der angestammten Mundart, dem «Obarsäxar Titsch», treu geblieben.
Vals - heute durch das Wasser der St. Petersquelle weltbekannt - war im 16. Jahrhundert ein abgeschiedenes Bergtal. In zahlreichen zerstreuten Höfen und Siedlungen wohnten deutschsprachige Walser. Ihre Nachbarn im Lugnez sprachen romanisch, und die Wegverbindung talauswärts war äusserst beschwerlich. Erst 1881 wurde Vals durch eine Zufahrtsstrasse mit llanz verbunden. Die Bewohner des Valsertales waren deshalb über Jahrhunderte stärker nach Süden orientiert. Sie verkehrten auch aus sprachlichen Gründen lieber mit ihren walserischen Nachbarn im Rheinwald. Der Weg dahin führte über den 2507 m ü. M. gelegenen Valserberg nach Hinterrhein und über den San Bernardino weiter nach Italien. Die Frage liegt auf der Hand: Wie kam es dazu, dass ausgerechnet in einer derart entlegenen Talschaft Gedanken einer Glaubensänderung die Gemüter der Bewohner bewegten? Denn die Reformation hatte auch in Vals Einzug gehalten. Ein Teil der Bewohner hielt zur Messe, der andere ging in die Predigt.
Die Vermutung liegt auf der Hand, dass Vals dem Beispiel der Nachbarn in Safien und im Rheinwald folgte. Massgebend beteiligt an der Einführung der Reformation war der damalige Pfarrherr von Vals, Johannes Lutta, der von 1520 bis 1523 im Amt war. Unter seinem Einfluss zählte die neue Lehre in Vals bald eine beachtliche Schar von Anhängern. Der Beschluss, die St. Peterskirche im Dorf von den Bildern zu reinigen, war bereits gefasst. Unter der einheimischen Bevölkerung kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Neugläubigen warfen das vor der Kirche aufgestellte Kreuz mit dem lebensgrossen Bild des Erlösers in den Valserrhein und wollten das Zerstörungswerk in der Kirche fortsetzen. Der Messmer, ein treuer Anhänger des alten Glaubens, versteckte aber den Kirchenschlüssel und eilte auf die umliegenden Höfe um Hilfe. Die Eiferer für den neuen Glauben mussten schliesslich der aufgebrachten Übermacht der Altgläubigen weichen. Die Gemeinde blieb dem katholischen Glauben erhalten. Nach einer andern, eher legendenhaften Überlieferung soll es in Vals allerdings friedlicher zugegangen sein (s. unten).
Die Gemeinden und die Konfessionsfrage
Ein Religionsgespräch in Ilanz (1526) zwischen Alt- und Neugläubigen schaffte keine Klarheit, verkündete aber volle Freiheit für beide Bekenntnisse. Entschied sich in einer Gemeinde eine Mehrheit für den neuen Glauben, kam die entsprechende Dorfkirche in reformierte Hand. Ergab sich eine katholische Mehrheit, blieb das Gotteshaus im Eigentum der Katholiken. Das hatte zur Folge, dass das Bekenntnis manchmal von Gemeinde zu Gemeinde verschieden war. Einen wesentlichen Einfluss bei der Konfessionsentscheidung übte häufig der amtierende Gemeindepfarrer aus. Trat derselbe zum evangelischen Glauben über, folgte ihm meistens die Gemeinde nach. Freilich kam es auch vor, dass Gemeinden mit dem Konfessionswechsel rücksichtsvoll zuwarteten, bis der katholische Pfarrer gestorben war und sie einen neugläubigen anstellen konnten. Das Verhältnis der Gemeinde zum Priester spielte bei der Glaubenserneuerung immer wieder eine wichtige Rolle.
Freiheit über alles
Die meisten walserisch geprägten Gemeinden und Talschaften traten zum neuen Glauben über. Es waren dies die Landschaft Davos mit der Nachbarschaft Wiesen, das Prättigau, das Schanfigg und Churwaldnertal; ferner die Talschaften Rheinwald und Avers; im Vorderrheintal Safien, Tenna, Versam und Valendas. Weitere einzelne Walser Siedlungen wie z.B. Fidaz, Mutten, Says und die Maienfelder Gemeinden am Berg schlossen sich ihnen an. Beim alten Glauben blieben Vals und Obersaxen sowie einige heute romanischsprachige Gemeinden im Gebiet des Vorderrheintals, z.B. Vrin und Tschamutt. Dass sich in Graubünden vorwiegend Walsergebiete der Reformation anschlossen, ist kein Zufall. Gerade die Walser Bevölkerung setzte Freiheit und Unabhängigkeit von weltlichen und geistlichen Fürsten über alles. Heute leben in den meisten ehemals ganz protestantischen Gemeinden und Talschaften -wie auch umgekehrt - Katholiken und Protestanten einträchtig beisammen.
(Textauszug eines Beitrages von Josias Florin, Maienfeld in: Die Walser, Ein Arbeitsheft für Schulen, Verlag Wir Walser, 3. Auflage, 1998)
Religion im Wallis
Religion Das Oberwallis ist mehrheitlich katholisch und gehört zum Bistum Sitten. Statistik (Eidgenössische Volkzählung 2000) Deutschsprachiger Teil: 76'625 Einwohner davon 68'333 Katholiken
Bistum Sitten
Das Bistum Sitten ist eine Diözese der Römisch-katholischen Kirche in der Schweiz und umfasst hauptsächlich das Gebiet des Kantons Wallis.
Oberhaupt des sehr traditionsreichen Bistums mit grossem Einfluss auf die Geschichte des Wallis ist momentan Bischof Norbert Brunner. Sitz des Bischofs und des Domkapitels ist die Kathedrale Notre-Dame-du-Glarier in Sion/Sitten.
Frühere Bischöfe
Staat und Kirche im Fürstentum Liechtenstein
Das Fürstentum Liechtenstein ist eng mit der römisch-katholischen Kirche verbunden. Sie ist Staatsreligion und geniesst den Schutz des Staates. Die Verfassung garantiert Glaubensfreiheit. Das Fürstentum gehörte bis 1997 dem Bistum Chur an. Da das Bistum Chur gemäss der eigenen Geschichte im 4. Jahrhundert nach Christus entstanden sein soll, bedeutet dies, dass das Gebiet Liechtensteins seit dieser Zeit für rund 1600 Jahre Teil des Bistums Chur war. Die katholische Kirche Liechtensteins war seit 1970 als Dekanat innerhalb des Bistums Chur organisiert.
Mit päpstlicher Bulle vom 2. Dezember 1997 wurde das Gebiet des Fürstentums Liechtenstein vom Bistum Chur herausgelöst und zum eigenständigen Erzbistum erhoben. Zum ersten Erzbischof von Vaduz wurde der gebürtiger Liechtensteiner Wolfgang Haas ernannt, der zuvor Bischof von Chur war.
Aus der Geschichte der Pfarrei Triesenberg –
Triesenberg wird eigene Pfarrei
Seit der Einwanderung bildeten die Triesenberger ein selbständiges Gemeinwesen, kirchlich jedoch gehörte der nördliche Teil der Gemeinde zur Pfarrei Schaan, das übrige Gebiet zur Pfarrei Triesen. Bis zur Errichtung der Pfarrei Triesenberg im Jahre 1768 blieb das Kirchlein auf Masescha der religiöse Mittelpunkt der Walsergemeinde. Die Betreuung erfolgte durch einen Seelsorger aus Triesen.
Einmal in der Woche sollte der Pfarrer dort eine heilige Messe feiern. Die meisten Taufen und Eheschliessungen fanden dort statt. Die Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen hatten die Walser je nach Pfarreizugehörigkeit in Schaan oder Triesen zu besuchen. Dort wurden auch ihre Toten bestattet. In der Pfarrkirche von Triesen war ihnen die Pflicht auferlegt, das Ewige Licht zu unterhalten.
Schon Valentin von Kriss, 1664 bis 1692 Pfarrer in Triesen befürwortete die Gründung einer Pfarrei Triesenberg. Noch lange blieb dies aber nur ein Wunsch.
Schliesslich wurden die Triesenberger unter Führung von Ortsrichter Johannes Danner beim Bischof von Chur sowie bei Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein vorstellig. Der Fürst schenkte dem Anliegen Gehör. Er erklärte sich zur Übernahme der Kosten für den Bau der Kirche und des Pfarrhofes bereit und stiftete ein Pfarrpfrund mit 7000 rheinischen Gulden.
Am 17. Mai 1767 ersuchte Landvogt Franz Carl Grillot den Bischof von Chur um die Erlaubnis zur Errichtung der Gebäude. Unter der Leitung von Peter Bein aus Hittisau im Bregenzerwald wurde am 25. Juli 1767 mit den Bauarbeiten begonnen. Gegen Ende des Jahres 1768 erfolgte die Loslösung der neuen Pfarrei Triesenberg von Schaan und Triesen.
Pfarrer Stephan Wohlwend aus Bendern nahm seine Tätigkeit als erster Pfarrer von Triesenberg auf. Am 15. Oktober 1779 fand die Weihe der zu Ehren des heiligen Josef errichteten Kirche statt. In der Gemeinde lebten damals 96 Familien, mit ungefähr 500 Einwohnern.
Bis 1938 versah die erste Kirche ihren Dienst. Dann wurde sie wegen Baufälligkeit und Platzmangel abgebrochen. Die neue Kirche, wieder versehen mit einem Zwiebelturm, wurde am 19. Mai 1940 eingeweiht.

Die erste Kirche war den Einwohnern von Triesenberg ans Herz gewachsen. Diese Bildtafel von 1912 hing in vielen Wohnstuben.Sie zeigt die erste Pfarrkirche mit Papst Pius X. und den Seelsorgern Franz von Reding (Pfarrer von 1909 - 1927) und Matthäus Müller (Pfarrer von 1890 - 1909, 1912 Pfarr Resignat und Kaplan). Als das liebgewonnene Gotteshaus wegen Baufälligkeit und Platzmangels einer neuen Kirche Platz machen musstee und im April 1938 abgebrochen wurde, soll manche stille Träne vergossen worden sein.
Text: Josef Eberle – Separatdruck der Beilage „650 Jahre Walser am Triesenberg“ 2005 Gemeindekanzlei Triesenberg
Religion in Bosco Gurin
Der katholische Glaube und die religiösen Riten (und auch abergläubische Abweichungen) waren während Jahrhunderten ein bestimmender Faktor des täglichen Lebens.
Gemeinschaftsbildend wirkte die tägliche Morgenmesse: Die Männer sassen barhäuptig vorn in der Kirche, die Mädchen und Frauen mit bedecktem Kopf. Sie trugen ein Panètt (Kopftuch) oder eine Maschwendlu (Messwindel = gesticktes weisses Leinentuch). Abends fanden sich vorwiegend Frauen zum Roosuchrånz (Rosenkranzgebet) ein.
Den christlichen Gebräuchen und Riten wurde oft magische Wirkung zugeschrieben: Das Lesen des Johannes-Evangeliums verhinderte Gewitter, der Segen des St. Antonius liess entlaufenes Vieh zurückkommen und heilen. Prozessionen halfen gegen Lawinen und Seuchen und das Öffnen des Reliquienschreines half sogar den Schmugglern aus dem Pomatt. Es gab aber auch weitere Kräfte: Vor allem die Allgegenwart der Ǻårmaseelu wurde oft angerufen: Beim Heuen oder beim Tragen. „Arm“ waren die Seelen wohl wegen der Angst vor dem Fegefeuer. Zu Ǻllarheilagu durften sich die Kinder nicht auf den Ofen setzen, da die Ǻårmuseela dann dort weilten.
Auch böse Kräfte waren am Werk. Die Nacht war voller Geischtar, so dass man riet, nachts nicht einmal die Hand zum Fenster hinaus zu halten. Bestimmte Orte mied und fürchtete man. Vor allem aber gab es in den Sagen auch Tijfla. Nur das Quatemberfasten alter Frauen bewog t Löwwanutijfla (Lawinenteufel), das Dorf zu verschonen. Geweihte Gegenstände hinderten ihr Eindringen in die Wohnung. Das Blut der Madonna von Re im Centovalli ermöglichte, einem Mädchen den bösen Geist auszutreiben. Bei ernsten Krankheiten drehte man die Gebeine von Reliquien und die Pest bannte man in verstopfte Löcher des Hauses. Erst die um die Wende zum 20. Jh. aufgewachsene Generation löste sich von solchen magischen Vorstellungen.
Religion in Vallorcine
Die Religion war katholisch.
Vallorcine wurde von den Prioren von Chamonix und Sallanches im Jahre 1272 gegründet. Die Pfarrgemeinde empfing am 31. Juli 1606 den Bischof und Verteidiger der Gegenreformation St François de Sâle.
Die starke religiöse Tradition bestimmte das Leben in Vallorcine.
In der Kapelle zu den sieben Schmerzen Marias wird am zweiten Sonntag im September die heilige Messe gefeiert. Die Vallorciner machten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine Pilgerfahrt nach Einsiedeln. Pilgerfahrten Anhänger des evangelischen Glaubens haben bis in die Sechziger überall in den Dörfern Kreuze aufgestellt.
Während der Französischen Revolution (ab 1792) musste der Pfarrer ins Wallis flüchten. Er musste in einer Scheune in Mollard die Messe sprechen, Taufen und Hochzeiten wurden in Jeurs im Wallis abgehalten.
Der heilige Theodul
Das Fest des Heiligen wird am 16. August gefeiert. 381 nach Christus nahm er an der Synode von Aquileia teil, wahrscheinlich auch 389/90 an der von Mailand. Er ist vermutlich auch der Theodor, der den Brief der Synode von Mailand (393) an Papst Siricius mitunterzeichnete.

Bei Octodurum soll im Jahre 285 eine Truppe Soldaten aus dem Orient mit ihrem Anführer Mauricius Primicerius niedergemetzelt worden sein. Sie weigerten sich Christen zu verfolgen. Anfang des 5. Jahrhunderts berichtet Bischof Eucherius von Lyon (Passio Acaunensium martyrum), dass Theodul die Gebeine des Mauricius Primicerius und seiner Gefährten, der so genannten thebäischen Märtyrer, gefunden und sie in einer ihnen zu Ehren errichteten Basilika in Acaunum (Sankt Moritz, Saint Maurice) beigesetzt habe. Die Reliquien Theoduls wurden wahrscheinlich bei der Übertragung des Bischofssitzes nach Sitten im 6. Jahrhundert dorthin überführt und vielleicht auf dem Friedhof extra muros beigesetzt. Dort entstand eine Kirche, später eine Krypta mit einem Arcosolgrab (8./9. Jahrhundert, nach neueren Grabungen unter der Sankt-Theoduls-Kirche aus dem 16. Jahrhundert). Im Mittelalter war die Kirche ein stark besuchter Wallfahrtsort. An einem 4. September Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts wurden die Reliquien von hier weggeführt und später in Valeria (Sitten) aufbewahrt. Bei der Besetzung der Stadt durch die französischen Truppen 1798 gingen sie verloren. Der Theoduls-Kult verbreitete sich von Sitten (urkundlich bereits 999 als dessen Patron genannt) über Engelberg (12. Jahrhundert) in die übrige Schweiz, nach Savoyen, Oberitalien, Vorarlberg und nach Süddeutschland. Besonders in den Walserkolonien findet der Heilige Verehrung. Im Wallis hat sich das Andenken an Theodul in der Überlieferung, gestützt besonders auf den Kultplatz und auf die Passio Acaunensium martyrum, immer erhalten. Theodul ist u.a. Patron des Kantons Wallis, Glocken-, Wetter- und Winerpatron. Hauptattribut ist nach der Legende ein glocketragender Teufel, der den Heiligen samt einer ihm vom Papst geschenkten Glocke von Rom über den Theodulpass (Matterjoch) nach Sitten tragen musste.St. Theodul auf dem Place de la Majorie in Sitten (Sion)
Auf der Versetzung in die Zeit Karls des Großen beruht die Darstellung mit einem Schwert oder der Augenblick der Schwertübergabe durch Karl den Großen, so unter anderem auf alten Walliser Münzen, in Erinnerung an die Theodul angeblich verliehenen Hoheitsrechte über das Wallis (Carolina). Außerdem wird er abgebildet mit einer Weintraube, ein Weinwunder wirkend, die Reliquien der thebäischen Märtyrer sammelnd, vereinzelt auch, wie er ein ertrunkenes Kind wieder zum Leben erweckt. Gelegentlich wird dem Hl. Theodul ein lokales Bergbaupatronat in Vorarlberg zugesprochen. Dies dürfte mit einer Verwechslung beim St. Anna- oder Knappenaltar in Barthlolomäberg im Montafon zusammen hängen. Dort wird neben dem Hl. Theodul der Hl. Daniel mit Hammer und Erzstufe dargestellt (vgl. Ulrich Nachbaur, "Der heilige Bischof Theodul. Von der Urkundenfälschung bis zur Käsewerbung" in Montfort, Zeitschrift für Geschichte Vorarlbergs, 66. Jahrgang 2014, Band 1, S. 5-81, hier S. 42-44).
Theoduls-Legende
Die wohl bekannteste Theoduls-Legende ist jene von der Glocke. Die Schriftstellerin Natalie Beer gibt sie wieder: „St. Joder sah einmal drei Teufel in einer Pfütze jubilieren. Sie freuten sich, dass der Papst in Rom dabei war, eine große Sünde zu begehen. Nun befahl St. Joder dem schnellsten der Teufel, ihn sofort nach Rom zu tragen, in das Zimmer des Papstes. In Gedankenschnelle trug ihn der Teufel dahin, und St. Joder konnte den Papst an seinem Vorhaben hindern. Dieser schenkte ihm dafür eine Glocke, und der Teufel musste St. Joder mit der Glocke zurücktragen. In Mailand warf der Teufel aus Zorn über das verhütete Vergehen des Papstes die Glocke auf einen Stein, so dass sie in tausend Scherben zersprang. Die Kraft des Heiligen ließ diese Scherben in ebensoviele kleine Glocken gießen, die fortan zur Zeit des Hochwetters geläutet wurden und Blitzschlag und Unwetter vertrieben.“
Der heilige Mauritius
Mauritius war Primicerius, ein Offizier der Thebäischen Legion, die gegen Ende des 3. Jh. im Lager bei Agaunum, im heutigen Staint Maurice im frankoprovenzalischsprachigen Wallis, stationiert war..
Auf Befehl von Kaiser Maximianus sollen Mauritius und seine Gefährten Exuperius, Candidus, Victori Innozenz und Vitalis enthauptet worden sein. Das Martyrium geschah aus folgendem Anlass: Kaiser Maximianus soll der Thebäischen Legion befohlen haben, gegen Glaubensgenossen vorzugehen. Die christlichen Soldaten weigerten sich, dem Befehl nachzukommen. Um sie zum Gehorsam zu zwingen, ließ Maximianus jeden Zehnten niederhauen. Dadurch war der Widerstand noch nicht gebrochen; so ließ er die Dezimierung wiederholen. Unter den Hingerichteten waren Mauritius und seine Gefährten.Skulptur des Heiligen Mauritius im Musée de Louvre (Künstler: Pierre Vaneau)Der Bericht über das Martyrium des Mauritius und seiner Gefährten, die Schrift »Passio Acaunensium martyrum«, stammt vom Bischof Eucherius von Lyon (gestorben um 449 oder 450).
Für die Echtheit des Kerns der Überlieferung spricht die frühe Verehrung der Gruppe am Ort ihrer Hinrichtung; sie reicht bis ins vierte Jahrhundert zurück. Um das Jahr 380 hat Bischof Theodul von Octodurus (Martinach/Martingny) die Gebeine der Märtyrer erheben lassen. Darüber ließ er eine Kirche erbauen, die bald ein großer Wallfahrtsort wurde. Dies ist auch die Keimzelle der Abtei von St. Maurice, die 515 gegründet wurde.
Ab 824 wurde St. Maurice Stift, das den Kult des Hl. Mauritius verbreitete. Die zahlreichen Pilger trugen die Verehrung nach Frankreich, Italien, Deutschland, England, Spanien und Österreich. Bereits bei den Merowingern wurde Mauritius sehr verehrt. Dann erscheint er in den karolingischen Laudes regiae als Militär-Heiliger. 888 wird er Patron des Königreiches Burgund. Kaiser Otto I. widmete das im Jahre 937 gegründete Kloster und das 967 entstandene Erzbistum Magdeburg dem Mauritius. Otto schrieb den Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld am 10. August 955 der Fürsprache des Mauritius zu. Seit dem 12. Jh. wurde Mauritius als »herzoge der More« bezeichnet. Zunächst wird er vereinzelt (so in Magdeburg), dann vom späten 14. Jh. an häufig als Schwarzer dargestellt. Daher ist er der Patron der Farbhandwerke. Er gilt auch als Patron der Pferde. Die mittelalterlichen Ritterorden und Soldaten hatten ihn zu ihrem Patron erwählt. Das Fest des Heiligen wird am 22. September gefeiert. Der Heilige Mauritius wird meist als römischer Offizier im Kettenhemd mit Schild und Lanzenfahne – oft als Schwarzer - dargestellt.
Der heilige Theodul wird Hauptpatron der Kapelle Masescha
Im Jubiläumsjahr 2005 „650 Jahre Walser am Triesenberg“ wurde von der Gemeinde an das Erzbistum Vaduz der Antrag gestellt, die Kapelle Masescha möge mit dem Haupttitel des heiligen Theodul versehen werden. Erzbischof Wolfgang Haas entsprach diesem Ansuchen und überreichte am 16. August 2005 in einem denkwürdigen und feierlichen Gottesdienst im Beisein vieler Gläubiger das Dekret mit folgendem Wortlaut:
Auf vielseitigen Wunsch hin legt der Erzbischof von Vaduz hiermit fest, dass die urkundlich erstmals 1465 erwähnte „Unser lieben Frauen-Kapelle auf Misöschen, die im Verlaufe der späteren Jahrhunderte einige Um- und Neugestaltungen erfahren hat, nunmehr offiziell unter das Patrozinium des heiligen Bischofs Theodul, des Schutzpatrons des Walservolkes gestellt sein soll. Ein entsprechendes Zweitpatrozinium ist schon für das Jahr 1595 urkundlich verbürgt. Somit gelte jetzt und für die Zukunft, dass das Bergkirchlein auf Masescha in der Pfarrei der Gemeinde Triesenberg den Namen des grossen Walserpatrons trägt und das Patroziniumsfest jährlich am 16. August gefeiert wird. Dies gereiche den Gläubigen dieses Ortes und allen, die diese Kapelle besuchen, fortwährend zur Freude und zur Erbauung.
Heilige in Bosco Gurin
Kirchenfeste und Prozessionen, wie sie z.B. für die Kirchenheiligen Jakobus und Christopherus am 25. Juli mit dem feierlichen Herumtragen des Heilig, den Reliquien des Katakombenheiligen St. Theodor, veranstaltet wurden, setzten markante Punkte für das kirchliche Jahr.
Auch die Pomatter verehrten den Hl. Theodor. Einmal soll er ein paar von ihnen beim Schmuggeln vor den Grenzwächtern beschützt haben, indem er diese in Nebel hüllte.
Schutzheilige in Gressoney und Issime
Gressoney-Saint-Jean: Johannes der Täufer, 24. Juni Gressoney-La-Trinité: Heilige Dreifaltigkeit, 40 Tage nach Ostern Issime: Heiliger Jakob, 25. Juli.
Früher waren die Menschen im Sommer auf der Alm und konnten nur schwer ihren Patron feiern. Aus diesem Grund wurde daran gedacht, einen Schutzheiligen für den Winter auszusuchen: den Heiligen Sebastian, dessen am 20. Januar gedacht wird.
Patronin in Vallorcine
Zu Beginn war die Kirche der Heiligen Jungfrau Maria geweiht.
Seit dem 2. August 1766 ist das Patrozinium Maria Himmelfahrt, was am 15. August gefeiert wird.
Schulwesen in Safien
Bis gegen Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in Safien keine öffentlichen Volksschulen. Dass die Safier aber bereits im 16. Jahrhundert schreiben und lesen konnten, beweisen viele alte schöne Handschriften und Protokolle. Es mag durchaus sein, dass vermögende Familien ihre Kinder durch den Pfarrherrn unterrichten liessen oder auswärts in die Schule schickten, aber allgemein ist davon auszugehen, dass die Eltern ihre Kinder selber lesen, schreiben und rechnen lehrten.
Altes Platzer SchulhausVerlässliche Angaben über die Einrichtung von Volksschulen sind in den Schulprotokollen von 1744 enthalten. Daraus ist zu entnehmen, dass die Gemeinde Safien das Recht, im damaligen Untertanengebiet Veltlin den Podestaten zu stellen, an eine andere Gemeinde verkaufte und dieses Erlös zu einem wesentlichen Teil für die Einrichtung von Schulen in den einzelnen Pürten eingesetzt hat. Es wurden wohl kaum alle Erträge aus dem Podestatenamt so sinnvoll eingesetzt!

Altes Platzer SchulhausDie Nachbarschaften oder Pürten machten sich sofort an Arbeit, Schulfonds einzurichten und Volksschulen einzuführen. Weil die Zinsen der veltlinischen Gelder nicht ausreichten, die Lehrer zu besolden, mussten die einzelnen Haushaltungen mit dem Erwerb von Schulrechten auch dazu beisteuern. Diese Schulrechte waren an das betreffende Haus gebunden. Teils wurden Schulhäuser gebaut, in anderen Nachbarschaften wurde abwechslungsweise in den Wohnstuben unterrichtet.Der Stundenplan war einfach. Man begnügte sich mit Lesen, Schreiben, Rechnen, Auswendiglernen und Singen.Die Ausbildung zum Lehrer war dürftig. Hie und da wurden intelligente Burschen nach ihrem Austritt aus der Primarschule an der hiesigen Schule als Lehrer angestellt. Durch Selbststudium bildeten sich aber viele weiter, so dass sie bald einen Ruf nach auswärts als Lehrer erhielten.Ende des 19. Jahrhunderts zählte man noch 25 Safier Lehrer, die in Safien oder auswärts Schule hielten. Mit dazu beigetragen hat sicher die 1837 gegründete Oberschule am Platz. Viele Zöglinge dieser Schule unterrichteten später als Lehrer.Bereits 1835 stellte der Schulverein Safien-Tschappina einen ausführlichen Lehrplan für die ihm unterstellten Schulen auf und erweiterte den Stundenplan.1849/1850 waren in Safien 9 Schulen mit gesamthaft 132 Schülern. (Ausser-Camana, Inner-Camana und Bäch, Gün, Neukirch, Proskaleschg, Ausserthal, Innerthal, Platz, Zalön) Alle Schulen waren Gesamtschulen mit 9 Klassen, sodass es vorkam, dass Schüler 9 Winter zum gleichen Lehrer in die Schule gingen und dieser sogar schon ihre Eltern unterrichtet hatte.1879 ging gemäss Bundes- und Kantonsverfassung das Schulwesen an die politische Gemeinde über und die Schulfonds der Nachbarschaften mussten der Gemeinde übergeben werden.Gleichzeitig wurden infolge Schülerrückgang und Erhöhung der Lehrerbesoldung die Schulen auf 4 reduziert. Die Schulorte, versuchsweise auf zwei Jahre festgesetzt, waren: Thalkirch, Camana, Platz-Zalön abwechslungsweise und Neukirch.Dieses Provisorium hielt 77 Jahre und die Schüler von Platz und Zalön gingen jeweils drei Monate der sechsmonatigen Schulzeit auf dem Platz und drei Monate in Zalön zur Schule. Gezügelt wurde Mitte Schulzeit, d.h. ca. am 20. Januar. Für den Umzug stellte sich meist der Schulrat mit Viehgespann und Schlitten zur Verfügung, denn es gab zwischen Platz und Zalön nur einen Schlilttweg.Die Platzer Schüler nahmen in der Mittagspause in der Zalöner Schulstube eine einfache Mittagsverpflegung aus dem Rucksack ein, war die Schule auf dem Platz mussten die Zalöner den Rucksack packen.Weil auf dem Platz die Schülerzahl anstieg, wurden die Schulen nach 77 Jahren wieder getrennt und auf dem Platz und auf Zalön eine eigene Schule eingerichtet.Die sehr einfachen Schulhäuser waren vielfach baufällig und genügten den Anforderungen nicht mehr. 1947 fasste die Gemeinde deshalb den Beschluss in den Fraktionen neue Schulhäuser zu bauen. Ein Zusammenzug war damals kein Thema. Zu Fuss wären die Schulwege zu lang gewesen und Fahrwege für Schülertransporte auf die Höfe waren noch keine vorhanden. Immerhin plante man, wenigstens im Schulhaus Platz eine Turnhalle einzubauen, die auch für Theatervorführungen und Gemeindeversammlungen dienen sollte.

Als 1961 in Thalkirch das letzte der Fraktionsschulhäuser eingeweiht wurde, war die Schülerzahl bereits so stark zurückgegangen, dass der Weiterbestand nicht mehr gesichert war. Einige Jahre fand man eine Lösung mit einer Unterschule am Platz und einer Oberschule in Thalkirch.
1970 wurde das Platzer Schulhaus umfassend renoviert und erweitert.
1972 wurden dann die Fraktionsschulen aufgehoben und alle Schüler auf dem Platz zusammengezogen. Das Schulanlage am Platz wurde immer weiter ausgebaut. Im Jahre 2002 konnte die neue Mehrzweckhalle eingeweiht werden. Die Fraktionsschulhäuser Neukirch, Zalön und Camana werden von der Gemeinde als Wohnhäuser vermietet, das Schulhaus in Thalkirch an einen einheimischen Landwirt als Wohnhaus verkauft. Heute werden im Schulhaus Platz zwei Abteilungen (1. bis 3. Klasse und 4. bis 6. Klasse) geführt.
Schulhaus-Anlage Safien Platz Safien hatte keine eigene Sekundarschule. Wer eine solche besuchen wollte, musste weit weg nach Ilanz, Thusis oder Tamins und konnte nur über das Wochenende heimkehren. Es war deshalb der Gemeinde ein grosses Anliegen, ihren Schülern den Besuch einer Sekundarschule zu ermöglichen. Die vier benachbarten Walsergemeinden Safien, Tenna, Versam und Valendas verhandelten jahrelang über eine gemeinsame Lösung. Ab 1970 wurde die Sekundarschule Valendas als Provisorium von Schülern der vier Gemeinden besucht. Der Schulverband beschloss dann mit 3:1 die Oberstufe in Versam einzurichten, vor allem weil dieser Standort zentraler lag als Valendas. Die Kantonsregierung hat dann diesen Entscheid aus finanziellen Überlegungen später wieder umgestossen und nur den Standort Valendas subventioniert. Das angerufene Bundesgericht deckte diesen Entscheid.Seit 2002 besucht die gesamte Oberstufe die Schule in Valendas.

Schulhaus Zalön nach UmbauFür die Safier bedeutet dies wohl den längsten Schulweg weit und breit:Zuerst zu Fuss oder mit dem Schlitten von Höfen hinunter zur Postautohaltestelle, dann je nach Ausgangspunkt eine Postautofahrt von mehr als einer Stunde; am Abend dasselbe in umgekehrter Richtung mit einem anschliessenden Fussmarsch auf die teils bis 300 m Höhendiffereenz oberhalb der Talstrasse liegenden Höfe.Die weitere Entwicklung im Schulwesen wird stark vom andauernden Geburtenrückgang beeinflusst werden.Text: Mattli Hunger
Bildung im Kleinwalsertal
Fink und Klenze meinen im Jahre 1891: Nach Durchforschung aller Archive und Schriften aus den Winkeln dieses Thales ist uns auch ein Urteil über die frühere Bildung der Walser ermöglicht und wir haben gesehen, dass es jederzeit hervorragende Männer (Ammänner, Gerichtsschreiber, Geschworne) gegeben, die als besondere Vertreter des Volkes gut schreiben und rechnen konnten. Urkunden aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert, waren uns Beleg hierfür …. Die Alpbücher von Zwerenalp von 1574, vom Wilden 1601, von Kühgehren 1605, von Mittelwestegg 1617, von Hennenalpe 1622, von Öde 1641, von Küren 1657, von Bärgunt 1661 zeigen uns sehr viele Autographen. … In allen diesen Alpbüchern fanden wir so wenige Handzeichen (+), dass man sie an den Fingern einer Hand zählen könnte, wohl aber manche hübsche Schrift, mitunter schöne Initialen.

Fink und Klenze lassen im Jahre 1891 erkennen, dass wenige des Lesens und Schreibens mächtig waren und das Volk vor den Behörden oder der Obrigkeit vertraten. Sie waren Ammänner, Gerichtsschreiber oder Autographen.
Die ersten Schulen wurden gestiftet, d.h. Wohltäter gaben Kapitalien oder Weiderechte zu Schulzwecken, damit die Kinder unentgeltlich unterrichtet werden konnten. Es wurde so lange Unterricht gegeben, wie der Zins des Stiftungskapitals ausreichte. Dies geschah aus eigenem Antrieb der Talbevölkerung und ihrer Führer ohne Intervention des Staates. Der älteste Hinweis auf eine Schule ersieht man aus dem Matrikenbuch, in dem vermerkt ist, dass der „Schuollmeister“ Christian Jochum in Mittelberg im Jahre 1642 geheiratet hat. 1683 berichtet Johannes Elsässer, Schmied in Bödmen, dass er am 11. Januar die Schule angefangen habe und es 37 Schulkinder gewesen seien. Aus dem Jahre 1716 stammt eine Abteilungsurkunde für die Schule in Hirschegg von der Schule in Mittelberg. Das betreffende Schulvermögen wurde als „Stüfftkapital“ bezeichnet und bestimmt, dass die Kinder „franko“, also unentgeltlich, unterrichtet werden.
Mit der Verordnung vom 20. Oktober 1781 griff die Regierung „wegen Bestätigung und Beförderung der Normallehre“ in das Schulwesen ein.
Von 1788 an wurden mehrere Schulen gegründet. 1891 gab es in der Gemeinde Mittelberg die sieben Schulen im Baad, im Bödmen, in Mittelberg, in Hirschegg, in Riezlern, im Wäldele und in der Schwende.
Im Jahre 2006 gibt es in der Gemeinde Mittelberg Volksschulen in den Ortschaften Mittelberg, Hirschegg und Riezlern, die Hauptschule, die Polytechnische Schule und die Förderschule.
(Literatur: Fink und Klenze, Der Mittelberg, 1891
Schule in Bosco Gurin
Gemäss den Gemeindeprotokollen unterrichtete 1828 der Priester Don Giuseppe Tomamichel die Schüler von Bosco Gurin im Pfarrhaus in deutscher Sprache.
Aufgrund des kantonalen Erziehungsgesetzes von 1833 wurde 1842 der erste Lehrer eingestellt. Die Unterrichtssprache war nun italienisch. Seit 1886 wurde auch eine Stunde pro Woche in deutsch unterrichtet, für die Kosten kam der „Deutsche Sprachverein in der Schweiz“ auf. 2002 musste die Schule von Bosco Gurin wegen Schülermangels geschlossen werden. Die Elementarschüler besuchen seither die Schule in Cevio.

Bildung geniesst hohen Stellenwert in Liechtenstein
Das liechtensteinische Bildungswesen ist gut ausgebaut und geniesst einen hohen Stellenwert. Kleine Schulklassen und ein effektives Fördersystem erlauben eine individuelle Förderung der Schulkinder. Nach dem Kindergarten, der zwei Jahre dauert, werden die Kinder nach dem sechsten Lebensjahr in die Primarschule aufgenommen.Die Primarschule umfasst fünf Jahrgangsstufen und steht am Beginn der obligatorischen Schulzeit. Sie ist die gemeinsame Erziehungs- und Bildungsstätte aller Kinder und kann kostenlos besucht werden.

Moderne Primarschule in Triesenberg
Seit der Eröffnung des Schulhauses Obergufer im Jahr 1994 sind alle Primarschüler von Triesenberg im gleichen Schulhaus vereint. Das Schulhaus beherbergt auch eine Dreifachturnhalle, die internationalen Wettkampfstandards genügt, sowie Proberäume für die Musikschule.
Nach der Primarschule besuchen die Kinder die Weiterführenden Schulen in den Talgemeinden.
Die Schule in Gressoney und Issime
Die erste Schule öffnete im Jahr 1682 in Gressoney-Saint-Jean ihre Tore; gefolgt von einer zweiten in Gressoney-La-Trinité (Weiler Selbsteg) im Jahr 1691, dank eines Reverends namens Netscher.
In der Folgezeit, genauer gesagt am 14. März 1803, drückte die Gressoneyerin Anna Caterina Rial in ihrem Testament den Wunsch aus, eine Schule zu gründen, eine Rektoratskirche und eine Kapelle, die sowohl den Jungen als auch - und das zum ersten Mal - den Mädchen gewidmet waren.
Die Scuola Mercantile (Handelsschule) Rial wurde im November 1821 eröffnet und der erste Lehrer hieß Joseph Rial. Diese Schule ermöglichte es den jungen Gressoneyern, Fächer in Verbindung mit ihrer Handelstätigkeit (zum Beispiel Buchhaltung und Geographie) durchzunehmen und so ihrer Handelstätigkeit im Ausland nachzugehen.
Im Dezember 1737 vererbte Jacquême Linty der Gemeinschaft von Issime ein Gebäude mit Jahresrente, um darin eine Schule einzurichten
Gibt es gemeinsames „walserisches“ Liedgut? Die Frage nach der Existenz eines gemeinsamen walserischen Liedgutes kann nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Der wirtschaftliche und kulturelle Austausch über die Grenzen hinweg durch Handwerker, Händler, Soldaten, aber auch durch fahrende Musikanten war in den von Walser Familien besiedelten Gebieten durch die letzten Jahrhunderte gewiss ein belebender Faktor, der die volksmusikalische Landschaft bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts prägte.
Die Menschen, die mit Musik und Liedern aus der Umgebung in Berührung kamen, bedienten sich trotz der sprachlichen Unterschiede großzügig dessen, was ihnen von überall her zugetragen wurde. Und so sind bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in den Walser Gegenden keine spezifisch „walserischen“ Lieder und Tänze festzustellen. Dokumente aus der Zeit davor weisen lediglich auf die in den erwähnten Gegenden allgemeinen musikalischen Bräuche hin.
Um die Mitte des 20. Jahrhunderts begannen sich die Walserinnen und Walser ihrer Zusammengehörigkeit (im Jahre 1952 fand das 1. Internationale Walsertreffen in Brig statt) zu besinnen. Das beinhaltete auch den Wunsch nach gemeinsamen Liedern. Es entstanden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in fast allen Walser Siedlungsgebieten neue Lieder, vorerst in der deutschen Hochsprache, später dann auch in Walser Mundart, die heute ihren wohlverdienten Platz im Repertoire der walserischen Gesangs- und Volksmusikgruppen gefunden haben. Es handelt sich hier also um Neukompositionen, die als verbindendes Element vor allem Eigenheiten der Walser Mundart verzeichnen können.
Das Singen und Jodeln in größeren Formationen, z.B. in Jodelchören, denen bis zu 25 Sänger angehören, aber auch in kleineren Ensembles ist nicht nur typisch für Schweizer, Italiener, Vorarlberger und Tiroler Gruppen, sondern auch für die Walserinnen und Walser. Instrumente wie das Alphorn haben neben den üblichen Volksmusikinstrumenten ebenfalls ihren festen Platz in den Walser Gebieten, besonders dann, wenn im Freien musiziert wird.
Als ausgesprochen engagierte Komponisten, Musiker und Chorleiter seien der Walser Wilhelm Fritz (1918 – 1995) aus dem vorarlbergischen Mittelberg und der Walliser Felix Schmid (1915 - 1995) aus Visp erwähnt.
Verena Gillard-Fritz, Vorarlberger VolksLiedWerk
Der alpine Raum ist reich an Sagen. Sie sind Begegnungen mit dem Jenseitigen. Das Nachtvolk und das Wilde Heer kommt durch die Lüfte. Das Walsermänndle hält die Leute zum Narren. Eine Alpe wird von einem abgewiesenen Bettler verflucht und verödet. Auf einer verlassenen Hütte brennt ein Licht und jemand trifft dort Geisterhaftes an.
Ein hilfreiches Männlein hilft heimlich auf der Alpe und verschwindet, nachdem ihm zum Dank Kleider hingelegt worden sind. Alle diese Motive sind über die Walser hinaus im ganzen alpinen Raum, manche weltweit bekannt. Wenige Sagen hört man, die nur lokal bekannt sind.
Das Nachtvolk verspeist eine Kuh / Großes Walsertal
Ein Hirte hatte einmal im Herbst bei der Abfahrt von der Alpe „Alpila" eine schwarze Kuh vergessen und ging nun hinauf, sie zu holen. Er fand die Kuh am Stofel (Stofel, von lat. Stabulum, Lager, Lagerplatz, Weide) liegen. Da aber schon die Dämmerung einfiel, stellte er dieselbe in die Alphütte, während er selbst sich in der Hütte auf die Pritsche legte. Es mochte Mitternacht gewesen sein, da ward er durch einen großen Lärm aus seinem Schlummer geweckt und sah unter sich im Dejagemach einen Haufen fremder Leute, die eifrig mit Kochen, Sieden und Braten beschäftigt waren.
Der Hirte sah ihnen eine Weile zu. Je länger er dies tat, umso mehr wurde ihm unheimlich bei der Sache. Plötzlich rief ihm einer der Leute zu: „Los du da oben auf der Pritsche, magst du kein Fleisch?" Der Hirt antwortete: „Ja, ich mag!“ und darauf musste er herab von seiner Lagerstätte und mithalten. Das Fleisch war gut, aber auf einmal merkte er, dass seine schwarze Kuh im Stalle draußen ein ungeheures Loch im Leibe hatte und dachte: „Die Kerle haben das Fleisch meiner Kuh aus dem Leibe geschnitten und bis es Morgen wird, fressen sie dieselbe ganz auf." Er machte aber wohlweislich vor den fremden Gästen seinem Arger nicht Luft. Nachgerade fingen die Leute an zu musizieren und zu tanzen, dass die Alphütte fast aus den Fugen ging. Der Hirte schaute stillschweigend zu, bis ihn einer der Fremden fragte: „Willst du nicht Musik lernen?" „Ja, recht gerne", sagte er, „besonders gerne würde ich Flöte spielen." Da gab dieser ihm eine Flöte in die Hand und wies ihn an, nur tüchtig zu blasen. Er tat, wie man ihm befohlen und siehe da, er konnte die Flöte gar zierlich und lieblich blasen, als hätte er es jahrelang gelernt. Er hatte nicht gewusst, dass er ein solcher Musikus war. In der Freude über die so plötzlich errungene Kunstfertigkeit hatte er die schwarze Kuh im Stall draußen ganz und gar vergessen. Bei Tagesgrauen fuhren die Fremden ab; der Hirt schaute ihnen nach und dabei sah er an der Türe der Alphütte eine Haut ausgespannt. Sie glich jener seiner schwarzen Kuh. Als es vollends Tag geworden war, war die Kuhhaut an der Tür verschwunden. Der Hirt sah seine Kuh unversehrt in der Alphütte stehen und die Flöte, die er in der Nacht so trefflich geblasen hatte, war ihm geblieben und er nahm sie und die schwarze Kuh mit nach Hause.
(Ähnliche Sagen wie die mit der Kuh, die vom fahrenden Heer verspeist wird, sind weit über das Walsergebiet, ja bis nach China, bekannt.)
Die Zimper / Brand
Die Zimba, der mächtige Felsengipfel, der sich im Sarotlatal bei Brand erhebt, heißt in der Sprache des Volkes auch Zimper. Über den Namen geht diese Sage: Ein Jäger aus Brand kletterte der Jagd halber an den Abhängen des Zimpers herum und verstieg sich soweit, dass er die höchste Spitze erreichte.
Freude und Schrecken überfielen ihn. Er freute sich, der erste zu sein, der den Berg erstiegen habe. Er erschrak, als er an das Niedersteigen dachte und in dem verwitterten Gestein den rostigen Lauf eines Stutzens entdeckte, auf dem die Worte eingraviert waren: „Johannes Zimper hier gestorben.“ Beim Abstieg kam es unserem Jäger zugute, dass ein heißer Sommertag war. Er schnitt sich mit dem Messer Wunden in die Fußsohlen, damit das triefende Blut auf den warmen Steinen klebe und ihn vor dem Ausgleiten und dem sicheren Tod bewahre.
Die Sage vom Gottesacker / Kleinwalsertal
Fink und Klenze schrieben 1891 zum Gottesacker: Das wild zerklüftete Plateau zwischen Ifen und Gottesackerwänden, der so genannte Gottesacker, war vor Zeiten eine schöne, grasreiche Alpe, auf welcher das Vieh gedieh und reichen Ertrag gab.
Ein Bettler hielt dort eines Tages um eine Gabe an, wurde aber mit Hohn abgewiesen. Da verfluchte er die Alpe, und siehe da, ein Erdbeben verschlang diese, Sturm und Regengüsse fegten und schwemmten Wald und Boden hinweg, so dass nur noch das kahle Gestein übrig blieb.
Ds Männdle mit der Gärta / Silbertal
Es war um das Jahr 1790 herum. Ein Kilbisonntag. Die Leute auf dem heutigen Moosbruggeranwesen in Jetzmund waren im Gottesdienst am Berg herinnen. Einige Kinder im Schulalter mussten zuhause „goma" Als die Eltern nachhause kamen, erzählten ihnen die Kinder, sie hätten einen Goldschatz gesehen.
Beim Spielen seien sie zu dem alten, halb verfaulten Baumstamm außerhalb ihres Gutes gekommen. In einem Loch unter dem Baume sei der Goldschatz gelegen. Vor dem Loch sei ein Hafen und eine „Gärta" - Hackmesser - gelegen. Bei einer Nachschau fanden die Eltern alles, wie es ihnen die Kinder erzählt hatten; nur den Schatz sahen sie nicht. Topf und Gärta nahmen sie mit ins Haus. Man saß noch um den Mittagstisch, da öffnete sich die Tür ganz leise und herein trat ein zwerghaftes Männlein mit einem langen schlohweißen Barte. Sein Hut war über und über mit Moos bewachsen. „Gebt mir meine Gärta wieder!" befahl das Männlein in herrschendem, barschem Ton. - Widerspruchslos übergab ihm der Bauer das Messer und dankend verabschiedete sich das sonderbare Männlein.
Bis zu diesem Vorkommnis soll das Loch unter dem Baume von einem großen, schwarzen Hund bewacht gewesen sein, wie manch einer gesehen haben wollte. Seither wurde von alledem nichts mehr gehört.
(Erzählt von Oberlehrer Nikolussi, Bartholomäberg, 1950).
Faludriga / Großes Walsertal
Einmal ging ein Walser im Spätherbst in die Alpe Faludriga und wollte etwas aus der Hütte holen.
Wie er in die „Deja" trat, saß mitten in der Diele eine kohlrabenschwarze Katze auf den hinteren Füßen. Hielt zierlich mit der vorderen linken Pfote eine Maultrommel an das Maul und spielte mit der rechten gar lustig auf.
(Erzählt von Eugen Dobler)
Uf der Zuugeralp / Tannberg
In der Zugeralpe, die ungefähr zwei Stunden von Lech entfernt ist, brachte man alle Jahre den Sennkessel nicht weg, wenn man ihn nicht am selben Tag wie das Vieh, von der Alpe wegnahm.
Ein junger Mann glaubte dies nicht und ging sich überzeugen. Als er ihn zur Türe herausziehen wollte, erschien ihm ein kleines rotes Weiblein, das den Kessel hielt. Er zog aus seinen ganzen Kräften, konnte ihn aber trotzdem nicht von der Stelle bewegen. So musste dieses Jahr der Sennkessel auf der Alpe bleiben.
(Erzählt von Waltraud Walch, Lech, 1952)
Goldigi Chollä / Safien
In arä Nacht het d Frau uf em Büel im Tall gchöört, dass newer liechli an d Huustürr chlopfet. Wiä sch ds Läufferli amä Stubapfänschter offätòò und ussggluegt hat, ischt äs wilts Mannli dussnä gschtandä. Das het dr Büelfrau ärchläärt, schiins Wip sii in d Chimbett cho, und schii soll doch bitti cho ga mä hälfä. D Büelfrau ischt midem wiltä Mannli dürderuuf, wid uuf in d Falätschä under diä root Flue, woo hüt no ds wiltä Mannlisch Balmä z gsee si söll.
Dert sind de au gschwinthaft Zwillet uf d Wäält cho. Diä hent puschper zapplet mit Äärmli und Bäinli und sint bòòld uf allä Vierä ufem Bodä umchä gchrochä. Ds wilt Mannli ischt gruusam zfridäs gsi und her dr Büelfrau bodäfascht tanket für irä Hülf und gsäit: „Zum Dank chascht jetz än Schooss vollä Chollä mit dr nä, und diä muescht de aber im Huus uf d Äschplattä tuä!“. „Nää, Chollä will ich nit, säb hend wier gnueg bim Huus“, het d Büelfrau gmeint. "Nit derä", het ds wilt Mannli gsäit, und schii het duä ds wilt Mannli nit ärtäupä wellä und het dr Schoos uufgchä, und äs hed arä än Huufä Chollä dir gleit.Schii ischt dürderòòb, hed abr im Gòò dr Schoos nit guet zämmegchä und vill Chollä verzööteret. Ds wilt Mannli het s gsee und ischt arä nòòchägloffä und het gchrüepft: "Je mee du zerzaascht, je minder haascht!" Wiä d Frau uf em Büel in ds Huus cho ischt, hetsch nümmä vill Chollä im Schooss gchä, und ehender ä bitz uwilligi het sch dr Reschtä uf d Äschplattä tribä. Abr duä sind sch luters Gold gsi. Jetz het s d Frau gchruuä, dass schi z lütschel Sorg gchä het zu denä Chollä und schi ischt gschwind zrugg ggangä und het diä verlornä zämmäläsä wellä. Abr ds wilt Mannli het scho allä uufglääsä gchä, und schii het käine mee gfundä.(aus: Walservolch. Bündner Walser schreiben in ihrer Mundart. Chur 1974, S. 59)
Die tote Alp / Davos
In der Landschaft Davos liegt rechterseits vom Landwasser am serpentinhaltigen Gebirg die „tote Alp“, eine Strecke Land, auf welcher kaum einzelne Gräschen wachsen, während ringsherum üppige Alpen liegen mit saftigen Kräutern und Gräsern. auch jene dürre Steppe war vor Zeiten bewachsen, und es war die schönste Alp weit und breit.
Dort hielt sich eine Sennerin auf. Einst kam ein armer Mann müde und durstig des Weges und bat sie um einen Trunk. Sie aber liess den Armen schmachten und hiess ihn mit harten Worten weiterziehen. Der Arme, als er lechzend vor Durst und erschöpft niedersank, erhob seine Hände und beschwor die Rache des Himmels auf die Alp herab und siehe, von Stund an verdorrten die Kräuter und Gräser. Man sieht heute noch deutlich die Grenzen der Alp, wo der dürre, verfluchte Boden an die üppigen Nebenalpen anstösst, und heute noch bemerkt man die zerfallenen Mauern der Sennhütte.(aus: Ludwig Imesch: Was die Walser erzählen. Neu herausgegeben von Max Waibel. Frauenfeld 1999, S. 148)
Ds Lägelamannli / Vals
Ier wisst scho, wer das ischt. Ich hän nich scho e gang derva zellt. In Zafreila iichi het s gchuuset, im Underboda, im inndera Huss. De Tagg dür het s schi niena zeicht. Eerscht am Aabet spaad is läbets cho. Wenn ds Stubazit zwölfi gschlaga gchä het, naam letschta Schlagg, het ma s eirmaal uf dr Ruosstilli uuf gchöört poldera und chnätscha und ummaschlaargga, und de is dia stotzend Stäga acha und in d Stuba i gchrummlet. Uf em Rügg het s en gruussi Lägela treit. Dia ischt bis an de Helsa uuf mit Mariging gfüllt gsi. Chönnet nich denka, was das für ne Gwicht gsi ischt, gwüss gar no mee as en Mötsch. Nit vergäba het das Mannli esoo müessa piischta und chiicha under der Lascht. Ier möchtet sche nid emaal erweigga. Probieret s e gang!
Ds Mannli het dia Mariging uf de Tisch uusggläärt. D Lägela het s dernäbet z Boda gstellt, und de het s afaa dia Mariging zella. Eis, zwei, drii, vieri ... das ischt gganga wia gsalbet. Dia zellta het s birum in d Lägela igschmützt. Eis, zwei, drii, vieri ... es het nid umggluogt, wil s pressiera het müessa. Am Morget, wenn s vor em Palggli hed afaa lutera, het s müessa fertig sii! – De is eirmaal miena mee gsi! Ma het s nümma gsee und nüt mee va me gchöört. Ich wääna, es würd birum uf d Ruosstilli zruguuf sii ge ligga. Karius is bloos, dass es ooni piischta und rummla d Stäga uuf cho ischt. I meinti, dia villa Mariging wäänd uufwäärt no schweerer z trääga gsi as achawäärt.Waa dia hööi Muura für ds Wäärch fertig bbuuni gsi ischt, heint sch in Zafreila iichi alls dannagschrissa, d Hüüscher und d Gäda und im Oberboda ou ds Chilchli vam San Bäärtlema. Dua hed ou ds Lägelamannli müessa flia! Iichiwäärt het s nit chönna gaa. Hinder em Stausee hätti s khei Hüüscher mee funda. Ds Land chunt dert rüücher, vergandets und verrufenets. Zinnderscht iichi waa d Ggletscher uber d Felli achahanga is s nu mee eis Ggufer. Drum ischt üns Mannli für gwüss derdüruss, Valsch zua. Dert het s de mee Hüüscher, as in Zafreila iichi gsi sind. I hän nit vernu, under wellem Tach as äs schiins Plätzli zum ligga und schii Arbet funda het. Dia grooss Lägela mit der Mariging het s drum müessa dert iichi zrugglaa. Mit der Schweeri uf em Rügg wää s de d Nacht nit dürr de Calvaaristutz uf d Geissfelli uuf und uber de roota Bäärg und dürr d Bildbalma und de grüa Wasa acha gcho.Und hüt? Denked nu, jetz es Taggsch heint sch mer gseit, es siia jetzt es parr Lägelamannli i Valsch. Diz, waa va Zafreila ussa cho gsi sii, heig s nümma ellei gmacha mö, dia villa Mariging z zella, waa s jetzt in summa Hüüschera heig. In etlicha siiensch gar zwei zmaal all Nacht a dr Aarbet, wi eis ellei nit fertig chäämi mit zella bis zur Lüüteri. Was säged de ier daderzua?(aus: Ludwig Imesch: Was die Walser erzählen. Neu herausgegeben von Max Waibel. Frauenfeld 1999, S. 172f.
Sasso del Diavolo - der Teufelsstein
Wenn man vom Colle d`Olen herunterwandert, kommt man am "Sasso del Diavolo", dem Teufelsstein, vorbei. Luigi Giordani erzählte seine Geschichte im Alagner "Titsch".
"In d`oltu zit, wia s`sind g`si hinder buwwe d`chilchu in Grussnai (Gressoney), der tiful hä`mu g`gsinnud`ni sa umbrin z`schlenn. Um dos z`tüann, ist er cheme in Olen mu fassu dan maiste felse dan er häd g`funde im Olenkufer, um ne troge z`oubrust ds Olenhoure, und van do ne umbrintreille fun d`niwwu chilchu. Wa der Liebgott häd dos nid welle nohloh. Wie ds laid mandji ist g`si umbruf halbe weg, häd`s welle garreste; und häd niderg` laid dan tschukke. Ober wia`s umum häd welle ufstoh, und ne fassu z`rikk, häd`s ne nimme g`möge lipfe.
Der groussu gremmi häd`s druf g`schloge mid der fust und g`brillud: prebret! Und der felsu ist g`spolto in zwai. Im selbe augublick häd sich g`lift wie a schworze dicke rauch, und ds laid mandji ist verschwunde. Siters hainds s`mu g`said der prebrestai."
Auffällige, alleinstehende Felsblöcke werden nicht nur in Alagna, sondern auch in Unterbäch und Münster im Wallis, in Gressoney, Vals und Safien als Teufelssteine bezeichnet.
Quelle: "Unterwegs auf Walser Pfaden" von Kurt Wanner.
Walser Sagenweg in Triesenberg
Der Triesenberger "WalserSagenWeg" wurde im Frühjahr 2007 offiziell eröffnet. Dieser ganz spezielle Themenweg soll Einheimischen und Gästen die Geschichte und die Sagen am Triesenberg näher bringen.
Sagen und Legenden
Sagen und Legenden sind ein uraltes Volksgut und gehören als kostbarer Schatz zu unserer Kultur. Sie vermögen uns auch heute noch mit dem Geheimnisvollen, Mystischen und Unerklärbaren, das ihnen eigen ist zu faszinieren und sind bei Kindern und Erwachsenen gleichermassen beliebt.
Der "WalserSagenWeg" möchte dem überlieferten Volksgut der Sagen neue Impulse geben. An den Stationen, die im Streckenverlauf aufgeführt sind kann man eine kleine Auswahl aus dem reichhaltigen Sagenschatz kennen lernen.
Der Weg
Von Hauszeichen geleitet
Der Weg führt durch eine einzigartige Kulturlandschaft. Die Walser Vorfahren haben durch harte Rodungstätigkeit landwirtschaftliche Nutzflächen gewonnen und damit die Kulturlandschaft geformt. Die über das ganze Gebiet verstreuten Ställe und Magerheuhütten sind Zeugen der früheren Wirtschaftsart. Das im Sommer geernetet Heu wurde jeweils ab Herbst nach der Rückkehr aus dem Maiensäss in den Ställen verfüttert. Der Bauer zog wie ein Nomade von Stall zu Stall. Auf der Wanderung kann man sich in Gedanken in diese Zeit zurückversetzen.
Ganz bewusst wurde das Walsermuseum in Triesenberg als Ausgangspunkt für den "WalserSagenWeg" gewählt. Im Walsermuseum kann man die Dorfgeschichte auf lebendige Art erleben. Ein Besuch vor der Begehung des Weges hilft diesen mit anderen Augen zu betrachten.Sagen und Legenden sind kostbares Volksgut. An den Stationen, die im Streckenverlauf aufgeführt sind, kann man eine kleine Auswahl aus dem reichhaltigen Sagenschatz kennenlernen.An den einzelnen Stationen wird man nicht nur durch nüchterne Zahlen, sondern auch Hauszeichen, wie sie früher zur Kennzeichnung der Gebrauchsgegenstände verwendet wurden, geleitet. Zwar kennen auch andere Gemeinden diese Zeichen, doch am Triesenberg waren sie noch lange nach der Einführung der Hausnummern im Jahre 1809 in Gebrauch.WegbeschreibungAusgangspunkt ist das Triesenberger Walsermuseum am Dorfplatz. Nach einer kurzen Strecke talwärts auf der Schloss-Strasse geht es rechts ab auf die Gschinderstrasse und wird der Weiler Gschind und das Wiesengelände von Üerlischboda überquert. Ein kurzer Treppenaufstieg führt zum Tobelweg, an dessen Ende der Weg wieder rechts abbiegt und der Weiler Rotaboda erreicht wird.Im oberen Weilerteil biegt links die Erbistrasse ab. Sie führt durch Wald- und Wiesenhänge über die Mattla und Hinderwasser zur Waldlichtung Erbi. Hier beginnt der etwas steile Aufstieg zum Fahrweg nach Hinder Prufatscheng. Dieser einsame Weiler ist eine alte, auch heute noch ausschliesslich landwirtschaftlich genutzte Walsersiedlung. Er ist eine Oase der Ruhe geblieben.Oberhalb Hinder Prufatscheng, im Oberguad, wird ein alter Stall mit der Jahrzahl 1793 besichtigt und man gelangt dann zum Rastplatz mit Feuerstelle. Hier kann man den überraschend schönen Weitblick ins nördliche Rheintal und die umliegenden Berge der Alvierkette und des Alpsteins geniessen. Die Panoramatafel erläutert die Berggipfel näher.Nach Durchquerung der Erbirüfi gelangt man ins Vorder Prufatscheng und dann vorbei an den Gipslöchern nach Masescha, dem ersten religiösen Mittelpunkt der eingewanderten Walser. Hier beginnt der leicht zu begehende zweite Teil des Weges. Oberhalb der Kapelle Masescha biegt man rechts ab und gelangt am Ende der geteerten Strasse zum Einstieg in den Philosophenweg. Für die Kinder bietet sich hier ein Spielplatz an. Auf dem leicht zu begehenden Wanderweg wird Mitätsch erreicht, wo eine weitere informative Panoramatafel die Berggipfel im südlichen Rheintal erklärt. Über Gnalp gelangt man zum Spielplatz in der Studa mit der grossen hölzernen Sagengestalt des Riesen von Guflina und der Feuerstelle. Hier endet der "WalserSagenWeg". Von der Haltestelle Rizlina kann man den Bus zurück ins Dorfzentrum nutzen.
Der Riese von Guflina
Hoch über Triesenberg wohnte auf Guflina ein starker Bauer. Es war ein Mann von Riesengestalt. Seine Stärke erprobte er an Tannen, die er leicht entwurzelte und mit der Handfläche spielend entastete.
In der Nähe hauste in einer Höhle ein scheusslicher Drache. Er hatte Flügel und Hörner am Kopf. Seine Augen funkelten wie zwei brennende Fackeln. Der Lindwurm überfiel oftmals zur Nachtzeit die Herden und wurde zum Schrecken der Bauern.
Da entschloss sich der Riese, den Kampf mit dem Untier zu wagen und lauerte ihm vor der Höhle auf. Der Drache stürzte sich wutschnaubend auf ihn, und schon fühlte er einen schweren Schlag auf seinen Schultern. Das Ungeheuer versuchte, ihm die mit mächtigen Krallen versehenen Pratzen ins Fleisch zu hacken. Doch der Riese würgte den starken Gegner so, dass dieser tot zu Boden sank. Die Bergleute eilten herbei und es ging ein Jubel durch die Alpentäler. Die Bauern konnten nun ihre Herden wieder sicher auf die Weiden treiben. Der Riese von Guflina hatte sie von schwerer Not erlöst.Literatur: "Sagen aus Liechtenstein" von Otto Seger, Sonderdruck aus Band 65

Handelswege und Märkte, die zum großen Teil schon vor den Walsern im Großraum der besiedelten Gebiete bestanden, boten die Möglichkeit, landwirtschaftliche und handwerkliche Produkte zu vermarkten.
Die Walser errichteten lange Viehtriebe und Wege, um das Vieh auf die oft weit entfernten Märkte treiben zu können und die Dörfer miteinander zu verbinden. So wurde auch der Anschluss an die großen Handelsrouten ermöglicht.Vielfach waren es nur Pfade für Säumer oder einfache Karrenwege. Die lokalen wie auch die großen Handelswegen, von denen heute viele nur noch historische Bedeutung haben, förderten für die Walser die wirtschaftliche Entwicklung. Es wurden Personen und Güter transportiert, häufig weit über die Grenzen der jeweiligen Regionen und Länder.
Viele Walser Händler waren auf diesen Wegen und Märkten tätig. Im überregionalen Handel fanden die Walser Beschäftigung, erlernten Sprachen, den Umgang mit der oft heiklen Verzollung, dem Zahlungsverkehr und manches andere mehr.

Die Geschichte Graubündens ist weitgehend die Geschichte seiner Pässe. Fürs Rheinwald trifft diese Aussage ganz bestimmt zu, denn es gibt wohl kein anderes Bündner Tal, das als Ausgangs-punkt zweier grosser Alpenpässe dient, die während Jahrhunderten eine entscheidende Rolle im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich unseres Kantons gespielt haben: Splügen und San Bernardino. Regelmässig begangen wurden die beiden Pässe bereits zur Römerzeit. Im frühen Mittelalter finden wir nur spärliche Hinweise zum Verkehr auf den beiden Rheinwalder Passrouten, aber im Hoch- und Spätmittelalter erlangten sie eine grosse Bedeutung für Graubünden und weit darüber hinaus.
Es ist auch anzunehmen, dass die um 1270 im Rheinwald eingewanderten Walser schon bald einmal im Transitverkehr einen Teil ihres Auskommens fanden. Ein entscheidendes Ereignis war der Ausbau des Viamala-Weges im Jahre 1473, der einen lebhaften Handel und Warenaustausch zwischen Norden und Süden erst richtig ermöglichte. Bunt war die Fülle der Transitgüter: Getreide, Reis, Salz, Früchte, Butter und Käse, Weine, Häute und Leder, Seide, Leinwand aus Konstanz und St. Gallen, Damast, Barchent aus Como und den Rheinlanden, Samt und Baumwolle, Silberwaren aus Nürnberg, Werkzeuge, Waffen und Rüstungen aus Mailand und Brescia, orientalische Gewürze, Farbstoffe und Öle über die beiden Mittelmeerhäfen Genua und Venedig.
Der Aufschwung des Warentransports und eine dauernde Benutzung der Wege über die Rheinwalder Pässe verlangte eine entsprechende Organisation. Die Lösung wurde in den sog. "Porten" (ital. portare = tragen) gefunden. Sechs solcher Fuhrmannszünfte gab es an der "Unteren Strasse", die von Chur über die Rheinwalder Pässe in die Lombardei führte: Rhäzüns, Thusis mit Cazis und Masein, Schams, Rheinwald, Misox und St. Jakobstal (Valle San Giacomo). Diese Porten besassen ein Transportmonopol: Sie allein durften die Waren transportieren, sie waren aber auch jederzeit dazu verpflichtet. Im weiteren sorgten sie für den Unterhalt von Weg und Steg, wofür sie jedoch ein Weggeld erheben konnten.
Grundsätzlich wurden die Waren von einer Port, bzw. Sust (Warenniederlage) zur andern transportiert. Im Rheinwald existierten nur drei Susten, eine in Splügen, eine auf dem Splügenberg und eine andere in Hinterrhein. Nur dort, wo keine Susten bestanden, brachte man am Abend die Saumlasten jeweils ins eigene Haus; dies ist der Grund für die mächtigen Hausflure in vielen Rheinwalder Häusern. Die Port Rheinwald beförderte die Güter von Andeer bis Splügen, von Montespluga bis Splügen, bzw. vom Bernhardin-Hospiz bis Hinterrhein und Splügen. Diese Verkehrsteilung hatte zur Folge, dass die Waren zwischen Chur und Chiavenna, bzw. Mesocco fünf- oder sechsmal umgeladen werden mussten. Einem raschen Transport war diese Monopolstellung der Porten keineswegs förderlich, und im Sommer kam es oft vor, dass Waren zwischen der Bündner Metropole und der Lombardei statt fünf bis sechs Tage drei bis vier Wochen unterwegs waren.
Trotzdem hielt man an diesem System mit der grössten Zähigkeit fest, und erst 1861, Jahrzehnte nach dem Bau von modernen Strassen über Splügen und Bernhardin, wurden die Portenrechte, die für viele Bündner während Jahrhunderten existenzsichernd waren, durch Bundesbeschluss als Verstoss gegen die Gewerbefreiheit ohne jegliche Entschädigung endgültig aufgehoben. Man darf behaupten, dass der Transitverkehr über die Bündner Pässe früher recht demokratisch und föderalistisch organisiert war. Ein Kaspar Jodok Stockalper beispielsweise, dem es im 17. Jahrhundert gelang, den gesamten Simplonverkehr und vor allem den Salzhandel an sich zu reissen, wäre in Bünden nicht vorstellbar gewesen. Trotzdem muss man festhalten, dass auch hier das Speditionsgeschäft die Angelegenheit einiger weniger, einflussreicher Leute war. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Churer Spediteure Salis, Massner und Bavier, erinnert sei auch an die "führenden Familien" in den Hinterrheintälern. Diese lokale Oberschicht, die sowohl im wirtschaftlichen wie im politischen Bereich eine Spitzenposition einnahm, konnte sich dank des Handels mit italienischen Importgütern, der Einkünfte aus den begehrten Veltliner-Ämtern und den fremden Kriegsdiensten eine solide Geschäftsbasis sichern, die es ihr u.a. erlaubte, prächtige Palazzi in den Rheinwalder Dörfern zu erbauen.
Aber wie sahen denn die Existenzbedingungen für einen durchschnittlichen Säumer aus? In einer "Beschreibung der Gemeinde Splügen im Jahre 1809" heisst es: "Es ist gewiss, dass das Fuhrmannsgewerbe die Männer in ihren besten Jahren entweder hinwegrafft oder in Krankheiten stürzt, die auch zum frühen Tod der gezeugten Kinder führen. 50 Prozent der Menschen sterben zwischen null und zehn Jahren... Der Wohlstand der Gemeinde nimmt - wenige Familien ausgenommen - täglich ab, weil in den Wirtshäusern immer mehr als der Gewinn verzehrt wird." Auch wenn man die Arbeit von Jürg Simonett ("Verkehrserneuerung und Verkehrsverlagerung in Graubünden") durchgeht, so spürt man, dass das Portensystem zwar durchaus dazu führte, dass beinahe jeder Einheimische am Warentransport teilhaben konnte, wobei aber der zu erzielende Verdienst keine hohen Wellen warf. In diesem Zusammenhang muss man sich vor Augen halten, dass zum Beispiel im Rheinwald einst jeder zweite Erwachsene mit dem Warentransport beschäftigt und von diesem abhängig war.
Das Transportwesen war auch immer wieder enormen Belastungen und Gefährdungen ausgesetzt. Schon im 13. Jahrhundert setzten Bemühungen ein, aus dem Gotthardpass einen internationalen Transitweg zu machen, aber auch sonst erwuchs dem Rheinwald immer wieder starke Konkurrenz, die zu einem stetigen Auf und Ab führte: Einmal war es der Brenner im Osten, einmal war es der benachbarte Septimer, oder dann erlebten die Alpenpässe im Westen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Dies führte dazu, dass die Routen über Splügen und Bernhardin immer wieder ausgebaut und verbessert werden mussten, und trotzdem liessen sich recht starke Schwankungen im Transportvolumen nicht ausschliessen. Nach 1650, als in Graubünden nach den Bündner Wirren ruhigere politische Zustände herrschten, begann die Blütezeit des Splügentransits, um 1700 gingen 5000 bis 9000 Saumlasten pro Jahr über den Pass, wiederum 50 Jahre später stieg dann die Zahl auf runde 30'000 Saumlasten! Nach dem Ausbau der Alpenstrassen stieg der Warenumschlag über den Splügen nochmals an und erreichte 1856 mit 27'100 Tonnen seinen höchsten Stand, obwohl der endgültige Niedergang des Rheinwalder Transportverkehrs bereits begonnen hatte. Bis vor einigen Jahrzehnten hatte man allgemein angenommen, einzig die Eröffnung des Eisenbahntunnels durch den Gotthard (1882) sowie der Bau der Brennerbahn (1867) und derjenigen durch den Mont Cenis (1872) hätten dem Warentransit über die Bündner Pässe den Todesstoss versetzt. Dies trifft teilweise zu, denn bereits um 1825, als die neuerbauten Fahrstrassen über die beiden Pässe den traditionellen Säumer überflüssig machten, wurde in den Hinterrheintälern die Existenzfrage erstmals gestellt. Nun konnte man einerseits mit vermindertem Aufwand eine gesteigerte Transportleistung erbringen, andererseits wirkte die Einführung der freien Konkurrenz im Warentransport in die gleiche Richtung, indem sie die den Speditoren nicht genehmen Fuhrleute brotlos machte und eine weitere Reduzierung des Fuhrlohns nach sich zog.
Splügen und Bernhardin darf man als die eigentlichen Lebensadern am Hinterrhein bezeichnen, war einst und ist noch heute hier eine Bevölkerung während langen Zeiten eng mit zwei wichtigen und relativ leicht begehbaren Passübergängen zwischen Norden und Süden verbunden.
Text: Kurt Wanner
Der wichtigste Alpenpass des Oberwallis. Stockalperweg und A9: mit 2008 Metern ü. M. einer der tiefstgelegensten Alpenpässe des Hauptalpenkamms. Zwei Männer haben für diesen Pass eine entscheidende Bedeutung: Kaspar Jodok von Stockalper und Napoleon. Der eine brauchte einen Alpenübergang um Geld zu verdienen, der andere aus militärischen Gründen. Der eine wurde reich durch den Simplon, der andere hat ihn nie gesehen. Beide jedoch haben die enorme strategische Bedeutung des Passes erkannt und ihn den Bedürfnissen der Zeit entsprechend ausgebaut (bzw. ausbauen lassen).
Und beide haben ihre Spuren hinterlassen: Stockalper mit seinen Bauwerken entlang des Weges, als Beispiel sei der Stockalperpalast in Brig gezeigt. Auch der von Stockalper angelegte Weg ist inzwischen rekonstruiert als Wanderweg zu benutzen. Von der Napoleonstrasse ist (fast) nur noch eines erhalten: die Linienführung. Die für den Autoverkehr ausgebaute Strasse folgt weitgehend der von Napoleons Ingenieuren angelegten Route.
1. Die Römerstraße
Wir sehen: Der Simplon hatte zu verschiedenen Zeiten eine enorme internationale Bedeutung. Geradezu beispielhaft lassen sich an der Geschichte des Simplon verschiedene Phasen der "Konjunktur" und "Rezession" eines Alpenpasses zeigen. Menschen überquerten die Alpen in der Gegend des Simplon schon (fast) immer. Frühzeitliche Funde lassen eine prähistorische Nutzung möglich erscheinen, ebenfalls gibt es Indizien für römische Verkehrstätigkeit. Die mittelalterliche Geschichte ist weitgehend unbekannt, historisch belegt ist jedoch die Phase internationaler Bedeutung zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert.

Der Simplon war die kürzeste Verbindung zwischen den Champagner-Messen im Norden Frankreichs und den oberitalienischen Handelszentren, insbesondere Mailand. Im 16. Jahrhundert bedeuteten die Eschentaler Kriege sowie innenpolitische Wirren im Wallis das Ende des Säumerverkehrs über den Simplon.

2. Die Via Stockapler
Nach mehr als einem Jahrhundert der Bedeutungslosigkeit folgte mit Kaspar Jodok Stockalper (1609-1691) eine neue Phase des Handels über den Pass. Stockalper konnte seine ökonomische Erfolge erreichen in einer Zeit, in der das ganze Wallis eine Blütezeit erlebte und auch politisch international bedeutsam war. Stockalper nutzte die internationalen Begleitumstände (30jähriger Krieg, Feindschaft zwischen Frankreich und Spanien) virtuos aus. Er verfügte über das Salzmonopol und besass viele Liegenschaften im Wallis und gelange so zu immensem Reichtum. Daneben belegte er in der Republik Wallis eine Vielzahl wichtiger Ämter. Er organisierte den Verkehr über den Pass neu, baute monumentale Gebäude (den Stockalperpalast in Brig, das alte Spittel, den Stockalperturm in Gondo) und hatte bis zu 200 Säumer in seinen Diensten. Aufgrund seiner Machtfülle wurde er auch "Roi du Simplon" genannt. (Der von ihm benutzte Saumpfad über den Simplon ist vor einigen Jahren rekonstuiert worden und kann als "Stockalperweg" erwandert werden, dazu später mehr.)
3. Die Napoleonstrasse
Auf ein Hoch folgt wieder ein Tief: Nach Stockalpers Entmachtung und seinem Tod verlor der Pass wieder viel seiner Bedeutung, bis der nächste bedeutende Mann in die Geschichte dieses Passes trat, Napoleon. Waren es bei Stockalper die ökonomischen Interessen, die im Vordergrund standen, so setzte Napoleon auf die militärische Bedeutung des Alpenübergangs. Er hat erkannt, dass der Simplon die kürzeste Verbindung zwischen Paris und Mailand ist und wollte dies für seine Expansionspläne nutzen. Im September 1800 befahl er den Bau, von 1801-1805 wurde die Strasse errichtet. Die Leitung des Baus hatte der Strassenbauingenieur Nicolas Céard und trotz aller Probleme mit den ihm unterstellten Ingenieuren, mit den Streitigkeiten zwischen den italienischen und französischen Arbeitern und Ingenieuren und mit der Topographie in der Gondoschlucht konnte das Werk am 9. Oktober 1805 eröffnet werden.
Allerdings war dies zu spät für Napoleon, der für die Rückkehr von seiner Krönung als König Italiens den Mont Cénis wählen musste. Nach dem Ende des Napoleonischen Reichs übernahm das Wallis die Strasse. Sie galt in der damaligen Zeit als technisches Wunderwerk mit ihren Brücken, Galerien und mit ihrer Breite von mindestens 7,2 Metern: zu der ökonomischen kam nun auch eine touristische Bedeutung. Im 19. Jahrhundert erwuchs dem Simplon Konkurrenz durch weitere neu ausgebaute Passstrassen, allen voran der Gotthardpass. Doch viel grössere Konkurrenz kam durch die Bahn, durch den Gotthardtunnel und vor allem den Simplontunnel: Am 1. Juli 1906 fuhr der erste Zug durch den Simplon, in der Folge kam der Verkehr über den Pass fast zum Erliegen. Doch mit dem Aufkommen des automobilen Zeitalters änderte sich dies wieder einmal, heutzutage ist der Simplon dank neu ausgebauter Strasse ein beliebter Übergang für grosse und kleine Autos, zeitweise sehr zum Leidwesen der Radfahrer.
4. Die Nationalstrasse
Im Jahr 1958 wurde mit dem Bau der Nationalstrasse am Simplon begonnen und wie es schon Napoleons Ingenieur Ceard vorgesehen hatte (aber nicht gebaut wurde) schwingt sich die neue Strasse in einem eleganten Bogen durch die Hänge der Brigerbergs nach dem Schallberg, dort aber erst treffen wir auf das Paradestück dieser Passstrasse: die Ganterbrücke und einen leichten S überquert sie in hundert Meter Höhe den Ganterbach. Zwar wurde die Strasse schon 1975 eingeweiht, gebaut wird aber an dieser Strasse immer noch.

5. Der Tunnel
2006: Hundert Jahre Simplontunnel
Der 1898–1905 und 1912–1921 zwischen Italien und der Schweiz erbaute Simplon-Basistunnel war lange Zeit mit 19,82 km der längste Gebirgstunnel der Erde. Am 19. Mai 1906 wurde der Eisenbahntunnel offiziell eröffnet. Die zweite Röhre wurde 1921 fertig gestellt. Bekannt wurde der Tunnel vor allem durch den bis 1977 durch ihn verkehrenden Simplon-Orient-Express.
In Vorarlberg und Tirol
Handelswege
Großes Walsertal
Arlbergpass - St. Anton u. Landeck;
Splügenpass - Chiavenna/Italien;
Warth
Schrofenpass - Oberstdorf;
Hochtannbergpass - Bregenzerwald;
Hochtannbergpass u. Auenfelder - Lech;
Flexenpass - St.Anton u. Landeck u. Bludenz;
Silbertal
Arlbergpass - St. Anton u. Landeck;
Kristbergsattel - Klostertal;
Winterjöchle - St. Anton;
Galtür
Bielerhöhe u. Rotfurka – Klosters;
Fimpass - Samnaun u. Engadin;
Ritzenjoch – Engadin;
Zeinisjoch - Montafon;
BrandLech
Hochalppass – Kleinwalsertal;
Schrofenpass – Birgsau/Oberstdorf;
Flexenpass – Klostertal u. Bludenz;

Flexenpass u. Arlberg - Landeck;Auenfelder u. Hochtannberg – Bregenzerwald; Laterns
Furka – Damüls;
Talstraße - Rankweil;
ins Große Walsertal
Mittelberg/KLW
Oberjoch u. Fernpass – Tirol;
Brenner – Südtirol;
Starzeljoch – Bregenzerwald;
Hochalppass – Tannberg;
Höhenwege links u. rechts der Breitach - Oberstdorf, Kempten;
Märkte und Entfernungen
In einer Stunde Fußmarsch konnten je nach Wegbeschaffenheit und Steigung ca. 2-4 km zurück gelegt werden. Für den Viehtrieb benötigte die Walser
entsprechend mehr Zeit.
Großes WalsertalViehmarkt in Bludenz 15 kmWarthOberstdorf (Allgäu) 25 kmSilbertal Schruns, Bludenz, Landeck (Tirol) 6 – 18 kmGaltür
Ravensburg, Friedrichshafen (Kindermarkt), Fimba, Vermunt, Schruns, Landeck (Viehmärkte) 8 – 130 km
Brand Bludenz 10 – 15 kmLech Oberstdorf (Allgäu), Mittelberg 30 kmLaternsRankweil, Feldkirch, DornbirnMittelberg/KLWOberstdorf, Kempten, Schwarzenberg 15 – 60 km.Überregional wurden Märkte in Österreich, Italien, Ungarn erreicht.
Größere Reiserouten haben die Walserdörfer nicht berührt. Berichtet wird von einer Taverne auf dem Zeinisjoch und einer weiteren in Galtür. Die bescheidenen Gasthöfe boten auch für die Pferde Unterkunft.

Nach Einrichtung der Post erhielten einige Walserorte eine Poststelle, die regelmäßig von Kutschen angefahren wurde und Personen mit Gepäck mitführten.
Transportmittel für Personen und Warenverkehr
Die eingesetzten Transportmittel richteten sich nach der Wegbeschaffenheit und den zu transportierenden Waren. Im Einsatz waren diverse Tragegeräte, ein- oder zweispurige Karren die von Personen, aber auch von Zugtieren (Kühen, Ochsen, Pferde) gezogen wurden. Gegen Lohn tranportierten Säumer als Träger oder mit Saumtieren und Fuhrleute mit Pferdegespann Waren. Für den Personentransport wurden Stellwagen für 6-8 Personen, Landauer für 2-3 Personen sowie Schlitten und Kutschen mit vorgespannten Pferden eingesetzt.

In Vorarlberg und Tirol.
Kaufleute
Großes Walsertal: Sperger - Wirt
Warth Silbertal: Eduard Bitschnau – Wirt u. Fuhrunternehmer
Galtür: Lorenz, Nann, Lenz, Mattle und Türtscher - Wirte
Brand: Kegele, Beck - Wirte
Lech: Pfefferkorn, Walch, Wolf, Rüf – Wirts- u. Kaufleute
Laterns: Vith, Nesensohn – Wirts- u. Kaufleute
Mittelberg/KLWFritz, Matt, Müller - Kaufleute
Handelsgüter
Landwirtschaftliche Produkte wie Käse, Butterschmalz, Rahm, Milch, Honig, Fleisch u. Wildbret, Vieh (vor allem Rinder). Außderdem Holz, Holzprodukte (z.B. Küferarbeiten, Schlitten), Wolle, Felle, Leinenstoffe und Stickereien.
Bekannte Währungen
Kreuzer:
13. bis 19. Jh. Zahlungsmittel in Österreich, der Schweiz und Süddeutschland.
Kreuzer waren Münzen aus unedlem Metall mit einem aufgeprägten Kreuz
Gulden:
1696 erhielt Alt-Amann Johannes Elsässer „für Lohn und Zehrung mit Soldaten nach Bregenz“
12 fl.(Gulden) ausgehändigt.
Taler:
1696 wurden Sonnenberger, Tannberger und Mittelberger in Innsbruck verklagt, da sie Schmalz ausgeführt hatten. Dies war bei „30 Thaler“ Strafe verboten.
Weitere Zahlungsmittel waren:
Schilling, Pfennig, rheinische Gulden, Kronen, Reichsmark, Konstanzer Münzen, Goldgeld,
Napolionòr, Prener, Gröschl.
In Vorarlberg und Tirol
Großes Walsertal
1884 Straßenbau
1917 erstes Lastfahrzeug
1928 Buslinie (wurde später wieder eingestellt)
1948 erster PKW
Warth
Anfang des 20. Jahrhundert
1930 Buslinie
1953 erster PKW
Silbertal
1884 und 1910 u. 1912 nach Hochwässern
1945 erster PKW
1956 Buslinie
Galtür
1887 Talstraße
1954 Silvretta Hochalpenstraße
1927 Buslinie
1927 erster PKW
Brand
1930 Eröffnung der Autostraße
1931 Buslinie
1935 erster PKW
Lech
1897 Bau der Flexenstraße
1925 Buslinie
1934 erster PKW
Laterns
1908-1914 erster Straßenbau
1925 Buslinie1930 erster PKWMittelberg/KLW
1928/29 Straßenbau
1928 erster PKW
1930 Buslinie

Karte mit Linkliste zur der Sbrinzroute, dem Stockalperweg und der Via Cook

Als erste Erschliessung des Walserdorfes gilt die schmale Fahrstrasse, die 1866/67 von Vaduz über den Meierhof nach Triesenberg – Steinord – Lavadina – Kulm (kurzer Tunnel) – zum Steg erstellt wurde
Im Jahre 1872 wurde eine zweite Verbindungsstrasse von Vaduz über Fromahus – Rotenboden nach Gnalp gebaut. 1895 wurde zusätzlich ein Fussweg vom Schloss Vaduz über Grüscha – Eichholz – Litze erstellt. Die erste Autostrasse war die im Jahre 1925 erstellte Schloss-Strasse. 1947 konnte der neue Tunnel Gnalp-Steg eröffnet werden. Damit war die Alpenwelt für den Verkehr erschlossen und nach und nach wurde der bis anhin zaghafte Tourismus belebt.

JE - 25. 7.2006Erst 1867 wurden der Kulmtunnel und die erste Strasse nach Steg gebaut. Bis 1947 war die schmale Strasse über den Kulm der einzige befahrbare Zugang in das Alpengebiet.
Zwischen dem 14. und dem 19. Jahrhundert entwickelte sich das Phänomen der Walseremigration mit folgenden Zielen: Schweizer Mittelland, Elsaß, Lothringen, der Region um Baden und dem Schwarzwald, Bayern, Schwabenland und Vorarlberg.
Die Gressoneyer übersiedelten nach Basel, Bern, Freiburg, Frauenfeld, dem Fürstentum Liechtenstein, Sankt Gallen, Weinfelden, Winterthur und Zürich.
Die Händler erreichten Märkte und saisonale Messen, indem sie Fuhrstraßen und Saumpfaden entlang, durch Täler und über Gletscher gingen, sich oft über kleine Holzbrücken und Stege, aufwärts über in Stein gehauene, kleine Stufen, abwärts durch steile Rinnen vorwärtskämpften.
Ursprünglich erfolgten diese Reisen zu Fuß, mit Anstieg des Verkehrs griff man vermehrt auf Esel und Maultiere zurück.Die Gressoneyer Händler waren nicht gern gesehen, weil sie eine starke Konkurrenz zu den örtlichen Körperschaften darstellten. Die Waren, die sie lieferten und mit denen sie handelten waren Kleiderstoffe, Schürzen, Bettzeug, Seidenstoffe, Hüte, Handschuhe und Strümpfe. Es gab auch Gewürzhändler.
Der Grosse St. Bernhard Pass (Summus Poenius, 2469 m ü. M.) war der wichtigste Alpenübergang zwischen Italien und den Nordprovinzen Gallia und Belgica, zudem war es die direkteste Verbindung nach Britannien. Der Pass wurde von den Römern stark ausgebaut.
Auf der Passhöhe errichteten sie einen kleinen Tempel zu Ehren Jupiterss. Auf dem ältesten Meilenstein der Schweiz aus dem Jahre 47 n. Chr., der nördlich vom Forum Claudii Vallensuim auf der Passroute stand, steht:
Tiberius Claudius Drusi filius Caesar Augustus Germanicus pontifex maximus tribunicia potestate VII imperator XII pater patriae consul IIII Foro Claudii Augusti milia passuum XXI
Übersetzung:
Der Kaiser Tiberius Claudius Caesar Germanicus, Sohn des Drusus, Oberpriester. Im 7. Jahr der tribunischen Gewalt, Imperator zum 12. Male, Vater des Vaterlandes, Consul zum 4. Male von Martigny (F. Claudii Augusti) 21 Meilen.
Andere Passübergänge
Die sekundären Verbindungen über die Westalpen, die nachweislich von den Römern benutzt wurden, sind:
Verbindungen Vallis Poenina mit Italien:
Auf der Nordseite des Vallis Poenina (Berner Alpen) sind folgende Pässe nachweislich von den Römern benutzt worden:
Die kargen Böden, die kurzen Erntezeiten und die langen Winter stellten besondere Anforderungen an die bäuerliche Arbeit. Klimatische und topographische Bedingungen setzten ein hohes Maß an Kenntnis und Erfahrung voraus. Ausgereifte Arbeitsweisen auf den eigenen wie auch auf den gemeinsam genutzten Flächen waren nötig, um eine wirtschaftliche Absicherung zu schaffen.

In großen Familienverbänden war es möglich, das Land, die Almen und die Wälder ertragreich zu bewirtschaften. Es gelang ihnen, durch die kluge Bauweise ihrer Häuser und Wirtschaftsgebäude die Wärme der Sonne zu nutzen. Ebenso entwickelten sie besondere Lagerungsmöglichkeiten, um die landwirtschaftlichen Produkte haltbarer zu machen.
Überschüsse aus den landwirtschaftlichen Produkten wurden in den Handel gebracht. Hingegen mussten viele Güter des täglichen Bedarfs zugekauft werden.
Während das Schlachtvieh der eigenen Verwendung zugeführt wurde, konnte das Zuchtvieh, vornehmlich junge Rinder, auf den Märkten angeboten werden. Der Erlös aus diesem Verkauf war eine ganz wesentliche Einnahme. Ist einem kleinen Bauern das gezüchtete, zum Verkauf anstehende Rind verunglückt oder erkrankt, bedeutete das Armut für ein ganzes Jahr. Die Walser lieferten hochwertiges Vieh und galten als gute Züchter. Es entstand ein lebhafter Handel zwischen den Walserdörfern und den Nachbarregionen, oftmals auch in weiter entfernte Orte.
Die Walser Bauern verfügten über großes handwerkliches Geschick und erbrachten erstaunliche Leistungen, um im eigenen Dorf die notwendigen Aufgaben selbst und unabhängig zu erledigen. So betätigten sie sich z.B. auch als Zimmerer, Maurer, Schuh- und Kleidermacher, Schmiede, Metzger, Schindelmacher, Schreiner, Küfer, Sattler, Weber. Die oft in den ruhigen Wintermonaten angefertigten Güter konnten auch in anderen Regionen angeboten werden. Dies belebte den Handel und führte dazu, dass Handwerker über Monate Arbeit in der Fremde annahmen, um die Existenz der kleinen, heimatlichen Höfe und der Familien zu sichern.
Entsprechend der Entwicklung in den Talschaften entstanden Nebenerwerbe, die sich im Lauf der Jahre oft zu stattlichen Gewerbebetrieben entwickelten. Dadurch veränderten sich die dörflichen Strukturen und neue Einnahmequellen entstanden. Die Industrialisierung in Europa löste die ca. 500 Jahre anhaltende langsame Entwicklung ab. Durch die verkehrsmäßige Erschließung, die Motorisierung sowie die Elektrifizierung kam es auch in den Walser Dörfern zu Veränderungen. Was mancherorts zu wirtschaftlichen Verbesserungen führte, entzog in einigen Orten die Verdienstmöglichkeit. Es kam zu Abwanderungen, viele Dörfer verloren dadurch einen großen Teil der jüngeren Bewohner.
Der im Alpenraum schon im 19. Jahrhundert einsetzende Tourismus war wohl eine der gravierendsten Veränderung in den Walserregionen. Viele ehemals einfache Bergbauern wurden zu Gastgebern. Es entstanden neue Ortsbilder durch Gasthäuser, Hotels, Pensionen, Seilbahnen u. a.. Neue Berufe wurden erlernt und eröffneten neue Verdienstmöglichkeiten.

Tourismus
Waren es anfänglich die „Sommerfrischler“, die mit Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Erholung und zum Wandern die Dörfer besuchten, entdeckten wenige Jahre später die „Wintersportler“ die schneesicheren Walser Täler und Orte.

Der anfänglich starken Entwicklung setzte der 2. Weltkrieg ein jähes Ende. Erst ab 1948 setzte eine Renaissance ein und die schnelle Entwicklung im Tourismus führte zu Veränderungen in den Walser Orten. In den bäuerlichen Siedlungen entstanden moderne Hotels, Pensionen, Skilifte, Schwimmbäder, Wanderwege und andere komfortable Einrichtungen. Einige Walser Gemeinden haben sich durch ihren hohen Standard und ihre Beliebtheit zu international bekannten Tourismusregionen entwickelt. Der Tourismus ist zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige in den Walser Siedlungen geworden.
Die Entwicklung vom bäuerlichen Dorf bis zum heutigen Gastgeber bedeutete für die Bevölkerung eine ungeheure Anstrengung und die Walser haben einen bedeutenden Teil zur touristischen Entwicklung in Vorarlberg und dessen Wertschöpfung beigetragen.
Berufe
Als Bergbauern übten die Walser anfänglich all jene Berufe aus, die für ihr Leben in diesen Höhenlagen erforderlich waren.

Während sie als Laienhandwerker ihren Bedarf abdecken konnten ist daraus später eigenständiges Handwerk als Erwerbszweig entstanden. Z.B.
Wagner, Schlittenmacher, Schmied, Sattler, Schuhmacher, Zimmermann, Maurer, Schneider, Schreiner, Küfer, Schindelmacher, Krämer, Schmuck- und Uhrenmacher, Bäcker, Dachdecker, Drechsler, Träger, Wegmacher, Waldaufseher, Näherin, Korbflechter, Ofensetzer, Gipser, Säumer, Fuhrmann, Frächter, Fach- und Hilfsarbeiter im Straßen-, Wege-, Stollen- und Schutzbau, Stuckateur, Arbeiter bei E-Werkanlagen und Seilbahnen, Brückenbauer, Händler, Söldner, Forstarbeiter. Auch Dienstleister wie Lehrer, Hebamme, Arzt und Heiler kamen dazu.
Viele dieser Berufe konnten nur in der Fremde ausgeübt werden, was zur Folge hatte, dass vielfach Frauen und Kinder die landwirtschaftlichen Aufgaben auf den kleinen Höfen übernehmen mussten und die Männer für einige Monate fortzogen. Bei den Bregenzerwälder Baumeisterzünften fanden viele Männer, vornehmlich aus dem Großen Walsertal, Arbeit.
Ende 19. Jh., mit dem einsetzenden Fremdenverkehr, erkannten die Walser die Chancen und erlernten touristische Berufe. Als Gastwirt, Koch, Bergführer, Schilehrer, Hotel- und Gaststättenpersonal verbesserte sich die wirtschaftliche Situation.
Grandiose Berge. Gipfel, soweit das Auge reicht. Als Blickfang das Matterhorn. Oder der Aletschgletscher im ersten UNESCO Weltnaturerbe der Alpen.
Grandiose Berge. Gipfel, soweit das Auge reicht. Als Blickfang das Matterhorn. Oder der Aletschgletscher im ersten UNESCO Weltnaturerbe der Alpen. Und mittendurch das Rhonetal. Kontrastreiche Feriendestinationen. Heilende Quellen dampfen mit kulinarischen Walliser Spezialitäten um die Wette, im Wein spürt man die Sonne. Das Wallis - von der Natur kunstvoll geschaffene Ferienkulisse für Abenteurer und Geniesser, für Sportler und Müssiggänger, für Trendsetter und Traditionsbewusste - und das Sommers wie Winters.
Unter Tesseln sind Holzstücke oder –stäbe zu verstehen, die mittels eingekerbter Zeichen juristische Tatsachen festhalten.
Sie waren in einem Wirtschaftsystem, das zu einem großen Teil auf Gemeinschaftsbesitz aufbaute, unabdingbar. Die Tesseln verzeichneten als Holzurkunden genaue Rechte und Pflichten der Gemeindemitglieder und schützten so vor Benachteiligung oder Übervorteilung. Sie waren fälschungssicher, indem der Holzstock mit den Kerben geteilt wurde oder eine kleinere Tessel (Beitessel) bei einem Partner des Rechtsgeschäfts verblieb. Nach ihrem Verwendungszweck werden die Tesseln in vier Gruppen eingeteilt. Die „Pflichthölzer“ oder „Kehrtesseln“ verzeichnen eine Leistung (Kehr), die für die Gemeinde zu erbringen ist, wie die Übernahme einer Nachtwache oder des Amtes des Alpvogts. Die „Abrechnungshölzer“ stellen eine Art Buchführung dar. Im bäuerlichen Betrieb besonders wichtig war die Abrechnung der Milch, die die Kühe den Sommer über auf der Gemeinschaftsalpe geliefert hatten. „Forderungs- und Quittungshölzer“ bestätigen ein Bestehen von Schuld oder die Erfüllung einer Verpflichtung. „Rechtsamehölzer“ halten die Mitgliedschaftsrechte an Kooperationen und Geteilschaften fest, etwa die Anteile an der Gemeindealpe oder die Menge an Wasser, die für die Bewässerung der eigenen Wiesen abgeleitet werden darf.

Landwirtschaft bestimmte bis Mitte des 20. Jahrhunderts den Lebensrhythmus der Triesenberger

Bis in die Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts waren die Triesenberger fast ausschliesslich Bergbauern. Die Landwirtschaft, im Besonderen die Viehzucht, war fast die einzige, auf jeden Fall aber die wichtigste Erwerbsquelle der Berger Bevölkerung. Die Bewirtschaftung des landwirtschaftlich genutzten Gebietes, das sich von ca. 600 bis 2000 Meter über Meer ausdehnt, erforderte bei der damaligen Wirtschaftsart, als jeder Handgriff harte Handarbeit war, einen heute unvorstellbaren Kräfteeinsatz.
Der Jahresablauf der Walser Bauern war vor allem geprägt durch den Viehauftrieb und -abtrieb zwischen Heimgut, Stallgütern, Maiensäss und Hochalpe, sowie durch die Heuernten in den verschiedenen Lagen. Anfangs Juni bezog man die Maiensässe. Nach ungefähr drei Wochen wurde das Vieh auf die höher gelegenen Alpen getrieben. Um den 7. – 9. September kehrten die Tiere auf die Maiensässe zurück, wo sie bis Anfang Oktober blieben. Dann wurden sie zu den Gütern im Dorf getrieben, um dort die Wiesen abzuweiden. Nach Allerheiligen kann das Vieh auf die höchstgelegenen Stallgüter.
Nun zog man von Gut zu Gut, um das im Sommer gewonnene Heu zu verfüttern. Mit dem Vieh von Stall zu Stall ziehen wurde als Naahifaara bezeichnet.
Wer im Malbun Besitz hatte, fütterte dort von Allerheiligen bis Weihnachten. Länger zu bleiben hätte niemand gewagt. Oftmals soll es vorgekommen sein, dass die ganze männliche Bevölkerung der Gemeinde Triesenberg in den Tagen vor Weihnachten einen Weg durch den Schnee schaufelte, um den Malbunern mit ihrem Vieh die Rückkehr zu ihrem Heimgut zu ermöglichen. Eine mühsame Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass der Wag damals noch über den Kulm führte. Bis zum Heiligabend mussten alle Bauern das Malbun verlassen haben. Danach gehörte das Malbuntal den Geistern. Hätte es ein Bauer gewagt, länger zu bleiben, so hätte ihm niemand mehr Hilfe geboten.
Einzelsennerei in Triesenberg
typische Walser Wirtschaftsart der Triesenberger Bauern bis 1888.
In der Bewirtschaftung waren die Walser durch Jahrhunderte ihrer Eigenart treu geblieben. Bis 1888 wurde auf ihren Alpen Einzelsennerei betrieben. Jeder Bauer besorgte sein Vieh nicht nur im Maiensäss, sondern auch auf der Hochalpe selbst. Er war der eigene Hirt und Senn. Die Alpen der Gemeinde Triesenberg zählten im Jahre 1879 noch 252 Alpwirtschaftsgebäude, Schäärm, wie man im Volksmund sagt. Die Einzelsennerei erforderte einen sehr grossen Aufwand an Personal und Zeit. Einzelne Alpen sind mehr als zwei Stunden vom Heimgut entfernt. Täglich musste der lange Weg hin und zurück unter die Füsse genommen werden.
Diese mühsame und zeitraubende Wirtschaftsart wurde erst im Jahre 1888 zugunsten der gemeinsamen Alpbewirtschaftung der Hochalpen aufgegeben. Das sogenannte Zämaschütta erfolgte jedoch nicht ohne erheblichen Widerstand von Seite der treu am Alten hängenden Bauern. Vor allem die „Grossbauern“ wollten die alte Wirtschaftsart beibehalten. Fürst Johann II. verhalf der Gemeinschaftssennerei schliesslich zum Durchbruch. Er verkaufte 1887 die Fürstliche Alpe Sücka an die Gemeinde Triesenberg unter der Bedingung, dass sie die gemeinsame Sennerei auf den Hochalpen im Jahre 1888 einführte.
Bis ins 20. Jahrhundert waren die Walser am Triesenberg in den meisten Belangen Selbstversorger.
Nur das Allernotwendigste wurde gekauft. So erstellten die Bauern mit grossem handwerklichem Geschick ihre Häuser und Ställe selbst. Ausser dem gemauerten Fundament wurde alles übrige, von den Wänden bis zum Schindeldach, aus Holz angefertigt. Der Holzbedarf war sehr gross. Holz wurde auch zum Heizen, zum Zäunen und zur Herstellung von verschiedenen Geräten gebraucht. Trotz geringen Ertrages pflanzte man Getreide, Hanf, Flachs und Kartoffeln an. Hochstämmige Obstbäume lieferten Dörrobst, Most und Schnaps. Die Ernährung war sehr einfach. Das Brot wurde vorwiegend selbst gebacken. Frauen und Mädchen arbeiteten im Winter an Spinnrad und Webstuhl. Die Walser waren sehr sparsam. Alles wurde bis zum Äussersten verwertet.Erste Handwerker im DorfSchmied, Küfer, Zimmermann, Schlosser, Schreiber und Schuhmacher waren die ersten Handwerker im Dorf. Einige Werkzeuge im Walser Heimatmuseum bezeugen, mit welch einfachen Hilfsmitteln die Handwerker gearbeitet haben. So ist für uns das Brettersägen mit der Schregsääga kaum mehr vorstellbar. Erst spät wurde die Wasserkraft genutzt. Sie entlastete Schmied und Zimmermann.
Augenmass, eine sichere Hand und ein ausgesprochenes Gefühl für den Werkstoff Holz musste der Weissküfer besitzen, um die Kübel, Brenten, Butterfässer und Holzstanden in unterschiedlicher Grösse und Ausführung herzustellen. Die Kunst des Kübelns brachten die Kolonisten als Allgemeingut schon zur Zeit der Einwanderung aus dem Wallis mit. Der Beruf des Küfers wurde nie schulmässig weitergegeben, sondern stets vom Vater erlernt und ererbt.

Industrie und Dienstleistungen als Haupterwerbsquelle
Triesenberg als Pendlergemeinde.
Liechtenstein ist ein hoch industrialisiertes Land. Viele Industrieunternehmen sind in spezialisierten Marktnischen tätig.

Durch intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit haben es einige heimische Unternehmen geschafft, sich als Weltmarktführer in ihren Bereichen zu etablieren. Die wichtigsten Zweige der sehr stark exportorientierten Industrie sind der Maschinen- und Gerätebau, der Anlagenbau, die Herstellung von Präzisionsinstrumenten, die Dentalindustrie und die Nahrungsmittelindustrie. Das Rückgrat der liechtensteinischen Industrie bilden neben zahlreichen Grossunternehmen die vielen Klein- und Mittelbetriebe des Landes. Der durchschnittliche Betrieb in Liechtenstein hat weniger als 10 Mitarbeiter, diese Mitarbeiter zeichnen sich jedoch durch ihre hohe Qualifikation und Produktivität aus.
In all diesen Bereichen handelt es sich weniger um die Herstellung von Massen- und Billigwaren als vielmehr um die Produktion von Hightech-Produkten.
Der Finanzdienstleistungsbereich stellt einen bedeutsamen, wenn auch nicht den grössten Wirtschaftsbereich der liechtensteinischen Volkswirtschaft dar. Ca. 14 Prozent der Erwerbstätigen in Liechtenstein sind im Finanzdienstleistungsbereich beschäftigt. Im Jahr 2004 entsprach dies 4’248 erwerbstätigen Personen.
Als wesentlich für die Entwicklung des Industrie- und Finanzplatzes Liechtenstein erwiesen sich insbesondere das In-Kraft-Treten des Zollvertrags mit der Schweiz 1924, die Übernahme des Schweizerfrankens als gesetzliche Währung, sowie die Schaffung spezifischer gesellschaftsrechtlicher Grundlagen im Jahre 1926.
Das Kleingewerbe spielt in den liechtensteinischen Gemeinden, so auch in der Walsergemeinde Triesenberg eine bedeutende Rolle. Für Triesenberg ist auch der Tourismus von Bedeutung. Die frühere Haupterwerbsquelle, die Landwirtschaft, ist auf wenige Hauptbetriebe und einige Nebenerwerbsbetriebe geschrumpft.er Grossteil der erwerbstätigen Triesenberger Bevölkerung fährt jeden Tag ins Tal, um den Lebensunterhalt in den dort angesiedelten Industrie- und Dienstleistungsbetrieben zu verdienen. Triesenberg ist zur Pendlergemeinde geworden.
Tourismusgeschichte in Vallorcine
Chamonix zieht die Touristen seit der Eroberung des Mont Blanc 1786 an. Im Vallorcine bleiben sie nicht, sie reisen weiter. Es gibt nämlich keine Unterkunftsmöglichkeit. Sie sehen sich die Wasserfälle an und gehen weiter. Sie kaufen Wein bei den Einwohnern und essen in der Herberge von Semblanet. Diese Herberge bietet im Jahre 1821: Milchprodukte, Eier, Käse, ein schlechter einjähriger Wein und ein altes namenloses Brot.
1849 beschließt die Gemeinde ein Hotel zu bauen, aber dies war nicht rentabel. An den beiden Wasserfällen (Bérard und Barberine) wurden Wege angelegt. Die Besteigung von der Buet ist sehr geschätzt. Der Buet wird „Damen Mont Blanc“ genannt und wird in allen Wanderführern empfohlen.1885 wurde ein Hotel im Buet gebaut (die gleiche Familie bewirtschaft es noch heute) und seit 1886 ist es mit einer Straße erschlossen.
1908 kommt die Eisenbahnlinie bis Vallorcine. Jetzt können die Touristen schöne Wanderungen im ganzen Tal machen. An zwei Bahnhöfen steigen viele Besucher aus, um die Wasserfälle anzuschauen. Es werden neue Hotels gebaut. Die Jäger werden Bergführer und die Jugendlichen von Vallorcine fahren gerne Ski.Nach dem Zweiten Weltkrieg reicht die Landwirtschaft nicht mehr aus, um die Familien zu ernähren. Die Vallorciner müssen sich umstellen und üben mehrere Berufe aus. Die alten Häuser und Sommerställe werden zu Ferienhäusern umgebaut. Viele Zweitwohnungen und ein Campingplatz entstehen. Seit 2004 bringt eine Bahn die Skifahrer bis ins Balme Gebiet, auf der gleichen Bergseite von Chamonix. Ein 4 Sterne Hotel ist geplant.Vallorcine rechnet jetzt mit dem Tourismus und bietet viele Aktivitäten an:Wanderungen mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen, bergsteigen, klettern, canyoning, mountainbiken, angeln, langlaufen und Ski fahren, Pony reiten, Handwerker besuchen, ein Museum, eine Bibliothek.
Industrie in Vallorcine
Wasserkraftwerk
Das Wasser aus den Bergen wird zur Gewinnung elektrischer Energie genutzt.Seit 1975 gibt es ein Wasserkraftwerk nach einem Grunstückstausch mit der Schweiz. Der Staudamm ist auf Schweizer Gebiet . Emosson ist also eine Schweizerisch - Frazösische Gesellschaft mit zwei Partnern, EDF für Frankreich und ATEL für die Schweiz. Der Staudamm sammelt das Wasser der Gletscher von Argentière und du Tour, aus der Bérard, Tré les Eaux, aus dem Val Ferret, Saleinaz und aus Trient. Das Wasserkraftwerk wird vom Kraftwerk la Bâtiaz ferngesteuert (im Vernayaz in der Schweiz). Die Jahresproduktion beträgt ungefähr 900 Millionen Kwh.
Lebensmittel, Rohstoffe und Güter
Früher legte man in Gressoney zur Bebauung auch in großen Höhen Terrassen an. Man pflanzte Gerste und Roggen für das Brot sowie Hanf für Stoffe. Oft wurden auch Kartoffeln angebaut.
Die vielen Weiden ermöglichten die Aufzucht von Ochsen und Schafen, die vor allem Milch und Nebenerzeugnisse lieferten, manchmal auch Fleisch.
Was die ersten Werkstoffe anbelangt, so sind Stein und Holz – vor allem die Lerche – für Konstruktionen zu nennen und das Wasser, das zur Bewässerung in Kanäle gefasst wurde.
Safran in Mund
Im Herbst ab Mitte Oktober findet man oberhalb von Brig beim Walliser Dorf Mund Äcker, auf denen ein violetter Krokus in großer Zahl wächst. Die Krokusart ist ein Zwiebelgewächs und gehört zur Familie der Schwertlilien. Der gelb färbende Farbstoff wird aus den drei herausragenden, roten Narbenschenkeln ("Fäden") gewonnen.

Die Narben enthalten das Glykosid Protocrocin, das beim Lagern in den Farbstoff Crocin und den Bitterstoff Pikrocrocin zerfällt. Letzteres zersetzt sich nach längerem Lagern in Safranal und Glucose. Diese Stoffe machen den typischen Geschmack des Safrans aus. Das Crocin bildet braunrote Nadeln, die in heißem Wasser löslich sind und eine gelbe bis orangerote Lösung ergeben. Crocin stellt ein Digentiobiose-Ester des Crocetins dar und kommt in verschiedenen Krokus- und Gardeniaarten vor.
Geschichtliches
Safran ist einer der ältesten bekannten Farbstoffe für Textilien. Der Name ist von dem arabischen Wort zafaran ("Farbe") abgeleitet. Bereits die alten Ägypter färbten Textilien mit dem gelb färbenden Farbstoff, dies belegen die in den Gräbern gefundenen und mit Safran gefärbten Mumienbinden. Der Safran wurde bereits im 2. Jahrtausend vor Christus auf einer in Keilschrift geschriebenen akkadischen Tontafel erwähnt. Die Pflanze kam aus dem Orient zu den Griechen und später zu den Römern. Der römische Kaiser verwendete ihn als Badezusatz, und im Theater wurden die Sitze für die obere Gesellschaft mit Safranwein besprengt. Die römischen Safranäcker lagen nach den Berichten des Plinius in den Abruzzen und in Sizilien. Die Römer verwendeten den Safran wohl auch als gelbes Pigment. Dies lässt sich auf den Wandmalereien in Pompeji nachweisen. Die Römer verbreiteten den Safran bis nach Frankreich (Provence und Langedoc), wo der Safran noch heute vereinzelt zu finden ist.
Im frühen Mittelalter kam der Krokus mit der Ausbreitung des Islams nach Europa und Nordafrika. In Spanien ist die Safranpflanze seit dem 9. Jahrhundert bekannt. Die heutigen Produktionsgebiete liegen in den Provinzen Murcia, Andalusien, Valencia und vor allem auch auf den Inseln Mallorca und Menorca. Spanien stellt 90% des gegenwärtigen Weltbedarfs an Farbstoff her. Um 1420 baute die Stadt Basel den Krokus an und handelte mit dem gewonnenen Farbstoff. Aufgrund von Klimaveränderungen gedieh der Safran jedoch nicht in Basel, so dass die Safranäcker in Mund die einzigen nennenswerten Vorkommen in der heutigen Schweiz darstellen.
Ende September sieht man unterhalb des Dorfes Mund trockene Äcker, die scheinbar brach liegen. Doch im feinsandigen, lockeren Boden stecken in 15-20 cm Tiefe die Safranzwiebeln. In Mund wird im September in den gleichen Boden noch Roggen gesäht, der im Sommer des folgenden Jahres geerntet wird. An den Regentagen Mitte Oktober ist es dann so weit: Die Zwiebeln beginnen zu sprießen, und innerhalb eines Tages durchbrechen die Keimlinge den Boden und beginnen zu blühen. Am späten Nachmittag ist auf dem Safranacker ein violettes Blütenmeer zu sehen, am Abend erfolgt die Ernte. Es werden die ganzen Blüten geerntet. Noch in der gleichen Nacht zieht man die Narben aus den Blüten. Die Trocknung erfolgt in einem schattigen und luftdurchströmten Raum. Zur Erhaltung des Aromas werden die Narben in einem dunklen Gefäß aufbewahrt. Zur Gewinnung von einem Kilogramm Narben werden in Mund 130000 Blüten oder 390000 Fäden benötigt. Beim Trocknen verlieren die Fäden vier Fünftel ihres Gewichts. Die Jahresernte in Mund liegt bei bis zu drei Kilogramm Fäden pro Jahr.
Durch Extraktion mit Wasser erhält man eine gelbe Lösung des Farbstoffes. Noch in einer Verdünnung von 1:200000 ist die gelbe Farbe des Farbstoffes sichtbar. Der Farbstoff kann mit Hilfe eines Trägermaterials auch zu einem gelben Pigment verarbeitet werden (siehe Abbildung). Die getrockneten Safranfäden erzielen hohe Preise. Im Jahre 2003 betrug der Preis bei Kremer-Pigmente für 1kg Safranfäden um die 2000 Euro. Für gute Qualität wird in Mund auch mehr bezahlt, doch dort dient der Safrananbau hauptsächlich zur Zubereitung von Safrangerichten in den umliegenden Restaurants.
Verwendung
Safran ist ein begehrter gelber Farbstoff und ein wohlschmeckendes Gewürz. In Mund sollte man es sich nicht entgehen lassen, in einem Restaurant Safranrisotto, Safrannudeln oder eine Safransuppe zu essen. Auch Brot oder Wein wird gelegentlich mit Safran verfeinert. Im Gegensatz zur (helleren) Gelbfärbung der Curcuma färbt der Safran die Speisen orangegelb. Safran diente früher auch als Farbkomponente für Parfüms, Haarwässer und Likörs.
Die wässrige Farbstoff-Lösung lässt sich in einer Direktfärbung für Wolle, Seide und Baumwolle verwenden. Es ist kein Vorbeizen der Stoffe erforderlich. 2,5 Gramm der Safranfäden werden zunächst über Nacht in 300ml kaltes Wasser gelegt. Am nächsten Tag kocht man die Farbstofflösung, lässt auf 40°C abkühlen, legt dann die zu färbenden Textilien hinein und erwärmt auf 80°C. Nach 30 Minuten erhält man eine schöne Färbung. Schon bei den Frauen der alten Griechen waren mit Safran gefärbte Gewänder sehr begehrt. Die gelben Gewänder der chinesischen Kaiser waren ein wichtiges Status- und Machtsymbol. Die Farbe Gelb im alten China verkörperte aber auch Glückseligkeit, Ruhm und Weisheit.
Walliser Trockenfleisch
Stark mit der Walliser Identität verbunden ist das Walliser Trockenfleisch, eines der einfachen aber echten Gerichte, die den Reichtum der regionalen Gastronomie ausmachen.
Das Trockenfleisch ist der Erfolg eines Know-how, das sich seit mehreren Jahrhunderten entwickelt hat, um das Fleisch zu erhalten und dauerhafte Reserven zu schaffen. Das Walliser Trockenfleisch hat sich seinen Ruf damit aufgebaut, weil es nicht geräuchert wurde. Das besonders trockene und sonnige Klima im Wallis, sowie die häufigen Winde längs des Rhonetals und seinen Seitentälern, erlaubten den Walliser Familien das Fleisch eher zu trocknen als es zu räuchern.
Herstellungsmethode
Das Walliser Trockenfleisch wird aus den besten Stücken der Oberschenkel der Kühe gewonnen. Die sorgfältig ausgewählten Fleischstücke werden etwa 5 Wochen lang in einem Gemisch von Salz, Kräutern und Gewürzen gewälzt, dessen Rezept ein Geheimnis jedes Fabrikanten ist.
Anschliessend werden die Stücke mehrere Wochen lang zum Trocknen aufgehängt. Der Gewichtsverlust beträgt 40 bis 50% des intialen Gewichts. In dieser Phase erscheinen die typischen Aromen des Trockenfleisches.

Walliser Trockenwurst – Hauswurst / Hüsswurscht
Die Trockenwurst wurde nun während des Jahres zusammen mit Trockenfleisch, Hamme und Käse mit Roggenbrot als „Spiis“ (vgl. Walliserteller) zur Zwischenmahlzeit oder als Nachtessen einenommen. Sie wurde in dünne Scheiben geschnitten und als Wursträdchen verzehrt.
Die Walliser Trockenwurst wird wie das Trockenfleisch oder die Hamme (Rohschinken) an der Luft getrocknet.Nach dem Metzgen (Schlachten) im November, Dezember wird das gewürzte und gemischte Wurstbrät während zwei, drei Tagen im Keller gelagert und dann in Schafs- oder Schweinedärme gefüllt und zuerst im Keller übertrocknet. Anschliessend kommen die Wurstschlangen in den Estrich. Da der Estrich unbeheizt war, musste man die nächsten 14 Tage bis drei Wochen die Wurst ständig überwachen, damit sie nicht überfriert (sonst wird sie ranzig), also deckte man die Würste mit Decken und Mänteln (Kaputt = Armeemantel) ab oder zügelte sie zwischendurch wieder in den Keller.
Die Trockenwurst wurde nun während des Jahres zusammen mit Trockenfleisch, Hamme und Käse mit Roggenbrot als „Spiis“ (vgl. Walliserteller) zur Zwischenmahlzeit oder als Nachtessen einenommen. Sie wurde in dünne Scheiben geschnitten und als Wursträdchen verzehrt.
Die Rezeptur war fast von Familie zu Familie verschieden: Rindfleisch, Pferdefleisch, Schweinefleisch und Schweinespeck; da aber Fleisch Mangelware war, wurde die Wurst mit Lauch, Kartoffeln gestreckt und Randen gaben der Wurst eine schöne rote, „fleischige“ Färbung. Berühmt war hier die Saaserwurst, die mehr ein Gemüsewurst war, so dass Spötter sagten, diese Wurst könne man auch an einem Freitag (Abstinenztag) essen.

Bezeichnend ist der Witz: ein Saaser macht seine Hauswurst immer nach der gleichen Rezeptur in der gleichen Menge und das ergab immer genau 100 Würste. Als er plötzlich nur noch 99 Würste herstellen konnte, begann er zu studieren, was wer wohl vergessen haben könnte und nach langem Hin und Her fiel es ihm plötzlich ein – das Fleisch.
Noch heute machen viele Familien ihre Wurst selber, zwar wird nicht mehr selber geschlachtet, aber man kauft im Herbst das Fleisch und die Därme ein und verfertigt die Wurst nach eigener Rezeptur
Viel Metzgereien haben sich heute der Produktion dieses Lebensmittels angenommen und jede hat ihre eigene Spezialität, verwurstet werden heute praktisch alle Fleischsorten, so kann man neben der traditionellen Wurst auch Schafs-, Hirsch-, Gems- oder Ziegenwurst finden. In der Rezptur gibt es auch verschiedene Experimente, so würzt z.B. der Metzger aus Turtman sein Wurst mit Alpenkräutern und – blumen; eine seiner Spezialitäten ist eine Alpenrosenwurst. Getrocknet werden die Würste heute in eigenen Trocknungsräumen, in denen man auch das Trockenfleisch oder die Hamme produziert
Walliser Roggenbrot
Der Roggen war lange der Hauptbestandteil der täglichen Nahrung. In den Walliser Dörfern wurde der Dorfbackofen, aber nur 2 oder 3 Mal im Jahr in Betrieb genommen. Man musste also ein rustikales Brot backen, das gegen Verfall widerstandsfähig war.
Der Roggen wird im Wallis seit Jahrhunderten angebaut, weil er dort auf günstige Bedingungen gestossen ist. Es ist in der Tat das einzige Getreide, das sich diesen Produktionsbedingungen anpassen kann.Der Roggen war lange der Hauptbestandteil der täglichen Nahrung. In den Walliser Dörfern wurde der Dorfbackofen, aber nur 2 oder 3 Mal im Jahr in Betrieb genommen. Man musste also ein rustikales Brot backen, das gegen Verfall widerstandsfähig war.
Die Eigenschaften des Walliser Roggenbrotes beziehen sich neben seiner Zusammensetzung, auf die Anwendung von Sauerteig, was die frische Dauer des Brotes verlängert und ihm eine besondere Säure verleiht. Die charakteristisch lange Gärung, gibt ihm schliesslich sein typisch krustiges Aussehen. Symbol des Schwarzbrotes, des Brotes der Armen, ist das Roggenbrot der unentbehrliche Begleiter des traditionellen Walliser Tellers.

AOC: Hauptpunkte des Pflichtenhefts
Die Produktion des Getreides und die Verarbeitung in Mehl und Brot geschehen ausschliesslich innerhalb der Grenzen des Kanton Wallis.
Das Getreide muss nach einer umweltfreundlichen Methode produziert werden.
Roggen-und Weizenmehl, Backhefe, Salz und Wasser sind die einzig benutzten Rohstoffe. Es müssen dabei mindestens 90% Roggen verwendet werden.Die anderen Anforderungen betreffen die Qualität des Getreides und seine Umwandlung in Mehl, das Rezept, die Fabrikationsetappen des Brotes, sowie seine Form und sein Geschmack.
Das Pflichtenheft wird von der interkantonalen Zertifizierungsstelle kontrolliert
Walliser Rohschinken: Walliser Hamme
Das ist kein roher Schinken, wie der Ausdruck vermuten lässt, sondern ein luftgetrockneter Naturschinken. Für den Walliser Rohschinken werden nur ausgesucht vollfleischige Hinterschinken schweizerischer Edelschweine verwendet. Damit diese Schinken ihren typischen, dezenten Geschmack beibehalten, werden sie in einer eigens für das Schweinefleisch komponierten Gewürzmischung und mit speziellen Kräutern während vier bis sechs Wochen eingelegt.
Danach reift der Schinken, unterbrochen von mehrmaligem Pressen, während fünf bis sieben Monaten in der klaren Bergluft. Die Lufttrocknung entzieht dem Schinken knapp die Hälfte seines Wassergehaltes. Das macht ihn lange haltbar, sehr schmackhaft und zart. Die Hamme enthält praktisch keine Kohlenhydrate. Dafür typisch für einen Schinken enthält er etwas Fett (etwa zwölf Prozent). Zusammen mit etwa einem Drittel hochwertigem Protein in Form von mürbem, hellrotem Schweinefleisch macht ihn das zu einem gehaltvollen, vollmundigen Leckerbissen.
Rohschinken lässt sich gekühlt und trocken gelagert mehrere Monate halten. In Tranchen aufgeschnitten bleibt er nur für einige Stunden in Farbe und Aroma optimal. Damit sich der volle Geschmack entfalten kann, sollten die Tranchen zehn bis fünfzehn Minuten vor dem Essen aufgeschnitten und bei Zimmertemperatur belassen werden.

Törbjer Tulpe (Törbel Wallis)
Eine Rarität aus dem Vispertal
Die Törbjer TulpeTulipa sylvestris, Fam. Liliaceae, Weinberg-Tulpe, Tulipe sauvage, Tulipano dei campi,20-50 cm hoch, Stengel mit 2-3 Blättern. Diese schmal-lanzettlich, bis 20 cm larc und 2cm breit. Blüten einzeln, endständig, aufrecht. Perigonblätter 6, gelb, breit-lanzettlich, spitz, an der Spitze fein behaart. Staubblätter 6, Staubfäden am Grunde dicht behaart. Narbenkopf schmäler als der Fruchtknoten. Frucht eire 3fächerige, vielsamige Kapsel.UnterartaustrálisSüdliche Tulpe
Blüten vor dem Aufblühen aufrecht. Aussz. Perigonblätter, aussen rot überlaufen. Fruchtkapsel etwa gleich lang wie dick.
5-5. Bergwiesen, felsige Hänge, montan-subalpin. VS, 0,3+0,5%.
Kommt in Törbel an zwei Orten vor: in Burgu und bei der Antoniuskapelle an der Strasse Richtung Moosalpe


Die Walserwege sind historische Wanderwege im Alpenraum, die den Spuren der Walser folgen, eines deutschsprachigen Volks, das im Mittelalter aus dem Wallis in andere hochgelegene Alpenregionen auswanderte. Heute verbinden diese Wege zahlreiche Orte in den Alpen und machen die Geschichte, Kultur und Siedlungen der Walser auf erlebnisreiche Weise erlebbar.
Die Walserwege sind ein Netzwerk historischer Wanderwege im Alpenraum, das an die Wanderbewegungen der Walser im Mittelalter erinnert. Dieses deutschsprachige Volk wanderte ab dem 12. und 13. Jahrhundert aus dem Wallis in verschiedene hochgelegene Regionen der Alpen aus und gründete dort neue Siedlungen.
Heute führen die Walserwege durch beeindruckende Berglandschaften und verbinden Orte in der Schweiz, Österreich, Liechtenstein und Italien. Entlang der Routen können Wandernde nicht nur die Natur der Alpen erleben, sondern auch mehr über die Kultur, Sprache und Geschichte der Walser erfahren, die bis heute viele dieser Regionen prägen.
Viele der Wege verlaufen über alte Saum- und Handelsrouten, die früher für den Austausch zwischen den Bergdörfern genutzt wurden. Informationstafeln, Museen und traditionelle Walserhäuser entlang der Strecke geben Einblicke in das Leben der Menschen in den Alpen und zeigen, wie sie sich an die oft schwierigen Bedingungen der Hochgebirgslandschaft angepasst haben.
Besonders in Regionen wie dem Großes Walsertal, dem Kleinwalsertal oder in Teilen Graubündens sind die Spuren der Walser bis heute deutlich sichtbar. Ortsnamen, Dialekte, Bauweisen und Bräuche erinnern an die Geschichte dieser Siedler, die in abgelegenen Tälern eine neue Heimat fanden.
Die Walserwege sind deshalb nicht nur Wanderstrecken, sondern auch kulturelle Routen. Sie verbinden Naturerlebnis mit Geschichte und machen deutlich, wie stark die Besiedlung der Alpen durch Migration, Anpassung und Zusammenarbeit geprägt war.
Am 4. Juni 2010 wurde durch die Walservereinigung Graubünden mit der Buchvernissage des Wanderführers "Walserweg Graubünden" von Irene Schuler, erschienen im Rotpunktverlag und einem kleinen Symposium im Tagungszentrum in Chur der Walserweg Graubünden offiziell eröffnet.
Es ist auch anzunehmen, dass die um 1270 im Rheinwald eingewanderten Walser schon bald einmal im Transitverkehr einen Teil ihres Auskommens fanden. Ein entscheidendes Ereignis war der Ausbau des Viamala-Weges im Jahre 1473, der einen lebhaften Handel und Warenaustausch zwischen Norden und Süden erst richtig ermöglichte. Bunt war die Fülle der Transitgüter: Getreide, Reis, Salz, Früchte, Butter und Käse, Weine, Häute und Leder, Seide, Leinwand aus Konstanz und St. Gallen, Damast, Barchent aus Como und den Rheinlanden, Samt und Baumwolle, Silberwaren aus Nürnberg, Werkzeuge, Waffen und Rüstungen aus Mailand und Brescia, orientalische Gewürze, Farbstoffe und Öle über die beiden Mittelmeerhäfen Genua und Venedig.
Der Aufschwung des Warentransports und eine dauernde Benutzung der Wege über die Rheinwalder Pässe verlangte eine entsprechende Organisation. Die Lösung wurde in den sog. "Porten" (ital. portare = tragen) gefunden. Sechs solcher Fuhrmannszünfte gab es an der "Unteren Strasse", die von Chur über die Rheinwalder Pässe in die Lombardei führte: Rhäzüns, Thusis mit Cazis und Masein, Schams, Rheinwald, Misox und St. Jakobstal (Valle San Giacomo). Diese Porten besassen ein Transportmonopol: Sie allein durften die Waren transportieren, sie waren aber auch jederzeit dazu verpflichtet. Im weiteren sorgten sie für den Unterhalt von Weg und Steg, wofür sie jedoch ein Weggeld erheben konnten.
Grundsätzlich wurden die Waren von einer Port, bzw. Sust (Warenniederlage) zur andern transportiert. Im Rheinwald existierten nur drei Susten, eine in Splügen, eine auf dem Splügenberg und eine andere in Hinterrhein. Nur dort, wo keine Susten bestanden, brachte man am Abend die Saumlasten jeweils ins eigene Haus; dies ist der Grund für die mächtigen Hausflure in vielen Rheinwalder Häusern. Die Port Rheinwald beförderte die Güter von Andeer bis Splügen, von Montespluga bis Splügen, bzw. vom Bernhardin-Hospiz bis Hinterrhein und Splügen. Diese Verkehrsteilung hatte zur Folge, dass die Waren zwischen Chur und Chiavenna, bzw. Mesocco fünf- oder sechsmal umgeladen werden mussten. Einem raschen Transport war diese Monopolstellung der Porten keineswegs förderlich, und im Sommer kam es oft vor, dass Waren zwischen der Bündner Metropole und der Lombardei statt fünf bis sechs Tage drei bis vier Wochen unterwegs waren.
Trotzdem hielt man an diesem System mit der grössten Zähigkeit fest, und erst 1861, Jahrzehnte nach dem Bau von modernen Strassen über Splügen und Bernhardin, wurden die Portenrechte, die für viele Bündner während Jahrhunderten existenzsichernd waren, durch Bundesbeschluss als Verstoss gegen die Gewerbefreiheit ohne jegliche Entschädigung endgültig aufgehoben. Man darf behaupten, dass der Transitverkehr über die Bündner Pässe früher recht demokratisch und föderalistisch organisiert war. Ein Kaspar Jodok Stockalper beispielsweise, dem es im 17. Jahrhundert gelang, den gesamten Simplonverkehr und vor allem den Salzhandel an sich zu reissen, wäre in Bünden nicht vorstellbar gewesen. Trotzdem muss man festhalten, dass auch hier das Speditionsgeschäft die Angelegenheit einiger weniger, einflussreicher Leute war. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Churer Spediteure Salis, Massner und Bavier, erinnert sei auch an die "führenden Familien" in den Hinterrheintälern. Diese lokale Oberschicht, die sowohl im wirtschaftlichen wie im politischen Bereich eine Spitzenposition einnahm, konnte sich dank des Handels mit italienischen Importgütern, der Einkünfte aus den begehrten Veltliner-Ämtern und den fremden Kriegsdiensten eine solide Geschäftsbasis sichern, die es ihr u.a. erlaubte, prächtige Palazzi in den Rheinwalder Dörfern zu erbauen.
Aber wie sahen denn die Existenzbedingungen für einen durchschnittlichen Säumer aus? In einer "Beschreibung der Gemeinde Splügen im Jahre 1809" heisst es: "Es ist gewiss, dass das Fuhrmannsgewerbe die Männer in ihren besten Jahren entweder hinwegrafft oder in Krankheiten stürzt, die auch zum frühen Tod der gezeugten Kinder führen. 50 Prozent der Menschen sterben zwischen null und zehn Jahren... Der Wohlstand der Gemeinde nimmt - wenige Familien ausgenommen - täglich ab, weil in den Wirtshäusern immer mehr als der Gewinn verzehrt wird." Auch wenn man die Arbeit von Jürg Simonett ("Verkehrserneuerung und Verkehrsverlagerung in Graubünden") durchgeht, so spürt man, dass das Portensystem zwar durchaus dazu führte, dass beinahe jeder Einheimische am Warentransport teilhaben konnte, wobei aber der zu erzielende Verdienst keine hohen Wellen warf. In diesem Zusammenhang muss man sich vor Augen halten, dass zum Beispiel im Rheinwald einst jeder zweite Erwachsene mit dem Warentransport beschäftigt und von diesem abhängig war.
Das Transportwesen war auch immer wieder enormen Belastungen und Gefährdungen ausgesetzt. Schon im 13. Jahrhundert setzten Bemühungen ein, aus dem Gotthardpass einen internationalen Transitweg zu machen, aber auch sonst erwuchs dem Rheinwald immer wieder starke Konkurrenz, die zu einem stetigen Auf und Ab führte: Einmal war es der Brenner im Osten, einmal war es der benachbarte Septimer, oder dann erlebten die Alpenpässe im Westen einen wirtschaftlichen

Der Walserweg Graubünden bildet das Kernstück des Projekts "Auf Walserspuren durch Graubünden", einem neuen kultur- und naturnahen Tourismusprojekt der Walservereinigung Graubünden (WVG). Auf einer rund 300 km langen Wanderstrecke in 19 Tagesetappen von San Bernardino bis Brand (A) im vorarlbergischen Montafon soll den Wandernden nicht ausschliesslich ein eindrückliches Wandererlebnis vermittelt werden. Es geht auch darum, die Kultur der Walser zu entdecken, die Walserkost oder die Sprache der Walser kennen zu lernen. Der nun veröffentlichte Wanderführer wurde verfasst von der Projektleiterin Irene Schuler, angereichert mit Beiträgen von Fachleuten wie Georg Jäger, Martin Bundi, Florian Hitz, Thomas Gadmer, Jürg Paul Müller und vielen mehr.
Peter Loretz, der Präsident der Walservereinigung Graubünden konnte eine große Schar interessierter Zuhörer begrüßen. Er ging bei seinen Begrüßungsworten noch einmal auf die lange Vorgeschichte des Projekts "Walserweg Graubünden" ein. Bereits vor 20 Jahren verfolgte die Schweizerische Verkehrszentrale die Spuren des "Grossen Walserwegs", doch konnte aus Sicherheitsgründen die ganze Route offiziell für den Langsamverkehr nie freigegeben werden. Unmittelbar danach haben Kurt Wanner und seine Frau Franca den "grossen Walserweg" unter die Füsse genommen und die Erlebnisse, Erfahrungen und Recherchen vor Ort führten zu dem bereits vergriffenen Wanderführer "Unterwegs auf Walserpfaden", den die WVG heraus gegeben hatte und sich erstmals in den Dienst eines sanften Tourismus stellte. Ein weiteres Projekt zum Kulturtourismus enstand im Zusammenhang mit dem Interreg-Projekt: Safiental - Ruinaulta. Vom Safierberg zur Rheinschlucht - Walserkultur - Wanderungen - Wintertouren. Ausgehend von der Diplomarbeit von Frau Irene Schuler mit dem Titel "Konzept Walser Weitwanderweg Graubünden" wurde ein Projekt erarbeitet, das nicht nur Wandergäste in die Region bringen, sondern auch Entwicklungsimpulse in den Regionen und Orten auslösen soll. Frau Irene Schuler wurde von der WVG als Projektleiterin eingesetzt und kann nun den Walserweg Graubünden offiziell vorstellen. Das Projekt wird finanziell unterstützt von der Schweizer Berghilfe, dem Bund (Modellvorhaben "Synergien im ländlichen Raum") sowie dem Kanton Graubünden.
Nach den Grußworten von Regierungsrat Martin Schmid und Worten von Andreas Simmen, Programmleiter des Rotpunktverlags, stellten Irene Schuler und Nicole Gadmer Kayser den Walserweg Graubünden, den Wanderführer und die Schwerpunkte rund um den Walserweg Graubünden vor. Dieser Weg von San Bernadino bis zum Schweizer Tor ist eine ViaRegio-Route der Kulturwege Schweiz und wurde durchgehend mit der Schweiz-Mobil-Routennummer 35 versehen und signalisiert.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts „Walserweg Graubünden“ sind die Schwerpunktprojekte. In entlegenen Regionen werden touristische Zusatzangebote entwickelt, die den Walserweg für die Wanderer bereichern und der lokalen Bevölkerung einen Nebenverdienst ermöglichen sollen. Die Schwerpunktprojekte werden von der Fachstelle für Tourismus und Nachhaltige Entwicklung in Wergenstein, in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung, entwickelt und begleitet. Zur Eröffnung des Walserwegs Graubünden im Juni 2010 wurden die ersten drei Schwerpunktprojekte definiert:
Mehr Informationen finden sich unter www.walserweg.ch
Mit dem im Rotpunktverlag erschienenen "Walserweg Graubünden - In 19 Etappen vom Hinterrhein in den Rätikon" ist Irene Schuler ein großartiger Wanderführer gelungen. Auch wenn das über 300 Seiten starke Buch für den Rucksack fast schon zu schwer scheint, kann man das Buch jedem Walserwegfreund nur auf das wärmste empfehlen. Neben den sehr detaillierten Etappenbeschreibungen und touristischen Informationen gibt es sehr viele Fachbeiträge zu den einzelnen Etappenorten. Neben der Geschichte finden sich so interessante Artikel wie "Potenzialarme Brache", "Die Walserdialekte in Graubünden", "Auf Kosten der Romanen ...?", "Walser und Walserbewusstsein" und viele mehr. Sehr gelungen ist das Kästchen mit der Erklärung von Orts- und Flurnamen für jeden Etappenort. Sehr ansprechend sind auch die vielen Bilder, die dem Leser sofort die Lust vermitteln, aufzubrechen und den Walserweg unter die Füsse zu nehmen.
Als weiteren Referenten konnte die WVG für diesen Abend Herrn Dominik Siegrist, Präsident von CIPRA International, gewinnen, der einen Vortrag über die Alpen als Brachland oder Laboratorium für nachhaltige Entwicklung hielt
Der gelungene Anlass wurde bei einem Aperetiv mit interessanten Gesprächen im angrenzenden B12 caffé & bar abgerundet.
Stefan Heim
Der Walserweg Vorarlberg ist ein Weitwanderweg, der sich in 25 Etappen über rund 450 Kilometer durch die Walser Gemeinden und Talschaften im „Ländle“ erstreckt. Zusätzlich wurden die Gemeinden Triesenberg in Liechtenstein und Galtür in Tirol einbezogen.
Bei der Vorarlberger Walservereinigung war schon früh die Idee präsent, einen Wanderführer für das Land zu verfassen. Nach der erfolgreichen Umsetzung in Graubünden war es naheliegend, diese Idee auch in Vorarlberg zu verwirklichen. Der Walserweg Vorarlberg versteht sich als Fortsetzung des Walserwegs Graubünden und hat aus diesem Grund Brand als Ausgangspunkt ausgewählt, das als Endpunkt des Walserweg Graubünden über St. Antönien im Prättigau erreicht wird. Endpunkt des Walserwegs Vorarlberg ist Galtür im hintersten Tiroler Paznaun.
Die Lage der Walsergebiete in Vorarlberg machte es schwierig einen durchgehenden Weitwanderweg zu schaffen. Einfacher wäre es gewesen, eine Art Sternwanderung oder einzelne, kürzere kleinräumigere Rundwanderungen zu beschreiben. Beim Walserweg Vorarlberg wurde bewusst eine äußerst gewundene Streckenführung in Kauf genommen. Einerseits sollten möglichst alle 19 Mitgliedsgemeinden der Vorarlberger Walservereinigung als Etappenort eingebunden werden, andererseits gibt die Wegführung so auch die Möglichkeit, nicht nur die Kernbereiche, sondern auch die meisten der zum Teil fast vergessenen Randbereiche der Vorarlberger Walserorte näher kennenzulernen. In Zusammenarbeit mit der Vorarlberger Walservereinigung und Irene Schuler, der Initiatorin des Walserweg Graubünden, wurde der 450 km lange Walserweg Vorarlberg von Stefan Heim ausgearbeitet.
Im April 2013 ist passend zum 700-Jahr-Jubiläum der Walser in Vorarlberg ein Kultur- und Wanderführer von Stefan Heim, herausgegeben von der Vorarlberger Walservereinigung, beim Tyrolia-Verlag erschienen. Fachbeiträge zur Walser Geschichte, Architektur, Sprache und Bewusstsein von Univ.-Prof. Dr. Alois Niederstätter, Jean-Pierre Anderegg, Karl Keßler und Jodok Müller bereichern zusätzlich das Buch.
Die offizielle Vorstellung des Buches war beim Festakt "700 Jahre Walser in Vorarlberg", Kirchentag und Generalversammlung am 9. Juni 2013 in Damüls. Der Autor stellte das Buch persönlich bei der Kulturveranstaltung "Brüüge 2013" am 11. Juni 2013 im Kleinwalsertal vor.
Walserweg Vorarlberg
Das Laternsertal, das Große und Kleine Walsertal, das Silbertal, der Tannberg, Damüls und Ebnit – sie alle verbindet eine gemeinsame Geschichte, die im 13. Jahrhundert im Wallis ihren Anfang nahm. In 25 Etappen, von Genusswanderungen bis zu anspruchsvollen Tagestouren, führt diese Weitwanderroute durch eine wunderschöne Alpenlandschaft – durch Hochgebirge, über Grate und Pässe, durch herrliche Täler – und erstreckt sich bis ins benachbarte Tirol und Fürstentum Liechtenstein. Neben der Vielfalt an landschaftlichen Schönheiten hat der Walserweg Vorarlberg einen äußerst interessanten historischen Hintergrund: Vor ca. 700 Jahren verließen Bauern und Hirten aus dem Goms (Kanton Wallis, Schweiz) ihre Heimat. Sie wanderten nach Süden und nach Osten ab und besiedelten auch die Hochtäler des heutigen Vorarlbergs. Die Walser Wanderungsbewegung im alpinen Raum, gegen Ende des Spätmittelalters, ist einzigartig. Auf meist naturnahen, teils historischen Wanderwegen begeben wir uns auf die Spuren dieser aus dem Wallis stammenden Siedler, die oft in großen Höhenlagen ein neues Zuhause fanden.
Auf dem Walserweg Vorarlberg lernen wir nicht nur die Walser kennen, sondern auch ihre Geschichte, Sprache, Architektur und Arbeitsweise. Wir erfahren, wie sie meist aus rätoromanischen Alpweiden Dauersiedlungen geschaffen, aus der Wildnis neues Kulturland gewonnen und später manche Talschaft zur Tourismusregion gewandelt haben.Der Walserweg Vorarlberg verläuft auf bestehenden, gut ausgebauten und beschilderten Wanderwegen. Das Gelände ist teilweise steil, Absturzgefahr ist nicht ausgeschlossen. Trekking- bzw. Bergwanderschuhe werden empfohlen. Eine entsprechende Kondition, Trittsicherheit und ein elementares Orientierungsvermögen sind erforderlich.
Die Walser in Vorarlberg, Tirol und Liechtenstein
Die Siedlungen der Walser in Vorarlberg, die ein Viertel der gesamten Landesfläche einnehmen, sind in ihrer Gesamtheit die am spätesten besiedelten Gebiete Vorarlbergs. Walser besiedelten das Laternsertal, das Argental mit Damüls, das Große Walsertal, das Brandnertal, das Silbertal im Montafon, das obere Lechtal (Lech, Warth, Schröcken) – auch der Tannberg genannt – sowie das Kleinwalsertal, das das obere Breitachtal umfasst. Weitere Walser Familien siedelten sich in anderen Orten des Montafons sowie in einigen Höhenlagen im Walgau und Rheintal an. Vereinzelt wurden sie ebenso in den Tallagen sesshaft, was öfter zu Streitigkeiten führte. Jahr und Tag der Einwanderung der Walser in Vorarlberg lassen sich urkundlich nicht belegen. Die ältesten vorhandenen Urkunden stammen aus dem Jahr 1313, die Walliser im Laternsertal und auf Damüls belegen. Es darf angenommen werden, dass die Walser sich an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert in Vorarlberg angesiedelt haben.
Als einzige Walser Gemeinde in Tirol gilt Galtür. Um 1313 sollen sich etwa 50 Walser Familien im Talboden niedergelassen haben. Sie blieben noch lange Zeit die Fremden im innersten Paznaun.
In Liechtenstein gelten Triesenberg und Planken als Walser Gemeinden. Aus einem Schiedsspruch im Jahr 1355, der die Alpe Malbun betrifft, stammt der älteste urkundliche Beleg von Walsern im heutigen Fürstentum.
Fotopunkte
Werden sie Teil einer digitalen Fotowand zum Walserweg Vorarlberg. Sie können Bilder von den jeweiligen Etappen des Walserweg Vorarlberg digital an das Walser Museum Riezlern (stefan.heim@gde-mittelberg.at) senden. Schreiben sie dazu einen kurzen Text. Die Bilder werden dann online in einer Bildergalerie veröffentlicht.
Die Etappen
Etappe 1: Brand - Bürs - Tschapina - Gaschiera-Schesa - Bürserberg
Etappe 2: Bürserberg - Garsellijoch - Nenzingerberg - Kühbruck - Nenzinger Himmel
Etappe 3: Nenzinger Himmel - Sareiserjoch - Malbun - Triesenberg
Etappe 4: Triesenberg - Kulm - Steg - Malbun
Etappe 5: Malbun - Mattlerjoch - Gampalpe - Nenzing
Etappe 6: Nenzing - Ruine Jagdberg - Schnifis - Düns - Dünserberg
Etappe 7: Dünserberg - Hinterjoch - Innerlaterns - Oberbonacker - Laterns-Thal
Etappe 8: Laterns-Thal - Stöck - Furx - Dafins - Viktorsberg
Etappe 9: Viktorsberg - Hohe Kugel - Fluher Eck - Ebnit
Etappe 10: Ebnit - Fluhlöchle - Hauseralpe - Mellau
Etappe 11: Mellau - Kanisalpe - Wannenhöhe - Uga - Damüls
Etappe 12: Damüls - Faschina - Fontanella - Sonntag - Blons
Etappe 13: Blons - Leusorgweg - Ruine Blumenegg - Thüringerberg - St. Gerold
Etappe 14: St. Gerold - Plansottalpe - Schäfis - Sentumalpe - Garsella - Sonntag
Etappe 15: Sonntag - Buchboden - Überlutalpe - Ischkarneier Fürggele - Schadonapass - Schröcken
Etappe 16: Schröcken - Hochtannbergpass - Hochalppass - Baad - Mittelberg
Etappe 17: Mittelberg - Breitachweg - Riezlern - Schwendetobel - Au - Rohr - Mittelberg
Etappe 18: Mittelberg - Gemstelpass - Hochkrumbach - Warth
Etappe 19: Warth - Wannenkopf - Bürstegg - Bodenalpe - Lech
Etappe 20: Lech - Krigersattel - Zug - Lechweg - Formarinsee
Etappe 21: Formarinsee - Lange Furka - Laguzalpe - Marul - Raggal
Etappe 22: Raggal - Ludescherberg - Laz - Muttersberg - Bludenz
Etappe 23: Bludenz - Arlbergweg - Dalaas - Kristbergsattel - Silbertal
Etappe 24: Silbertal - Silbertaler Winterjöchle - Schönverwall - Verbellner Winterjöchle
Etappe 25: Verbellner Winterjöchle - Verbellaalpe - Zeinisjoch - Galtür
21.08.2013
In Zusammenarbeit mit Vorarlberg Tourismus wurde der Walserweg Vorarlberg nun auch bei Vorarlberg Travel online gestellt. Hier finden sie auch Karten und GPS-Tracks zum Downloaden.
Hier werden mögliche Wanderrouten zu Walser Siedlungen in Norditalien, im Oberwallis, Tessin, Graubünden, Liechtenstein und Vorarlberg beschrieben.
Es handelt sich bei der Auswanderung der deutschsprechenden Walliser, also der Walser, weder um eine zeitlich, noch gebietsmässig konzentrierte Emigration und so verbinden die folgenden Wandervorschläge Stationen der Besiedlung. Sie sind nicht als Auswanderungsrouten zu betrachten. "Der Große Walserweg" ist nicht die genaue Auswanderungsrichtung der Walser. Die Wanderrouten verbinden vielmehr Stätten der "Walserkultur". Mancherorts lassen sich Walser Eigenarten - weit entfernt von der Urheimat - an Siedlungsformen, Hausbau, landwirtschaftlicher Bebauung, Menschenschlag und an der deutschen Oberwallisersprache wiederfinden.
Die einzelnen Etappen sind meist anspruchsvolle Tagesstrecken und setzen eine gewisse Bergerfahrung und Kondition voraus. Für jede Wanderung sind entsprechende Karten und eine ordentliche Wanderausrüstung unerlässlich. Rechts können sie die verschiedenen Routen auswählen.
Weitere Informationen finden sie auch unter www.walserweg.com
Seit 2010 gibt es neu ausgearbeitete Etappen für Graubünden. Mehr Informationen über den "Walserweg Graubünden" findet man unter www.walserweg.ch

Im Mittelalter wanderten Oberwalliser in alle Himmelsrichtungen aus. Sie gründeten rund 200 hochgelegene Kolonien im Alpenraum, die heute als Walsersiedlungen gelten. Er führt auf 14 Etappen und 3 Zusatzetappen von Binn nach Vals, vom Goms in die Surselva und besucht dabei die vier Schweizer Kantone Wallis, Tessin, Uri und Graubünden sowie das italienische Piemont.
Wer den Walserweg Gottardo unter die Füsse nimmt, lernt die Orte kennen, in die die Siedler aus dem Oberwallis im 12. und 13.
Jahrhundert auswanderten und die sie kolonisierten.
Die ersten 14 Etappen des Walserwegs Gottardo entsprechen der regionalen Route 62 von Schweizmobil. Im Wanderführer sind auch die drei zusätzlichen Etappen 15 bis 17 von Obersaxen bis Vals beschrieben. Der Walserweg Gottardo ist ein zentraler Abschnitt des «Grossen Walserwegs», der zum Ziel hat, die Walserorte von Frankreich bis Österreich zu verbinden.
Weitere Informationen finden sie auch unter walserweg-gottardo.ch/walserweg-gottardo
Wie viele Menschen wohl durch die Jahrhunderte diese Pfade begangen haben, die früher die einzigen Verbindungswege für Austausch und Handel waren?
Wenn wir heute auf dem Großen Walserweg wandern, tauchen wir in eine Vergangenheit ein, welche von der tiefen Verbundenheit zwischen Mensch und Umwelt geprägt ist, und entdecken das Leben der Bergvölker, dieser fleißigen und erfinderischen Menschen, die an harte Arbeit gewöhnt sind und Mundarten ferner Volksgruppen sprechen.
Weitere Informationen finden sie auch unter www.walserweg.it/de/der-grosse-walserweg